Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-03-22 · Heft 12 (22.3.1870) · p. Seite 227

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 12 (22.3.1870)
Date
1870-03-22
Page
Seite 227 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226744-3226757--28189-3302003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

227 Haus vonDaniel Ehrmann. ZweiTheile. Brünn, 1869." Der 1. Th. giebt die bibl. Gcsch., der 2. die Gesch. von der Zeit Alexander d. Gr. bis aus die Gegenwart. Das Werk ist ganz gut abgcfaßt und mit Umsicht, wenn auch selbstverständlich jede blos übersichtliche Geschichtserzählung nur durch die Ausführungen eines geschickten und sachkundigen Lehrers nutzbar gemacht werden kann. Am meisten leidet bei dieser Methode die Gegenwart, welche dem Leser ganz unverständlich bleiben muß. Es ist dies bis jetzt in allen derartigen Schriften der Fall, und die Verfasser derselben sollten nicht über die Zeit Mendelssohns hinausgehen, oder der Zeit nach dieser größere Ausführlichkeit und stärkere Betonung der einzelnen Momente widmen. — Am meisten ist in der jüngsten Zeit der früher so reichlich fließende Strom der Katechismen ins Stocken gerathen. Wir haben nur einen zu erwähnen: „Israel. Religions- und Sittcnlehre für Schüler der Volksschulclassen von Di-. G. Wolf, Religionslehrer. Wien, Herzseld u. Bauer, 1870." Die Definitionen sind kurz und klar (über manche ließe sich streiten), die Bibelstellcn (hebr. und deutsch) nicht gehäuft, das Ganze wohlgeordnet und zweckmäßig. — Als e i n Glied einer langen Kette ziehen wir auch als ein recht brauchbares Büchlein folgendes heran: „Vocabularium zum hebräischen Gebetbuch. Von Moritz Herzberg. Breslau, Schlecker, 1869." — Wir werden denjenigen Lesern, welche zum Lehrerstande gehören, einen Gefallen erweisen, wenn wir sie auf folgende Schrift aufmerksam machen: „Grundriß der deutschen Grammackk. Ein Leitfaden für Lehrer und ein Lernmittel für entwickeltere Schüler von A. H o r - witz. Berlin, Gerschel. 1870." Sie ist mit großem Scharfsinn, mit vieler Sicherheit und Bestimmtheit gearbeitet und die hinzugefügten Beispiele vortrefflich gewählt. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, im März. (Privatmitth.) In der Straße „Königsgraben" Nr. 10, in welchem Hause Lcssing seine Minna von Barnhclm vollendete, wurde in diesen Tagen eine marmorne Gedenktafel mit einer vergoldeten Harfe eingesetzt, wozu eine Büste Lessing's hinzugefügt werden soll. Man hatte die Absicht gehabt, diese Denkzeichen an dem Hause „Rikolaikirchhos" anzubringen, in welchem Lessing während des größten Thciles seines Aufenthaltes in Berlin gewohnt hat, aber die Geistlichkeit hat dies hintertriebcn, weil die Büste Lessings in solcher Nähe der Kirche ihr nicht angemessen schien. Alan spreche nun noch von Rom, wenn dergleichen in Berlin im 19. Jahrhundert möglich ist. Freiburg, 27. Febr. Die „Bad. L. Z." schreibt von hier: In Folge eines vom großh. Oberrath in jüngster Zeit ergangenen Urtheils, welches sogar die vom großh. Verwaltnngsgerichtshos erfolgte Entscheidung theilweise in Frage stellt, haben die hier wohnenden Israeliten in einer Versammlung die schriftliche Erklärung abgegeben, daß sie, wenn bis Ende dieses Jahres die längst als unzeitgemäß anerkannte Ministerialverordnung vom 31. Dec. 1849 nicht aufgehoben, oder eine der Neuzeit angemessene Kirchenverfassung nicht in's Leben gccketen ist, aus dem Verbände der badischen Judenschaft austreten würden. Gleichzeitig wurde der Synagogenrath beauftragt, diesen Beschluß mit Beweggründen zur Kenntniß aller israel. Gemeinden des Landes zu bringen, mit der Aufforderung, sich den hiesigen Israeliten anzuschließen. Erfurt, 8. März. »Privatmitth.) Bei der jüngst hier im Kreise der Stadtverordneten-Versammlung stattgehabten Wahl eines Stadtraths fiel dieselbe mit bedeutender Majorität auf den bisherigen Vorsitzenden des jüv. Gemcindevorftands und langjährigen Stadtverordneten Herrn Banquier W. Moos, und nachdem, wie zu erwarten stand, oie Bestätigung der Wahl seitens der Köuigl. Negierung erfolgt, wird die feierliche Einführung desselben in sein Amt nächsten Freitag stattsinden. Dürfen wir cs jetzt Gottlob auch nicht mehr zu den Seltenheiten zählen, daß Verdienst und Intelligenz auch in dem Juden anerkannt und gewürdigt werden, so ist es immerhin von hoher Bedeutung und verdient in diesen gesch. Blättern registrirt zu werden, wenn auch in solchen Städten das Vorurtheil großentheils geschwunden, in welchen man noch vor wenig Decennien einen wahren Graus empfand, einem Juden die Niederlassung zu gestatten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.