Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1870)
- Date
- 1870-03-15
- Page
- Seite 207 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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207 * I durch den regelmäßigen Sabbathgottesdienst der jüdischen Jugend kein wesentlicher Fachgegenstand entgehe. Da gegenwärtig für die Verherrlichung des Gottesdienstes das Beste geschieht, werden die Jugendeindrücke aus der Religion der Väter für die ganze Lebensdauer denselben poetischen Nachhall (wie für uns die Eindrücke unserer Jugend) haben, welcher physisch und historisch der mächtigste innere Kitt für das Anhasten an den vererbten Glauben ist. Darum kann den Vertretungen die Sorge für den nachhaltigen Eindruck eines geübten — eines von Jugend auf aus- und eingeübten Sabbath - Gottesdienstes in der Gemeinschaft der Glaubensgenossen nicht streng genug ans Gewissen gelegt werden. Diese interconfessionelle Seite der Schulftage ist eine absolut nothwendige Ergänzung der jetzt in Fluß gekommenen Bewegung für die confessionslose Schule — und ein Prüfstein für diejenigen Schuldirectoren, welche ihre Intoleranz bezüglich eines sabbathlichen Stundenplans hinter das Princip der Confessionslosigkeit flüchten. — Nach dieser Richtung hin gibt es noch viel Arbeit in den Gemeinden. Sie wird aber mit Erfolg nur gethan werden, wenn die Gesammtheit der deutschen Gemeinden den unwiderstehlichen Nachdruck sowohl nach innen wie nach außen übt. Nur durch die Wucht des energischen Zusammenwirkens aller Gemeinden kann der doppelseitige passive Widerstand seitens vieler Eltern und Schulbehörden völlig gebrochen werden. Doch kurz ist die Zeit welche der Religionsunterricht und die Religionsübung den andern Wissensfächern abringen kann, aber auch kurz ist die Kindheit! Tritt die Jugend aus dem Alter der Schulpflichtigkeit heraus, dann Horen die sogenannten „Religionsstunden" auf. Neue Neigungen, neue Berufs- und gesellige Beziehungen umfangen die Jugend. In diesem die Entfremdung vom Religiösen höchst begünstigenden Stadium kann nur Eins einwirken, nur Eins dem Ueberwuchern einer vornehm verächtlicher Ueberhebung über alles Religiöse entgegenarbeiten — und das ist ein vorsichtig mit allem nöthigen Tact und feiner Fühlung mit dem Zeitgeiste gepflegtes, von dem Gemeindetage ausdrücklich betontes — B ereinswesen, zur Förderung edler Geselligkeit verbunden mit volksthümlichen Religionsvorträgen und Geschichtsbelehrung. Hier ist ein Feld, auf welchem die reifere Jugend für alles Sittliche, Ethische, Gemeinnützige, für die Geschichte unseres Stammes, für die hochpoetische Erhabenheit unserer classischen Literatur in der hebräischen Sprache, für den philosophischen Gehalt unseres Glaubens begeistert und so im Zusammenhang mit den ersten Eindrücken der Jugend erhalten und fortgebildet werden kann — durch die unmerklichen zarten Bande freier Selbstentschließung. (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, im Febr. ■'ttbai'r'b «lara. Introductio in Talmud Hierosolymitanum: Auctore Z. Frankel. Breslau, Skutsch, 1870. 8. 158 Bl. „Und der da ausgeht und eingeht hat keinen Frieden" (Secharj. 8, IO) — das geht auf den, der sich lossagt von dem einen Talmud idem Jeruschalmi) und sich wendet zu dem anderen (dem Babli), sagt R. Jochanan *) (Chagiga 10 a); was bedeutet Babel (020)? R. Jochanan sagte: ein Durcheinander (nbiba) von Schrift, von Mischna und von Talmud (Sanhedr. 24 a); „in Finsterniß hat er mich versetzt wie die ewig Tobten" (Klagl. 3, 6). — Das gilt von dem Talmud von Babel, sagt R. Jirmeja (das.); R. Sera, als er nach Palästina gezogen war, saß 40 Tage in Fasten, damit er vergesse die babylonische Gemara (8. mez. 85 a) — alle diese Aussprüche **) sind nur Variationen eines und desselben, an zahlreichen Stellen ausgeführten Themas: des scharfen Tadels, den die Lehrweise der Babylonier von den palästinischen und selbst von babylon. Lehrern erfuhr, und der Vorzüge, die man dem Lehrwesen der Palästiner zuschrieb. Als aber die beiden Talmude als abgeschlossene Schriftwerke Vorlagen, so war es dennoch das große Sammelwerk der babylonischen Schulen, welches die Grundlage des theoretischen Studiums wie der practischen Entscheidung bildete. Die Geonim als die *) obb ob72 ib-'si*. Es muß für 6b heißen: nrobrib mabnr, wie Rabbinowicz in cn bemerkt. Gemeint ist nicht etwa der Talmud als Werk, sandern das Lehrverfahren und die Methode; so auch in den folgenden Stellen. **) Zusammengestellt und besprochen -77377 ana, I, 83 ff. VI, 127 ff. von Rapoport u. II, 136 f.