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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-24 · Heft 88 (24.7.1838) · p. Seite 356

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 88 (24.7.1838)
Date
1838-07-24
Page
Seite 356 (sequence 2)
Language
German
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556 mag nun Hr. G. gehört oder gesehen haben? Wir sind sehr begierig es zu wrsftn. So consequent ist er doch wot, daß er unsere Schlüsse nicht als unlogisch verdammt. Jndeß, wie wenig wir ihn auch kennen, trauen wir ihm keine so triviale Lüge zu: er ist es seiner Ehre schuldig, uns von der Wahrheit seines Berichtes zu überzeugen. Das glaube er aber nicht zu rhun, indem er uns polnischen Sand in die Augen streut; nein, nur die kalte Prosa des Gesetzes in der Ursprache zeige er uns vor. Kann er das, so wollen wir ihm öffentlich Abbitte rhun, und er mag seinem gerechten Unwillen den freiesten Spielraum laffen; kann er es aber nicht, nun dann gestehe er sich, daß wir ihn viel zu gelind zur Rede gestellt *). K....th. Theologie. Einiges über den Einfluß der Philosophie auf die ältere jüdische Theologie. Ein Fragment aus einer in dialogischer Form geschriebenen Abhandlung über Israels Zustände und Erwartungen. (Das Gespräch wird von Aaron, einem strengenFormgläubigen, der von jeder Veränderung, die das Iudenthum erleiden möchte, Unhei-l weissagt, Moses, einem Vertheidiger der allmaligen Reformation, die einen neuen geijtlgen Aufschwung erzeugen soll, und Levi, einem Zndjfferentisten, der kaum sich um die Angelegenheiten seiner Glaubensgenoffen wieder zu bekümmern beginnt, geführt. Im Vorhergehenden hat Aaron die Befürchtung ausgesprochen, es möchte durch oie philosophische Bildung der neuern jüdischen Theologen unsere Theologie, die sich bisher einer völligen Unabhängigkeit und ungestörten Stabilität zu erfreuen gehabt habe, zu sehr nach der gerade im Schwünge seienden Philosophie gemodelt werden, wie dies bei der christlichen Theologie schon so oft der Fall gewesen sei. Hierauf) MoseS: Du dichtest der jüdischen Theologie eine Eigenschaft an, starre Abgeschlossenheit gegen jede Einwirkung der Philosophie, eine gewisse Schußfestigkert dieser gegenüber, an, und glaubst ihr damit einen großen Vorzug zu vindiciren. Ich aber glaube, daß der Besitz dieser Eigenschaft ihr keineswegs zum Ruhme gereichen würde; wenn dies aber auch wäre, so würde sie diesen Ruhm nicht verdienen, da •) Es kann uns selbst nur daran gelegen sein', die Zbatsacke «ufzubellen, versichern aber im Voraus, daß der Herr G. ein sehr zaverlassiger Mann ist. D. Redact. ich mich zu behaupten erkühne, die Philosophie habe oft und viel nicht geringen Einfluß auf die jüdische Theologie ausgeübt. Levi: Wenn nicht alle Theologen von dem Umgänge mit den Gelehrten ihrer Zeit strenge sich losgesagt haben, und hermetisch sich abschlossen gegen jeden fremden insbesondre literarischen Verkehr, so kann dies fast nicht anders sein. Aaron: Dürfte es dir auch gerade nicht schwer» werden, diesen Satz a priori ganz folgerecht zu demonstriren, so möchte es unserem Moses dennoch große Anstrengung kosten, die Wahrheit seiner Behauptung a posteriori darzuthun. Möses: Ich wage den Versuch; da dieser aber jetzt nur so gelegenheitlich gemacht wird, so dürft ihr keine förmliche Parallelisirung unserer Theologie mit den Systemen der alten Philosophie, sondern höchstens eine Zusammenstellung von aphoristischen Sätzen aus beiden erwarten. Aaron: Ich werde nicht Uebermaßiges von dir fordern. Bevor du indessen deinen Versuch beginnst, finde ich nöthkg zu erklären, daß ich die vielen aus der platonischen Philosophie erborgten Ansichten, die sich in Philo's Schrifteü finden, und die er, größtentheils gewaltsam genug, aus unfern heiligen Urkunden heraus zu demonstriren suchte, nicht als Beleg annehmen, da mir weder Philo als eine Autorität, noch seine Schriften als eine Quelle für die Auffindung unserer Glaubenslehren gelten. Gleiches sage ich dir zum Voraus von sammtlichen Verfassern der apokryphischen Bücher und vom Aristeas und Aristobul. Ich weiß, daß in den Schriften dieser Männer an unzähligen Stellen der alexandrinischen Philosophie nur ein andrer Firniß gegeben wurde, um sie als jüdische Theologie erscheinen zu lassen, doch ich erkenne diese Theologie.nicht als eine jüdische an, da die Synagoge auf sie zu keiner Zeit großes Gewicht legte, und sie nie als regula fidei gelten ließ. Moses: Ich lasse dich gewähren; nur kann ich nicht umhin, meine Verwunderung über deine Bekanntschaft mit diesen Schriften auszusprechen, da doch ihr Studium im Talmud (Sanliedrin 100, 1:) höchlichst verpönt ist. Wie aber? Wenn ich dir nachwiese, daß die Targumisten in die Fußtapfen jener Männer getreten seien? Daß z. B. ihr *n»ö nichts anders, als eine Uebersetzung des loyog sei, daß sie auch die aoqtia oft erscheinen lassen, wo ihrer im Urtexte nicht erwähnt wird, und daß dieses seinen Grund in der platonischen Ansicht habe, die Gottheit, die reine, könne mit der Wett, der unreinen, nicht unmittelbar in Berührung treten? Gelten dir die Targumisten auch nicht als jüdische Theologen? Und darf die Uebersetzung des Orrkeloö

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