Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1870)
- Date
- 1870-03-22
- Page
- Seite 225 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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225 Lieferungen die Befriedigung des Publicums nach den verschiedenen Richtungen hin orangen werden. Bonn, 13. März. Da wir unsere seit längerer Zeit unterbrochene Berichterstattung über die literarischen Erzeugnisse auf unserem Gebiete wieder beginnen wollen, könnten wir über die Masse des aufgehäuften Materials erschrecken und uns davon abhalten lassen, damit zu beginnen. Jndeß erkennt man bald, daß sich leicht Rubriken finden, in welche die einzelnen zu bringen, und wo dann nicht wenige denselben Stoff bearbeiten, oder sich darin doch so nahe stehen, daß sie in ihrer Verbindung auch nur einer kürzeren Besprechung bedürfen. Fangen wir daher getrost an, und zwar zunächst mit der lieblichen Kunst. Wir haben „Zwei neue Bilder aus dem altjüdischen Familienleben" von Professor Oppenheim zu Frankfurt a/Main vorliegen, das 13. u. 14. aus dieser so allgemein beliebten Gallerie, zu unserem Bedauern die letzten, die Sammlung abschließenden, wie der Buchhändler anzeigt. Sie sind, wie die früheren, von einer Worterklärung des Herrn Dr. Leop. Stein begleitet, die an Geist und Gemüth dem Gegenstände, den sie schildern, entspricht. Das 13. Bild stellt das „Schultragen," nämlich das Bringen eines Knäbchen mit seiner „Wimpel" (alias Mappo) in die Synagoge, das 14. den Vortrag (Dräsche) eines Bar Mizwa dar. So charakteristisch das erstere für die ältere Synagoge ist, indem sie die ganze Naivetät ihres Cultus zur Anschauung bringt, so möchten wir das letzte Bild doch bei Weitem vorziehen. Jenes zerfällt in mehrere Gruppen, die keinen Zusammenhang haben, und nur zeigen, was Alles gleichzeitig in der Synagoge vorgenommen wurde. Der Vater, der des Kindes Hand an die Thorah legt, die Gemeindediener, die unterdeß nonchalant dastehen, die Rabbinen, die über ihre Sforim gebückt stehen, die beiden „Reichen," die sich vom Geschäfe unterhalten; von der Gallerie blicken die -Frauen durch die bergitterten Oeffnungen neugierig herab. Im letzten Bilde concentrirt sich Alles in glücklichster Gruppirung um den seinen Vortrag haltenden Knaben, welcher, wohl nicht bewußt, wie viel Gelehrsamkeit und Scharfsinn — das Werk seines Lehrers — er hervorsprudelt, aber mit vortrefflichem Gedächtniß und immerhin der Sache nicht fremd, seines guten Ausgangs und Sieges gewiß ist und kühn mit dem ausgeftreckten Daumen dcmonstrirt. Die glückliche Mutter, die nichts als ihren leuchtenden Knaben sieht, der gute, ungelehrte Vater, welcher nur auf den Oberrabbi und dessen Mienen blickt, dieser mit seiner vollen Theilnahme, ein Pole, der mit gebücktem Haupte in die Sache verloren scheint, der behäbige Gevatter, der doch auch das gefüllte Glas ins Auge faßt, der doch immer noch besorgt ist, der kleinere Bruder, die Dienerschaft, bis auf die beiden spielenden Katzen, die ein Analogon aus der Thierwelt andeuten, dies Alles, vortrefflich geordnet und höchst sinnig ausgeprägt, macht das Bild zu einem der besten in der ganzen Sammlung, ebenso tief gefühlt wie sorgfältig durchdacht. — Hieran mögen sich drei Blätter von Photographien „berühmter Männer in Israel" von Jsr ael Wiese n aus Ungarn reihen. Das eine Blatt bringt eine große Zahl von Rabbiner früherer Jahrhunderte, während die beiden anderen die Rabbinen der Gegenwart mit einigen Schriftstellern und dem Baron James von Rothschild, Cremieux ff. enthalten, und zwar beide meist dieselben, aber in anderer Gruppirung. Die Photographien haben im Ganzen , namentlich auf den Blättern für die gegenwärtigen Männer, keinen großen Werth, nur einige treten lebendig und scharf gezeichnet hervor. Es ist nicht blos die Tracht, welche einen merklichen Unterschied zwischen den älteren und jüngeren Rabbinen, die auf diesen drei Blättern erscheinen, ausmacht, sondern die ganze Physiognomie, welche bei den ersleren außerordentlich markirt hervorttitt. Man kann wohl beobachten, wie viel die neuere Zeit an Form und Ausdruck abgeschliffen und verallgemeinert hat. Jndeß ist nicht zu übersehen, daß auch unter den älteren merkwürdige Unterschiede zwischen den Orientalen, Spaniern und Polen zur Erscheinung kommen, so beweisend, daß die jüdische Physiognomie in den verschiedenen Ländern und Zeiten sich sehr verschieden gestaltet und von Racenartigem wenig an sich hat. — Bonn, 13. Mär;. Die Buchhandlung F. A. Brockhaus in Leipzig giebt eine „Bibliothek der deutschen Nationalliteratnr des 18. u. 19. Jahrhunderts heraus. Als 28. Band dieser Bibliothek erschien soeben: „Mendelssohn: Phädon. Jerusalem." Wenn die Ausstattung dieser Bibliothek nichts Besonderes hat, so sind doch die Typen groß und der Druck klar und corrcct. Voran geht eine gut geschriebene Biographie Mendelssohns von Arnold Bodek, der auch einige Anmerkungen hinzugefügt hat. Für diejenigen, welche,