Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 88 (24.7.1838)
- Date
- 1838-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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n. 3ahrg°»g. Allgemeine N». 88. Zeitung des Iudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König». Sächsischer allergnädigfter Corrcefsiorr.) Leipzig, den 24. Zuli 1838. ZeitnngsnachrLchten. Arnsberg, 3. Juli. Die Schulden der Juden des Herzogthums Westphalen, die 1818 noch 40,000 Thlr. betrugen, sind nunmehr gänzlich getilgt, so daß vom Jahre 1839 an keine Beiträge dazu mehr enthoben werden. Hamburg, 10. Juli (Privatmitth.). Der Prediger am Lsrael. Tempel, Herr Gotthold Salomon, hat für die Ueberrcichung eines Exemplars seiner Bibel von Sr. Maj. dem Könige von Schweden und Norwegen eine große, goldene Medaille erhalten. Die Inschrift lautet: illis, quorum moniere Jubores, * bec Rand enthält die Worte: Carolus Joliaunes ad G. Salomon. Frankfurt a. M., 9. Juli. Das Franks. Konvers.- Dlatt berichtet in einer Correfpondenz aus Wiesbaden: — Di. Abraham Geiger, Rabbi der hiesigen israelitischen Gemeine, durch seine Schriften über mosaische Theologie der gelehrten Welt bekannt, durch seinen Charakter, wie durch seine Geistesbildung, gleich achtungswerth, hat am verflössenen Sabbat, den 30. Juni, von seiner Gemeine Abschied genommen Ln einer schönen, frei aus dem warmen Herzen gesprochenen Rede, und ist gestern von hier nach Frankfurt abgereist, um dort der Wissenschaft zu leben > bis sich ihm ein anderer, seinen Wünschen.mehr entsprechender Wirkungskreis eröffnet. Die größere Zahl der hiesigen Israeliten bedauert diesen Verlust. Die, welche den Hrn. Geiger verkannten und ihm entgegenstrebten, werden wol mit der Zeit zu der Einsicht'gelangen, daß er nur das Gute wollte und einem edlen Ziele seine höchste Kraft zuwandte. Möchten sich dereinst die Verhältnisse der Israeliten so gestalten, daß ein solcher Mann als Landesräbbiner an die Spitze der jüdischen Angelegenheiten gestellt werden könnte." Vom Rhein, 1. Juli. Mit Freuden berichte ich Ihnen ein schönes Gegenstück zu den an den östlichen und westlichen Enden Preußens künstlich hervorgerufenen religiösen Aufregungen. Am verflossenen Mittwoch den 27. Juni wurde in Guntersb.tum die Tochter eines israelitischen Bürgers, der schon seit langen Jahren durch das Vertrauen seiner Mitbürger als Gemeinderath fungjrte, zur Erde bestattet. Trotz der dringenden Geschäfte, die der Landmann in der jetzigen Jahreszeit im Felde zu besorgen hat, schloß sich der bei weitem größte Theii der dortigen katholischen sowol als evangelischen Gemeinde dem wohlgeordneten Leichenzuge an. Herr Dr. Cahn, der wackere Religionslehrer der israel. Kultusgemeinde in Mainz, der, von den Leidtragenden ersuche eine Herz und Geist erhebende, mit vielem Beifall aufgenommene Leichenrede abhiett, war so freudig überrascht von der gegenseitigen Liebe und Achtung, die er unter den verschiedenen Religionsgenossenschaften wahrnahm, daß er nicht umhin konnte, am Schluffe seine Gefühle hx einer kurzen, improvisieren Anrede auszusprechen, die Anwesenden zu ermuthigen, auf der betretenen. Bahn wechselseitig ger Liebe und Anerkennung fortzuwandeln, um so dem erwünschten Ziele religiöser Einigkeit immer naher zu kommen. — Wahrlich, wo, wie in unserm Lande, die Ideen einer ächtreligiösen Toleranz selbst die Landleute schon durchdrungen hat, da müssen alle Versuche des Obskurantismus scheitern. (F. I.) Odessa, 8. Juni. (Prkvatmitth.). In No. 54. d. Jahrg. berichtet ein gewisser Hr. G. aus St. Peters bürg, daß ein kaiserlicher Ukas vom 5. Januar „jüdischen Kaufleuten erster Gilde jährlich nur auf 6, zweiter Gilde nur auf 3 Monate, und zwar immer nur hintereinander, Kaufleuten dritter Gilde aber 'gar keine Passe in fremde (?) Gouvernements" gestatte; daß ferner „nicht wie bisher alte Mitglieder des Hauses, sondern nur die Chefs" sich am fremden Orte aufhalten dürfen. Diese höchst unangenehme Nachricht überraschte uns um so mehr, je weniger es uns begreiflich wurde, wie dies einer so wichtigen Stadt wie der unseren unbekannt geblieben sein könnte, da sie doch zu den größten Handelsstädten Rußlands gehört, und in ihr die angesehensten jüdischen Kaufteute leben. Doch mochten wir eine so öffentlich ausgesprochene Thatsache nicht alsbald für lügenhaft erklären, und meinten nur, hier walte vielleicht ein Jrrthum ob, und das Gesetz gelte etwa nur für diejenigen fremden Gouvernements, in denen ein statiger Wohnort den Juden untersagt ist. Freilich auch so schon eine sehr hatte Beschränkung; aber ein Berichterstatter hat in solchen Angelegenheiten nicht die geringste Licenz, um sich derlei Ellipsen zu erlauben. Noch mehr, wir legten uns auf ein gründliches und genaues Nachforschen — und was ergab sich da aus unseren Forschungen? Daß der ganze Bericht grundfalsch sein müsse. Denn unsere Regierung weiß nichts davon; und die ist so unbedeutend nicht in einer Stadt, wo der General-Gouverneur von Neurußland restdirt. So erhielt noch ganz neulich ein hiesiger israelitischer Kaufmann Hr. Wolf Halberstam nach St. Petersburg einen Paß auf eine weit längere Zeit; so mehre andere nach Moskau, und unter diesen so gar ein Jude aus Zytomyr, der nicht einmal Kaufmann dritter Gilde, sondern nur Bürger (Meschtschanin) ist. Was