Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1870)
- Date
- 1870-02-22
- Page
- Seite 157 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zndenthums. Feuilleton-Leilage zu Nr. 8. Leipzig, den 22. Februar 1870. Die jüdisch-griechischen Dichter. (Fortsetzung.) Allem dieser ganze Streit scheint überflüssig zu sein, denn wenn sie eine zweite Stelle des Clemens Alexandrinus berücksichtigt hatten, in welcher der G>!k(o» h Jlv&uyogiog ganz als identisch mit dem Alexandriner Philo erscheint, so hätte es sich gleich von selbst ergeben, daß unser Philo mit demselben nichts gemein habe. Wir kehren zum Josephus zurück. Obgleich nun fast alle Gelehrten diesem den besten Glauben schenkten und annahmen, daß Philo kein Jude gewesen, so erklärt doch Fabricius selbst, daß nicht Gründe mangelten, nach denen das Gedicht von einem Juden verfertigt sei, und kommt dabei auf die sonderbare Meinung, es sei vielleicht nur unter dem Namen des Philo von einem Juden geschrieben worden, auf welche grundlose Hypothese nichts zu geben ist. Hu et dagegen bekämpfte das Zeugniß des Josephus, und wollte ihm sein Ansehen entziehen. Er beweist nämlich zuerst, daß Eupolemus ein namhafter Jude gewesen, wie auch, daß dem Demetrius der Beiname Pbalereus hier nicht zukäme. Hierauf sucht er den Jrrthum des Josephus so zu erklären, daß die Genannten Hellenisten gewesen seien, so daß er sie zu den Griechen rechnen konnte, daß sie darum aber auch, der hebräischen Sprache unkundig, des hebräischen Textes sich nicht bedienen konnten; vielleicht, fügt er hinzu, sind sie bei ihren Schriften mehr den Traditionen TiutQOTTuQudozotg gefolgt. Bei allen diesen Behauptungen stützt er sich auf die Angabe des Hieronymus in dem Buche He viris eccl. ap. Clem. Alex. Wenn diese Gründe gewiß nicht verwerflich sind, so scheint es mir doch noch gemäßer, die Sache sich so vorzustellen. Ich glaube, daß beim Clemens Alexandrinus die Citate, die den Philo, Demetrius, Eupolemus, Artapanus und Ezechiel betreffen, auch aus den Auszügen des Alexander Polyhistor, die ihm aber ausführlicher, als uns aus dem Eusebius, Vorlagen, genommen sind. Dafür spricht, daß die meisten Fragmente wörtlich übereinstimmen, und daß diese Schriftsteller immer theilweife zusammen austreten: so daß also die Werke jener Schriftsteller nur aus diesen Auszügen bekannt, sie selbst entweder verloren, oder gewiß höchst selten gewesen zu sein scheinen. Hat nun Josephus Dieselben auch nur aus dem Alexander gekannt? Daß er diesen letzteren kannte und benutzte, zeigt sich anderswo. War dieses aber der Fall, so brauchte er sie selbst so genau nicht zu kennen, ja, da er in diesem 23. Cap. bloß Namen aufzählt, während er in den früheren auch Stellen anführte, also dieselben nur aus dem Gedächtnisie hinschrieb, was durch den Fehler mit Ouk^otvg und durch kurz vorhergehende Worte bestätigt wird: so läßt sich sein Jrrthum leicht denken, und sein diesmaliges Zeugniß behält kein Gewicht. — Wenn man nämlich jenem Zeugniffe des Hienonymus nur zweifelnden Glauben schenken will, so scheint es doch der Natur der Sache gemäß nothwendig zu sein, daß unser Philo ein Jude gewesen. Denn wer kann sich einbilven, daß ein heidnischer Grieche ein Gedicht, von dem wir schon den 14. Gesang kennen, über die Stadt Jerusalem geschrieben hätte? Einer aus dem stolzen Volke, das so verachtend aus die kleine, besondere, hebräische Nation herabblickte? Wohl wäre dies von einem späteren christlichen Griechen eher denkbar, und ein solcher war seiner Lebenszeit nach doch unser Philo gewiß nicht. Diesen Grundsatz müssen wir bei Beurtheilung aller dieser Schriftsteller festhalten, und dann die inneren Gründe, die aus den Fragmenten selbst gezogen werden können, hinzufügen, um sich dafür zu entscheiden. Wir bemerken nichts, was ihn als Heide bezeichnet, wohl aber, was ihn als Jude kenntlich macht: die Verehrung der Stammväter, Josephs u. s. w. Daß Philo, der Verfasser des Gedichtes über Jerusalem, ein Jude gewesen, zeigt sich auch hinlänglich in seinen Versen. Solche Häufung von gleichbedeutenden Epitheta, solche zusammenhangslose Anreihung, solche regelwidrige und musterlose Zusammensetzung und eben solcher Gebrauch der Wörter konnte keinem geborenen Griechen entfallen. Ganz im Geschmacke des die ästhetische Würde der Einfachheit verkennenden, verbildeten Morgenländers nimmt er den Mund zu voll, und es erfolgt ein Erguß von unklarer, mystischer Sinuesarmuth. Daß er sich natürlich den Anstrich des Epikers überall zu geben versucht, versteht sich von selbst. Genug,^Biger gesteht, er könne, ohne bei jedem Worte anzustoßeu, die ersten zehn Verse nicht übersetzen. Ich