Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1870)
- Date
- 1870-03-08
- Page
- Seite 190 (sequence 10)
- Language
- German
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190 seits werden Sie hinsichtlich der betreffenden Beamten die gerichtlichen Schritte anberarrmen, um sie zu bestrafen. Ich erkläre Ihnen, Herr Präfect, in kategorischester Weise, daß ich entschlossen bin, eigens zu diesem Zwecke jedes Vierteljahr Revisionskommissionen zu senden, mit der Mission, sestzustellen, wie diese Verfügungen befolgt worden. Schließlich appellire ich noch einmal an Ihre rumänischen Gefühle zu Gunsten der ökonomischen Interessen des Landes, und bin deshalb im Voraus gewiß, daß das Resultat, welches Sie erreichen werden, im Namen Rumäniens Ihnen nur Dank und meinerseits die tiefste Anerkennung verschaffen wird. In diesen Gefühlen erneuere ich den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung. Der Minister Cogolniceano. —. lieber die traurigen Wirkungen, welche die neulichen dreitägigen, in Judenhaß schwelgenden Debatten in der rumänischen Kammer gemacht, kommen uns die schmerzlichsten Briefe aus Bukarest zu. Da sie aber keine neuern Thatsachen bringen, übergehen wir sie hier. Paris, 7. Fcbr. Von hier läßt sich die „K. Z." schreiben: In letzter Zeit haben mehrfach Besprechungen des Grafen Daru mit Lord Lyons und Fürst Metternich Statt gefunden, welche die Beschwerden der Alliance israelite über die neuen Judenverfolgungen in Rumänien zum Gegenstände hatten. Es handelte sich um die Frage, ob eine gemeinsame Note in dieser Sache nach Bukarest zu entsenden sei. Wie man weiß, war es Herr Cogalnitscheano, der als Minister des Innern in der Kammer den famosen Ausspruch that, welcher zunächst zu jenen diplomatischen Pourparlers Veranlassung gegeben: „die Kammer möge die Gesetze gegen die Juden aus eigener Jnitiattve einbringcn; die Regierung könne es nicht, weil dies die Mächte sofort zur Intervention veranlassen würde!" Jetzt ist Herr Cogalnitscheano gefallen und mit ihm, wie cs scheint, das Haupt jener inhumanen judenfeindlichen Partei, so daß, wie man versichert, die Mächte davon Abstand genommen haben, durch einen gemeinsamen diplomatischen Schritt ihren Standpunkt noch einmal in Bukarest zu betonen. Man ist aber der Ansicht, daß der Stur; des betteffcnden Ministers an und für sich schon als hinreichende Genugthuung aufgefaßt werden dürfe. Die „R. fr. Pr?* enchält von demselben Tage ans Bukarest folgendes Telegramm: „Der französische and englische General - Eonsul haben hier bei de» Fürsten im Aastrage ihrer Regierungen sich dafür verwendet, daß die gehässigen Maßregeln gegen die Juden zurückgenommen werden. Sie erinnerten den Fürsten ausdrücklich an das Protokoll vom 19. August 1858. Mit dieser Intervention soll der Rücktritt Cogolnrtscheano's aus dem Ministerium Zusammenhängen." Bekannt ist es, daß seitdem das ganze Cabinet Ghika seine Entlastung genommen und erhalten. Die Präsidenten der Kammer und des Senates sind mit der Bildung eines neuen Cabinets betraut. Ob dadurch die Behandlung der Juden in ein befferes Stadium getreten, bezweifeln wir noch gar sehr. Auch Bratiano soll auf Andrängen d^ Mächte wegen seiner Judenverfolgungen zum Austritt aus dem Cabinet genöthigt gewesen sein, und sein Nachfolger trat noch unumwundener auf. So weit auch die Rumänen noch zurück sind, ihre Staatsmänner verstehen das diplomattsche Kunststück gar wohl, die Mächte durch ein scheinbares Zugeständniß zu dupiren. Man thut dann doch das Gegentheil von dem, was man zugcstanden hat. Holland. Leyden, 23. Febr. (Privatmitth.) Unser Glaubensgenosse, Herr Prof. jur. I. E. Goudsmit ist für dieses Jahr durch den König zum Rector magnificus ernannt worden. —. Am 18. Januar c. starb in Amsterdam der rühmlich bekannte Componist A. Berlyn, dem ein ehrenvolles Andenken in das Grab folgt. Er war geboren zu Amsterdam am 2. Mai 1817 und studirte die Musik zu Leipzig, componirte mehrere Opern, z. B. die „Bergknappen," die in Amsterdam aufgeführt wurden. Für diese nnd andere Compositionen erhielt er von seinem Könige den Orden der Eichenkrone. Biele seiner Compositionen sind zu Leipzig und Amsterdam erschienen; er hinterließ aber auch viele im Manuscript, z. B. das Philippson'sche Oratorium Moses auf Nebo.*) Seine Musik zeichnet sich gleicherweise *) Saron, Bd. IV. S. 365.