Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1870)
- Date
- 1870-02-22
- Page
- Seite 158 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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158 habe gesackt, mit Beachtung deS Boraufgehenden so viel als möglich den Zusammenhang zu erkunden, da man, weil die meisten Verse geringen oder gar keinen Anstoß im Versbau geben, nicht viel auf Rechnung der Corrumpirung und Zerstückelung setzen kann. — Die Fragmente selbst lauten in der Übersetzung. I. Ueber Abraham. Vieles vernahm ich durch Euch, der Urzeit entsproffne Gesetze: * * * Der Du erhabenen Ruhms genießest, durch Knüpfung des Bundes, Abraham, strahlest vor Allen; durch ruhmvolles Sinnen erfüllt von Gottgeliebter Entzückung! Denn ihm — der anmuthige Landschaft Unglückgeweihter verließ — abhaltend des Opfernden Feurung, Schuf fich unsterblichen Ruhm der gepriesene Donnrer, daß Jenes Enkel, verfolgt vom Geschick, erlangte besungenen Nachruhm. l Diesem wird bald darauf zugefügt:] Er, mit Geschick nun bereuend den Sckwerthochtragenden Knaben Muthig zum Opfer, als nah sich erhob ein rauschend Gerassel, Folgte zum Kampfe bereit dem höruertragenden Widder. II. Ueber Joseph. Diesen ertheilte der Fürst, der erhabene Bölkerbeherrscher. Herrlichblühenden Sitz, er, Sprößling Abrahams, Jsaks, Und des stammreichen Jakobs, Joseph, der kundig der Träume, Saß auf Aegyptens Thron mit gewaltigem Scepter, durcdkreisend Erst auf der Fluth des Geschicks, was heimlich den Zeiten entsterget. III. Ueber Quellen bei Jerusalem. Kommend von oben herab, erblickt' ich mit Staunen den andren. Mächtigen Wasierschwall: vorsprudelnd erfüllt er mit Strömung, Wellenreicher, zum Bade das tief sich senkende Flußbett. sDaraus über die Ansüllung der Quellers Denn der weitglänzende Strom, von regnichtem Schneee gen ähret. Wälzt sich, die Sterblichen freuend, um bergansteigende Burgen, Dann, den dürstenden Sand durchbrechend, erkundet den Völkern, Fern hinrollend die Woge, der Strom die höchste Bewundrung. sDarauf spricht er über die Quelle deS Hohenpriesters und die Wasserleitung alfo:] Tief auch speien sie aus, die Röhren, hervor aus der Erde Waffergequelle. 3. Phokylides. Um 480 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung dicktete der zu Milet geborene Phokylides Gnomen und Elegien. Unter semem Namen aber kam zuerst im Jahr 1495 ein 230 Hexameter fastendes „Mahngedicht" inoirrfiu vov&iTixov) im Druck heraus. Dieses Gedicht wurde während des 16. Jahrhunderts zum Schulunterricht verwendet und erschien deshalb in vielen Ausgaben, ohne fteilich dabei die geringste kritische Behandlung zu erfahren. Damals trug man noch Scheu, die Jugend mit der heidnischen Anschauungsweise unmittelbar in Berührung zu bringen; man wollte die biblische Glaubens¬ und Sntenlehre nicht untergraben und doch wieder die hellenische Form nickt entbehren. War nun jenes dem Phokylides untergeschobene Gedickt nicht von klassischer Rein Herl, so entbehrte es doch des Schmuckes nicht, seine Moral dagegen war faßlich und mit biblischen Lehren Lberemstimmend. Für jene Zeit gab der letztere Umstand keme Beranlaffung zum Verdacht über den Ursprung des Gedichtes. Hielt man doch die Sibylle als Verfasserin der bekannten Orakel, weil darin so überaus viel Biblisches vorkommt, für eine Schwiegertochter Noah's, die auf der Arche mit gerettet worden. Der erste, der einen vernünftigeren Gedanken außsprach, war Friedrich Sylburg, der den Unterschied zwischen den kleinen Bruchstücken, die Athenäus vom Phokylides anführt, und jenem Mahn gedickt hervor hob und erkannte, daß „Vieles in düsen Hexametern eher jüdische und christliche, als heidnische Weisheit verrathe." Er begnügt sich aber damit, vorauszusetzen, daß entweder Phokylides zu den Füßen eines hebräischen Weisen geseffen oder später Juden oder Christen dem ursprünglichen Gedichte Einiges eingcschoben hätten. Emen bedeutenderen Schritt rhat Joseph Scaliger vorwärts, wobei sich jedoch ein eigenthümllcher Zug einmischte. Scaliger geht davon aus, daß der Berfaster entweder ein Jude oder ein Christ gewesen, das Letztere scheint ihm wahrscheinlicher, zuletzt nimmt er es als entschieden zur christlichen Poesie gehörig an. Als Beweis für den nichtheidnischen Ursprung führt er die zwei recht specifisch mosaischen Gebote vom Vogelnest (V. 84) und kein Aas oder Zerristenes zu genießen V. 139. 147), die fast wörtlich dem Pentateuch entnommen sind, an, ebenso das Dogma von der leiblichen Auferstehung der Todten. Dagegen führt er keinen Beweis an für seine schließliche Annahme, daß das Gedicht von einem Christen herrühre. So in der zweiten Ausgabe seiner Abhandlung, die er seiner Ausgabe des Eusebius zugegeben hatte. Anders in der ersten