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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-03-22 · Heft 12 (22.3.1870) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 12 (22.3.1870)
Date
1870-03-22
Page
Seite 231 (sequence 11)
Language
German
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231 dem Institute die Herren Renan (dem dieser Lehrstuhl in Folge seines Werkes „das Leben Jesu" entzogen worden) und I. Dcrenbourg dem Unterrichtsminister vorgeschlagen. — Dem Senate liegt ein Gesetzentwurf vor, den eingeborenen Israeliten Algeriens das französische Bürgerrecht zu ertheilen, wenn sie es binnen Jahresfrist erlangen. Schweiz. Aus dem Aargau, 9. März (Privatmitth.) Mit Bezugnahme auf meine jüngste Nachricht freut es mich, Ihnen heute melden zu können, daß nach einem gestrigen Telegramm des „Bund" der Handelsvertrag der Schweiz mit Rußland auf Schwierigkeiten gestoßen, weil die russische Regierung die völlige Reciprocität für Angehörige der verschiedenen Religionen nicht zugestehen will: der Handelsvertrag scheitert an den Juden. Verhandlungen, die unlängst zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten stattgefunden, lassen auch nicht erwarten, daß man in Petersburg dazu zu bringen sein werde, den Forderungen, auf welchen die Schweiz bestehen muß, ein offenes Ohr zu leihen. Bekanntlich hatte Präsident Grant Anlaß gehabt, sich beim Petersburger Cabinet für die Gleichstellung der Juden zu verwenden. Es wurde ihm crwiedert, man sei bereit, den Juden alle mögliche Unterstützung zur Verbesserung ihrer Zustände zu gewähren, wenn man auch eine absolute Emancipation nicht gewähren könne, da sie noch auf zu heftige Opposition stoße. Der amerikanische Staatssecretär hatte darauf geantwortet, er hoffe, daß die russische Regierung es mit ihrer Politik vereinbar finden werde, den Juden die gewünschten größeren Rechte wirklich zu bewilligen. Die Erfahrung zeige, daß die Aufhebung der Beschränkungen die betreffende Klasse nur hebe und dem Gemeinwohl, so wie der socialen Organisation Vorschub leiste. Aus dem Aargau, 10. März. (Privatmitth.) Von Seite der Regierung von St. Gallen ist die Verwendung des Bundcsrathes bei der k. k. Regierung zu Gunsten der in St. Gallen wohnhaften Israeliten von Hohenems nachgesucht worden, welche für den Unterhalt der Synagoge in Hohenems und andere Cultuszwecke zur Steuerentrichtung an die Heimathgcmeinde verhalten werden, obgleich sie auch in St. Gallen, ihrem Wohnorte, für die gleichen Zwecke Steuer entrichten müssen, und somit das unzulassge Verhältniß einer Doppelbesteuerung vorliege. Der Bundesrath hat laut „Bund" in seiner gestrigen Sitzung das Begehren ablehnend erwiedert mit dem Bemerken, es sei für ihn feststehende Praxis, sich nicht in die Beziehungen Angehöriger anderer Staaten zu ihrer Landesregierung einzuinischen, wie er hinwieder auch keine solche Einmischung anderer Staaten annehme; wenn die in St. Gallen wohnhaften Israeliten von Hohenems in ihrer Heimath mit Steuerfordcrungen belästigt werden, die sie nicht schuldig zu sein glauben, so haben sie aus dem in Oesterreich hierfür vorgeschriebenen Rechtswege ihre Beschwerden bei den dortigen zuständigen Behörden anzubringen, und werde ihnen nicht entsprochen, so stehen ihnen frei, aus dem jenseitigen Staatsvcrbande auszutreten und sich damit von den ihnen unerträglich erscheinenden Lasten zu befreien. Argentinische Republik. Bnenos-Ayres, im November. (Arch. isr.) Am 12. November wurde in Buenos-Ayres von den Israeliten eine enthusiastische Versammlung wegen des Baues eines Tempels abgehalten. Während der Sitzung wurde eine bedeutende Summe gezeichnet, und so haben unsere Glaubensgenossen der argentinischen Republik auch einen Vereinigungspunkt. Von Herrn H.—N. Hart ging die Anregung dazu aus. Rußland. St. Petersburg, 9. März. (Privatmitth.) Bei der großartigen Thätigkeit, welche die ausländischen resp. preußischen Juden in unserem Interesse entfaltet haben, wird es ihnen gewiß nicht unerwünscht sein, zu erfahren, was denn eigentlich die russischen Juden selber zu ihrem eigenen Wohle thun. Unthätig sind allerdings die russischen Juden nicht, aber wohin eigentlich ihre Thätigkeit gerichtet ist, weiß kein Mensch, sie schreiben und sprechen und schreien, bilden Quasi- Vereine, halten Quasi-Reden und am Ende — nascitur 12*

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