Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1870)
- Date
- 1870-02-22
- Page
- Seite 155 (sequence 15)
- Language
- German
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155 Schüler und Lehrl. finden sehr gute Pens. b. Lehmann, Lehrer d. franzof. Spracht u. d. Real-, Klosterstr.2l in Berlin. Refer.: Die H. B'anqu. Heß u. Katz, A. Paderstein, Stadto. L. Friedberg, u. viele and. Handlungsh. Jüdischen Eltern, die ihre Sohne in eine hiesige Lehranstalt zu geben beabsichtigen, kann ich zur Pension eine Familie empfehlen, in welcher , unter der Aufsicht des Mannes, eines tüchtigen Arztes, und deffen Frau, einer gebildeten Dame, die Knaben ein wissenschaftliches und gemüthliches Leben finden. Berlin, d. 15. Febr. 1870. Dr. 2tub, Rabbiner. An unsere Glaubensgenossen! Eine sehr dringende Litte um Mithülfe. Am 15. Kislew bei dem Stiftungsfeste der hiesigen Chebra-kadischa, des Krankenpflege- und Beerdigungsvereins, hatte der Jahresbericht festgestellt, daß im Laufe des Jahres 38 Personen männlichen und weiblichen Geschlechts der Erde übergeben worden, und mehrere hundert Kranke Pflege und Unterstützung empfangen hatten. Davon gehörten zu unserer Synagogen-Gemeinde auch nicht ein Einziger, und die 38 Verstorbenen allein waren aus 26 verschiedenen russischen Ortschaften gebürtig. Seitdem der hiesige Unterftützüngsverein, aus deffen Caffe der größte Theil der Ausgaben des obengenannten Vereins bestritten wurden, sein« Thatigkeit eingestellt hat, sind Falle entsetzlicher Art vorgekommen. Wir fanden einen Todtkrankeu in einem Breterverschlage bei einem abgelegenen Hause auf einem Lumpenlager, und Schnee und Sturm, welche durch die weiten Ritzen ungehindert eindrangen, stoben um ihn herum. Wir brachten den Kranken in ein gutes Bett und Zimmer, konnten aber trotz aller angewandten Sorgfalt nicht mehr verhindern, daß der aus guter Familie stammende, thalmudgelehrte junge Mann in folgender Nacht verstarb. — Wir fanden eine ganze Familie von den russischen Borstenarbeitern, welche hier Beschäftigung suchten und theilweise auch gefunden, bestehend aus Großvater und Großmutter, Sohn und Schwiegertochter und deren acht Kinder halb verhungert, fast fämmtlich krank in einer kalten Dachkammer auf faulem Stroh liegen^ durch Sorgfalt konnten sie sämmtlich dem Leben zürückgegeben, nur der Vater der acht Kinder, der Versorger der ganzen Familie, war seinen furchtbaren Leiden erlegen. — Wir fanden. von einem Arzte aus unserer Gemeinde, Herrn Dr. Laaser, der sich der Unglücklichen, was wir dankbarlichst anerkennen, mit der größten Sorgfalt annimmt, darauf aufmerksam gemacht, 13 kranke Menschen — Einer davon ist bereits gestorben — in einem engen, kalten Raume derart zusammengepreßt, daß manche die Füße nicht ausstrecken konnten. Mit letzter Kraft schleppten sich die Unglücklichen über die Grenze, oder werden von den russischen Fuhrleuten, welche zu Hunderten tagtäglich zu uns herüberkommen, mitgenommen um hier, ohne daß wir etwas dazu thun können, ihrem Elende zu erliegen. — Wir haben uns hier allsammt vereinigt und zahlen zur Krankenpflege bestimmte, wöchentliche Beiträge. Vor Allem haben wir beschlossen ein Haus zu erwerben und zum Krankenhause Herrichten zu laffen. Zu deffen Unterhaltung sollen von Allen aus Rußland hierher zum Verkauf gebrachten Producten — zu vier Millionen ist der Minimalsatz der Verkauffumme veranschlagt —- ein halb pro Mille erhoben worden. Einen fast eben so hohen Betrag wie hierdurch hoffen wir durch jährliche, regelmäßige Beiträge zu erzielen; aber die Erwerbungs- und Einrichtungssumme des genannten Hauses, welche etwa 10,000 Thaler betragen mag, wissen wir unter, uns nicht aufzubringen. Wir bürden uns durch diese Einrichtung eine Last auf, die schwerer und drückender nicht gedacht werden kann; allein können und dürfen wir die Unglücklichen, die zu uns herüberkommen, weil sie drüben in Rußland jeder Pflege, sogar jedes ärztlichen Beistandes entbehren elendig Hinsterben laffen? Wir wollen uns dieser schweren Last aus Liebe und Mitleid mit unseren in Armuth und Elend ganz und gar versunkenen russischen Glaubensbrüdern gernwillig unterziehen; aber von Euch ihr Glaubensbrüder in allen Ländern die Ihr dieselben Verpflichtungen habt wie wir, verlangen wir zum mindesten die Suinme zur Herrichtung eines Werkes, welches eine wahre Heilanstalt für eine Bevölkerung von mehr als 100,000 Seelen von unseren Glaubensgenoffen zu werden verspricht. O, Ihr mitleidsvollen Brüdern und Schwestern! So entsetzlich arm zu sein ist sehr schlimm: aber arm und krank zu sein, das ist das allerschlimmste-! Erbarmet Euch der kranken Armen! Gebet bald und reichlich, und ein segensvolles Werk, wie es kaum seines Gleichen finden dürfte, kann sofort ins Leben treten. „Wer des leidenden Bruders sich erbarmt, der findet Erbarmen bei dem Allbarmherzigen!" Memel in Preußen, im Januar 1870. Julius Hirsch, Saul Bloch, Vorst, der Synagogen-Gem. Borst, der poln. ruff. Syn. Leyser Lewy, Rabbi S- A. Wohlgemuth. Borst, des Beth-Hamidr. Moreh-Zedek. Dr. RÜlf, Prediger der Syn.-Gem. Das hiesige UntcrstützungScomitv macht hierdurch bekannt, daß cs seinen Restbetrag bestehend in 1733 Th Ir. 6 Sgr.. wenn hiegegen seitens der Spender kein Widerspruch erhoben wird, gleichfalls m gen. Zwecke bergibt. — Die Spenden;ur Herrichtung des Krankenbauses nimmt der bisberigc Schatzmeister des UntcrstützungScomitös Herr Julius Hirsch, Firma: I. Hirsch u. Co. entgegen. Die Vorstände und Cultusbcamten, sowie einen Jeden, der eS vermag, bitten' wir, Sarnmlüngcn;u diesem Zwecke veranstalten;n wollen. ' n T V - in feinster Qualität, l't Pfd. -per Thlr., liefert franco Bahnhof, bis Cöln, Magdeburg, Emden und Bremen; sowie Zückermazoth billigst ■ - Vl otho, im Januar 1870. 21. Steinberg sen.