Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1870)
- Date
- 1870-03-08
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Hochschule stehen, sondern in der innigsten Verbindung mit jener die Ausbildung ihrer Studenten bewirken. Unsere Anstalt ist kein Seminar zur abgesonderten Ausbildung von Theologen: die gesammte Wissenschaft des Judenthums, aber nur diese soll auf ihr vorgetragen werden, alle anderen Wissenschaften dagegen sollen unsere Studenten auf der Universität betreiben. Dies ist neben vielen anderen der hauptsächlichste Grund, weßhalb unsere Hochschule an der Seite der durch Weite des Umkreises der Disciplinen ausgezeichneten Universität zu Berlin errichtet wird. Die Hochschule sorgt auch drittens überhaupt nicht ausschließlich für den Studenten der Theologie; auch die Studirenden der Medicin, der Jurisprudenz und der Philosophie, denen das Interesse für die Schätze und Schicksale des jüdischen Geistes nicht fehlt, sollen hier Gelegenheit finden, sich auf wissenschaftliche Weise darüber zu unterrichten. Uns schwebt als ein nicht aüzufernes Ideal vor, daß einerseits manche Vorlesungen an unserer Hochschule — ebenso wie die öffentlichen Vorlesungen an der Universität — auch von jüdischen Laien als eine Quelle der Belehrung aufgesucht; andererseits auch nichtjüdische Studirende, welche für diesen speciellen Theil allgemeinen menschlichen Wissens ein Interesse haben, in denjenigen Zweigen, welche thatsächlich auf den Universitäten einer genügenden Beachtung entbehren, auf unserer Hochschule Belehrung suchen und finden werden. Dann wird es, indem namentlich auch die literarische Thätigkeit auf ihr einen festen Boden gewinnt, der glückliche Erfolg dieser Hochschule sein, über den Inhalt des Judenthums, sein Wesen, seine Leistungen und seine Geschichte unter Juden und Nichtjuden Licht zu verbreiten. Und wie sehr bedarf es deffen bei Beiden! Nicht um eine Abschließung also irgend einer Art, nach irgend einer Richtung handelt es sich, wenn wir eine eigene Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums errichten. Nur der Gegenstand, der hier betrieben wird, ist ein besonderer; nicht blos bis jetzt thatsächlich ganz vernachlässigt, sondern wahrscheinlich noch lange (und vielleicht nach der natürlichen Abstufung der Interessen für immer) von den Universitäten in beschränktem Maße beachtet, erheischt er eine eigene Stätte, wo er mit dem innigsten Interesse gepflanzt und gepflegt wird. Deßhalb würde auch die Errichtung eines oder zweier Lehrstühle für Wiffenschaft des Judenthums an einer Universität, wenn sie aus die eine oder andere Art hätte bewirkt werden können, nicht genügen. Ausgeschlossen aber ist für die Zukunft keineswegs, daß unsere Stiftung unmittelbar mit einer staatlichen Universität dann verbunden werden kann, wenn die Sicherheit gegeben ist, daß die Wissenschaft des Judenthums mit den übrigen Wissenschaften gleich berechtigt und unabhängig gepflegt wird. Für jede Wissenschaft giebt es ein zweifaches Interesse, aus dem sie betrieben wird; das eine ist das allgemeine, aus der Stellung, welche sie im System des Wissens überhaupt oder in der Beziehung zu den praktischen Lebenszwecken einnimmt; das andere ist persönlicher, localer oder irgend wie historischer Art. Ja! es ist das specifische Interesse, das wir als Juden an der Wissenschaft des Judenthums haben, welches uns den Maßstab geben soll für die größere Pflege, die wir ihr wollen angedeihen lassen. Der Fortschritt in jeder einzelnen Wissenschaft kommt auch anderen Wiffenschaften zu Gute; es gibt daher keinen vernünftigen Grund, weßhalb wir Anstand nehmen sollten, diese größere und innigere Pflege der Wissenschaft des Judenthums mit allen Mitteln zu fördern. So weit und nicht weiter, also nur aus die größere Energie, auf die weitere Ausbreitung, aus die speciellere Durchbildung, auf die methodische Erhöhung der Wissenschaft des Judenthums geht die Absicht, eine besondere Lehr-Anstalt für sie zu errichten. Allein weder für die Mitglieder dcs Vereins, noch für die Schüler ist in unserem Statut die Confession bestimmt. Hiernach bedarf es wohl keiner weiteren Erörterung, wie wenig Grund die Befürchtungen derer haben, welche meinen, daß unsere Anstalt einen jüdischen Klerus schaffen wolle. Gewiß, Rabbiner und Prediger werden sich unter den Juden immer finden; wir aber wollen dafür sorgen, daß sie zugleich gebildete, wissenschaftlich tüchtige Männer seien; wenn wir deßhalb der Wissenschaft, der sie zu ihrer Ausbildung bedürfen, eine eigene und gesicherte Stätte bereiten, wenn wir den Jüngern statt des Umhersuchens nach zufällig fließenden Quellen einen wohl bereiteten Lehrgang darbieten: dann folgen wir nur dem alten Zuge des jüdischen öffentlichen Geistes, zu dessen schönsten Eigenthümlichkeiten es gehört, daß für ihn nicht auf dem