Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1870)
- Date
- 1870-02-22
- Page
- Seite 149 (sequence 9)
- Language
- German
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1 149 persönlich ihre Geitragspflicht bekunden, wenn sie nicht von den Orthodoxen weit überflügelt werden wollen. Daß die israelitische Gemeinde Karlsruhe den Orthodoxen, welche aus dem bad. Judenverband austraten — ein vom ftrengjüdischen Standpunkt unerhörter Schritt — goldene Brücken baue, daß sie ihnen insbes ondere die Gemeindean st alten um ein paar (droschen zur Verfügung stelle, dazu halten wir die israel. Gemeinde Karlsruhe nicht verpflichtet, wie wir dem Standpunkt unseres Blattes gemäß überhaupt nicht mit einer jüdischen Partei shmpathisiren, aus deren Mitte eines Tages eine Bittschrift gegen die Gleichberechtigung ausgehen konnte. Gleichwohl halten wir die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs als einen Sieg der Gewissensfreiheit für schön und recht, wenn auch die Frucht zunächst den Orthodoxen zu gut kommt und nicht allein den jüdischen. Der uns mitgetheilte Zwiespalt zwischen Synagogenrath und Schatzungsrath liegt außerhalb der Interessen unseres Blattes; doch sagt uns der gesunde Menschenverstand, daß die Gemeindesteuer nur nach dem wirklichen Bedürfniß und zur Befriedigung budgetgemäß festgestellrer Zwecke unter Berücksichtigung der oben erwähnten Ereignisse erhoben werden darf. Wenn dies der Synagogenrath will, hat er recht, wenn nicht, der Schatzungsrath. Im Nothfall muß die Gemeindeversammlung entscheiden. Allerseits geben wir zu bedenken, daß in solch' kritischer Zeit das Amt der Gemeindevorsteher ein schweres ist und daß man mit Vorwürfen ohne genügende Gründe sehr vorsichtig sein muß gegen die Männer, die sich solchem Dienst in dieser Stunde unterziehen. Die dem Jndenthum unserer Tage angehörenden Gemeindemirglieder müssen es, ohne Rücksicht auf Schattirung, als ihre höchste und heiligste Pflicht betrachten, die Gemeinde als solche über die gefährliche Klippe der verfänglichen Entscheidung des Gerichtshofs unversehrt und in Ehren hinüberzuführen. Für ihre Ueberzeugung müssen sie denselben Grad von Thatkraft aufbringen, wie die Orthodoxen für die ihrige. Können sie das nicht, fehlt ihnen dazu der zu jedem Zusammenwirken in öffentlichen Dingen nöthige Grad gegenseitiger Opferwilligkeit, so wird Karlsruhe an diesem Wendepunkt der Dinge für das badische Judenthum eine herzlich schlechte Rolle spielen. Wir lassen nachstehend noch einen kurzen Artikel über eine Sitzung des Oberraths der Israeliten folgen. Karlsruhe, 28. Jan. Wie wir in Erfahrung gebracht, waren die Mitglieder des großh. israelitischenOberraths mit Zuzug der auswärtigen Herren Oberräthe, sowie der Mitglieder der Religions-Conferen; dieser Tage versammelt, um bezüglich des vielbesprochenen Erkenntnisses des großh. Verwaltungsgerichtshofes vom 21. Dec. v. I. die geeigneten Beschlüsse zu fassen. Wenn wir gut unterrichtet sind — und wir glauben es zu sein — dürfte demnächst eine Ansprache an die Israeliten Badens von Seiten dieser Behörde erwartet werden. Karlsruhe, 3. Febr. (Privatmitth.) Sie harten wohl Recht, wenn Sie voraussetzten, daß, sobald durch die Aufhebung der Beitragspflichtigkeir der Verband einer jüdischen Gemeinde gelockert worden, die verschiedensten Streitmomente sich kundgeben und an vielen Orten eine Auflösung der jeweiligen Gemeinde bewirkt werden würde. Es handelt sich dann nicht mehr um Verschiedenheit der religiösen Richtung, nicht mehr um das Zahlen oder Nichtzahlen, sondern die persönlichen Rancünen, alte Rivalitäten, Eitelkeiten aller Art, und es wird lange dauern bis diese garstigen Elemente sich wieder abgeklärt haben, und einen gesunden Zustand zulassen werden. So geht es bereits bei uns. Schon sind hier Streitigkeiten zwischen den beiden Gemeindevertretungen, Schatzungsrath und Synagogenrath, eingetreten. Aber auch der Synagogenrath in seiner Zusammensetzung hat keinen Bestand. Fünf seiner Mitglieder wurden seiner Zeit durch das Zusammengehen der Orthodoxen und Indifferenten gewählt, während die beiden anderen jüngst und zwar von der Mehrheit der jetzigen Gemeinde gewählt worden. Die letzteren können aber den fünf anderen gegenüber nichts ausrichten. Früher oder später können die Conflicte nicht ausbleiben. Erfurt, 13. Febr. (Berichtigung."! Die letzte Nummer der Allg. Zeit. d. I. bringt eine Mitrheilung aus Berlin, nach welcher hier ein vr. Treumann als Lehrer an der Schule definitiv angestellt sei. Diese Nachricht beruht auf Jrrthum. Seit dem Abgang des Herrn Prof. vr. Unger hat an den hiesigen Schulen kein jüdischer Lehrer wieder gewirkt, und nach eingezogener Erkundigung ist weder den Lehrern der Realschule noch denen des Gymnasii von der Anstellung des vr.^Treumann etwas bekannt. 8