Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1870)
- Date
- 1870-03-22
- Page
- Seite 224 (sequence 4)
- Language
- German
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224 sogenannten „Seelsorge," eine Arbeit für Unterbeamte, Abbruch geschehe. Es giebt in Deutschland keine Kategorie jüdischer Gelehrter, die sich der Wisienschaft widmen kann, ohne um das tägliche Brod arbeiten zu müssen. Es hat der Vorsehung gefallen zu allen Zeiten, es einzelnen Männern einzugeben, Stiftungen und Spenden für einzelne UnterrichtsstLtten zu gründen. Mancher tüchtige Geist ist daraus hervorgegangen oder richtiger gesagt: die Gunst der Umstände hat manches gut vorbereitete Talent zu einer glücklichen Ausbildung gelangen lassen. Da alle bisherigen Anstalten dieser Art nur Vorbereitungs-Institute sind und größtentheils durch eine absperrende Clausur eine einseitige Richtung begünstigen, sind sie desto mehr dem individuellen Impulse des Stifters oder der Verwaltung ausgesetzt. Aber der allgemeine Segen wird erst ruhen auf dem allgemeinen Werke. Was der Geist der Gesammtheit schafft, wirkt wieder auf die Gesammtheit. Die Wisienschaft kennt keine Partei; die Wisienschaft steht über der Partei, sie soll die Parteien versöhnen. So wie die Tiefe und Gründlichkeit der Gelehrsamkeit bei Anstellung der Lehrer an der Hochschule allein entscheidend sein wird, so werden sämmtlichen Richtungen die Bahnen der Bewerbung geöffnet sein, und wenn eine Rivalität der Parteien stattfinden wird, muß solche der Gesammtheit zu Gute kommen, mag jede Partei die gelehrtesten und gründlichsten Vertreter stellen. Einzelne können irren oder voreingenommen sein; wo die Gesammtheit der deutschen Gemeinden vertreten sein wird, kann nur die durch die öffentliche Meinung unbedingt anerkannt tüchtige Kraft zur Geltung kommen, und der Genius des jüdischen Stammes wird des rechten Weges sich bewußt sein. Vor Allem geschehe die That! Mögen in diesem Sinne die Vertreter aller Richtungen, die Vertreter der orthodoxen wie fortschrittlichen Gemeinden, den Gemeindetag beim Wort nehmen und das Gewicht ihrer eigenen Stimmen in die Wagschale einlegen. So kann es dem Gemeindetag beschieden sein eine Kluft auszufüllen, welche die Spaltung der Parteien zu reißen droht. Wenn in diesem Jahrh. in Israel gar Manches geschehen, was man aus Rücksicht nach außen glaubte thun zu sollen, weil man fick als fremd angesehen fühlte und der Gast dem Wirthe sich anbequemend, Manches mit schielendem Gepräge schuf, so ist es gegenwärtig, wo uns unser Heimathsrecht unbestritten geworden, auch an der Zeit uns nach innerem Bedürfniß einzurichten und auf dem Boden sicherer Heimathlichkeit Festes für die Zukunft zu gründen und aufzubauen. Hierbei gibt es eine Solidarität der Gemeinden, wie es stets im Judenthum eine Solidarität der Einzelnen gegeben. Allein aus den Einzelnen setzt sich die Gesammtheit zusammen, und der Beitritt der Einzelnen ist für den Gemeindetag eine unerläßliche Nothwendigkeit. Die normirten Beiträge der Gemeinden sind für die Zwecke des Gemeindetages bei Weitem nicht ausreichend. Die Zahl der Gemeinden ist eine gegebene; ihre Beilragskraft eine begrenzte; die Einzelnen können in ihrer Bereitwilligkeit Unbegrenztes leisten. Darum hat der Gemeindetag den Einzelnen den Beitritt offen und ihnen verfasiungsmäßige Rechte Vorbehalten. Den Mitgliedern der Vorstände und Vertretungen aber ist die schöne Stellung geworden auch hierin mit ihrem Beispiel und ihrem Einfluß voranzugehen. Literarischer Wochenbericht. Leipzig, 11. März. In diesen Tagen beginnt die Versendung der diesjährigen Schriften des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur. Sie bestehen aus vier Werken, nämlich: 1) Die Geschichte des Volkes Israel von der Zerstörung des ersten Tempels bis zur Einsetzung des Makkabäers Simon zum hohen Priester und Fürsten, von Dr. I. Herzfeld. Es ist dies eine Ueberarbeitung des früheren Werkes des Herrn Verfassers. 2) Beiträge zur jüdischen Alterthumskunde von Leopold Löw, Bd. I. 3) Der dritte Band der Bibliothek der griechischen und römischen Schriftsteller über Judenthum und Juden, enthaltend die Uebersetzung der Schriften des Philo nebst Einleitungen und Anmerkungen. Es sind diesmal übersetzt: die Schöpfungsgeschichte, die drei Bücher Allegorien und das Buch über die Cherubim und Cain. Und 4) ein Band Novellen. Wir hoffen, daß diese