Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 88 (24.7.1838)
- Date
- 1838-07-24
- Page
- Seite 357 (sequence 3)
- Language
- German
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357 z B. nicht als eine Quelle für die Geschichte unsrer Dog» men angesehen werden? Aaron: Ich wage weder das Eine noch das Andre zu behaupten; und dennoch würde ich für meine Person auch die genaueste Darlegung des Umstandes, daß die Targumisten an manchen Stellen ihrer Uebersetzungen sich von den philosophischen Ansichten ihrer Zeit zur Abweichung vom Texte hätten bestimmen lassen, nicht als eine hinlängliche Beweisführung für deine Behauptung ansehen. Moses: Und was müßte geschehen, sollte diese dir vollkommen gerechtfertigt erscheinen? Aaron: Du müßtest nachzuweisen vermögen, daß auch Tcmaim oder Amoraim in ihren Grundsätzen und Aussprüchen Spuren in sich aufgenommener Philosophie verriethen. Moses^Grtt; so greife ich denn deine Festung sogleich auf der von dir für die stärkste angesehne Seite an, und versuche dir zu zeigen, daß jene Spuren philosophischen Einflusses sich vorfinden. Es versteht sich hierher wol von selbst, daß es die stoische Philosophie sei, die bei den Talmudisten am leichtesten Eingang fand, theils weil sie zu ihren Zeiten die herrschende, meist verbreitete war, theils weil ihr strenger Tugendheroismus ihnen am meisten Zusagen mußte. Levi: Es fallt mir hierbei ein, daß ich einst auch auf den Gedanken einer Parallelisirung der Rabbinen und Stoiker kam. Ich las damals die Stelle im Horaz (epist. L. I. epist. I. fin.j: Ad suiumaui, sapiens nno minor est Jove, dives Liber, honoralus, puleher, rex denique reguin. und wurde unwillkührlich an den Ausspruch der Mischna erinnert (letzte Mischna in Horijot.) 211p ffn HTCD n'y ^"2^- Auch die Satze aus dem apokryphischen 6. Abschnitte des Traktats Abot drängten sich mir auf: i'N nro poiytü -v sbs pnn p uno rrv\n nVru rvobcn JOT runon Tn\ Ich staunte damals über den großen Vorrath rabbinischer Gelehrsamkeit, den ich noch besaß, und verfolgte die Sache nicht weiter. i Moses: Hattest du dieses gethan, so würdest du zunächst gefunden haben, daß, wie sich hier eine Uebereinstimmung in der Werthschatzung und in dem Urtheile zeigt, das Rabbiner und Stoiker über sich selbst, ihre Lebensaufgabe und Beschäftigung fällten, eine Werthschätzung, die so weit ging, daß sie sich nicht einmal dem Himmel gegenüber etwas vergaben 'Baba meziak foi. 59 M3 °); •) Vgl. hiermit Seneca’s vermessene Worte: (epist. 49) philesophia Deo parein facit und vollends (epist. 53) Est aliquid, quo sapiens antecedat Deum, ille naturae beneticio, ~non *uo, sapiens est; ferner (de prov. 6) ferte fortiter: lioc est quod Deum antecedatis, ille extra patientiam malorum est, yos supra patientiam. ^»* *1 nV auch die übrsge Welt über beide fast gleich dachte, beide auf ähnliche Weise begegnete. Es hielten nämlich, wie uns im Talmud berichtet wird, die Laien (N V) die Rabbinen für unnütze Subjekte, indem sie fragten ^ND pm p injriN (8>mhedr. 99, 2), und verfolgten sie wol auch mit argem Hasse (Pesach. 49, 2). Dieses Loos fytiU ten die Stoiker treulich mit ihnen *). (Schluß fo lgt.) Corrcspondenzeri, Auszüge, Repliken. Simmern auf'm Hundsrück (Rheinpreußen). Kleine Berichte über Schulwesen. (Fortsetzung). Seit Emanirung des Gesetzes von 1824 besteht für die hiesige israclir. Gemeinde eine von Hoher Regierung angeordnete Elementarschule. Ob zwar diese nun bei ihrem Entstehen, in damaliger Ermangelung tüchtiger Lehrer nicht gehörig deietzt werden konnte, so e>langte sie doch nach Verlaus weniger Jahre durch die Wirksamkeit dev jetzt nach Trier versetzten Lehrers Levy eine solche Stufe, daß sie mit den besten Elementarschulen riva'isiren kann, und der gegenwärtige Lehrer Block verfolgt den vorgezeichneten Bildungsgang durch seine acht pädagogische Bildung eifrigst. Diese Anstalt könnte aber schwerlich bestehen, wenn sie sich nicht des kräftigsten Beistandes von 'Seiten der ihr Vorgesetzten Behörde zu erfreuen hätte. Ja, die Lokalbehörde leistet sogar die Zahlung deS Schulgeldes für die schulpflichtigen Kinder mittelloser Eltern aus den Gemeinde-Kassen. Wir können daher nicht umbin, unfern innigsten Dank dem hochverehrten K. Landrath Rltter H. Schmidt, dem verdienten Superintendenten und Schul-Inspector, Ritter H. Back, dem H. Bürgermeister Bühring und israel. Gemeinde-Vorsteher H. Rothschild öffentlich darzulegen. Sch. Kittsee (Ungarn). — . Hier, unter dem Schutze Sr. Durchl. des Fürsten Esterhazy, und da es den hiesigen Juden durchaus weder an Mitteln noch im'Allgemeinen an Willen fehlt, könnte eine durchdringende Verheuerung des Schulwesens leicht bewerkstelligt werden, wenn die Leiter der Gemeinde und der Tbeil, der ihre Intelligenz repräsenrirr, wollten t So aber unterrichtet ein Lehrer, der schon die Kinder seiner Schüler unterweiset, aus die ungenügendste Weise im Talmud; er hält zwar einen Lehrer für den Unterricht im Deutschen, aber auf. welche Weise geschieht dies? Ein andrer Lehrer unterrichtet zwar auf's beste im Lesen des Hebräischen und Deutschen, aber ncthgedrungen muß er, um zu existiren, auf Bezahlung von Seiten der Schüler dnngen, und dadurch entgeht wieder den Armen aller Unterrichr. Endlich unterrichtet noch ein junger Mann mit großem Eifer — allein was hilft eS, wenn unter 40 Kindern 4 ein Jahr lang gut unterrichtet werden? — Wie leicht wäre es, hier eine gute, combinirte Schule einzurichten, wo jährlich 3000 Fl. nutzlos verausgabt werden. Ich halte mich überzeugt, daß es nur dieses Winkes durch dieses öffentliche Organ bedarf, um die Gemeinde an ihre Pflicht zu erinnern, und die Abhilfe zu bewirken. 7- L. (Fortsetzung folgt.) •) S. Epict. enchir. cap. 22 u. 24. Cic. Ttisc. quaest. II: eigne ipsi et invisa et suspecta, ut, si quis universam (philosopliiani) relit yituperare, secundo id popuio facere possit.