Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1870)
- Date
- 1870-03-15
- Page
- Seite 211 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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211 badische Abgeordnetenhaus von einem Juden, dem Abg. Kusel, ein Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe eingebracht worden, und hat das Haus denselben mit 40 Stimmen gegen 9 angenommen. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, im Febr. (Privatmitth.t Eine große Gefahr bedrohte vor Kurzem einen unserer besten Mitbürger, den auch in dem Bl. schon öfter rühmend genannten Direktor der isr. Taubstummen-Anstalt, den k. k. Rath Joel Deutsch. Ein seit zwei Jahren im Institute angcstcllter Lehrer, Jsaac Bardach, hatte schon öfter eigenmächtig Zöglinge in roher Weise gezüchtigt. Als chm der Director mit Entlassung drohte, übcrflmhete ihn der Lehrer mit Schimpfworten, worauf der Director die Entlassung aussprach. Da griff Bardach in die Brusttasche, zog ein Taschenmesser hervor und versetzte Herrn Deutsch zwei Sticke in die Brustgegend. Während der Verwundete um Hilfe rief, flüchtete Bardach, wurde jedoch vom Sohne des Herrn Deutsch verfolgt und in der Rudolphsgasse durch einen Sicherheitsmann verhaftet. Die Verwundungen, die Director Deutsch erhielt, sind zwei Stichwunden von 1'/» uud 2 Zoll Länge, die glücklicherweise nicht lebensgefährlich sind. Bardach wurde heule Abends dem k. k. Landesgerichte eingeliefert. Das Befinden des Herrn Deutsch flößt keine ernsten Besorgnisse ein, und steht dessen baldige Genesung in sicherer Aussicht. — Die Rack - richt von diesem traurigen Vorfälle hatte sich mit großer Schnelligkeit in der inneren Stadt und Leopoldftadt verbreitet. Nachmittags erschienen zahlreiche glieber der hiesigen israelitischen Gemeinde im Taubstummen-Jnstirute, um der Familie des verehrten Directors ihr Beileid auszudrücken. Ueber Bardach wird uns mitgetheilt, daß dieser, ein verschlossener und jähzorniger Charakter, sich durch sein unfreundliches Benehmen nie besonderer Sympathien im Institute zu erfreuen hatte. Italien. Rom, im Februar. iPrivatmitth.) Die Verblendung, in welcher die Curie, besonders auch der Papst, und dann alle Satelliten jener sich befinden, ist eine ganz unmeßbare und erinnert an den alten Spruch: Wen Gott verderben will, den blendet er. Die ultramontanen und Jesuiten-Blätter sehen bereits die unwiderstehliche Herrschaft der im Syllabus verkündeten Grundsätze fest gegründet. Eines derselben, das römische Hofblatt, die „Civita Catolica,“ erklärt: „Wenn die Regierungen Gesetze erlassen, die den Concildecreten entgegen sind, so sind diese Gesetze durchaus nichtig und werden in keinerlei Weise das Gewissen der Unterthanen verpflichten. Ihre Durchführung zu erzwingen wäre ein Act der ruchlosesten Tyrannei." Entweder muß man eine eherne Lügenftirn haben, um so zu sprechen, oder in die dunkelste Verblendung versunken sein, um die Tragweite eines fanatischen Priester - spruches in unserer Zeit so zu verkennen. Das Thörichtsre aber, was der Papst und Die Curie sich einbilden, ist, daß sie in der kürzesten Zeit die Bekehrung sämmtlicher Juden zur katholischen Kirche mit großer Bestimmtheit erwarten. Was sie zu dieser Erwartung verleitet, weiß man nicht. Aber sie verkünden sie mit einem solchen vächeln sicheren Triumphes, daß man ihre Hoffnungen nickt verkennen kann. Freilich konnte der Widerstand sie eines Bessern belehren, den die Zwangstaufe des Knaben Mortara gefunden, der die Curie selbst in so langen Jahren nur ein Beispiel noch am Knaben Cohn folgen lassen konnte, und die im Ghetto wohnenden Juden zu Rom liefern doch den Beweis unmittelbar für die Curie, daß die Juden durchaus nicht gesonnen sind, sich dieser Kirche der Liebe zur Verfluchung der Menschen anzuschließen. Aber das schadet nichts, diese Menschen, welche des Umgangs mix dem heiligen Geiste immerfort gewürdigt werden, müssen es ja besser wissen, und wo einmal die Ueberzeugunz von der Unfehlbarkeit Eingang gefunden, muß ja auch diese Voraussicht unfehlbar richtig sein. Vorläufig erfreut man sich der beiden Abbes Lehmann und ihrer dickleibigen Bücher zur Bekehrung der Juden, die freilick von den Juden nicht gelesen werden und welche deshalb auch von den französischen jüdischen Journalen gar nicht beachtet werden sollten, Run, solche Eroberungen hat die Kirche von Zeit zu Zeit immer gemacht 9 niemand aber wird einen großen, weitästigen und mit grünem Laube bedeckten Baum für todt erachten, weil einige welke Blätter von chm abfallen. 11*