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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-22 · Heft 8 (22.2.1870) · p. Seite 147

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 8 (22.2.1870)
Date
1870-02-22
Page
Seite 147 (sequence 7)
Language
German
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147 Zeitungsnachrichte«. Deutschland. Leipzig, 9. Febr. (Privatmitth.) Es ist bereits in d. Bl. mitgetheilt worden, daß ein vr. M. Maaß in Sprottau eine Schrift gegen die „Philippson'sche Resolutton" der ersten Synode veröffentlichen will. Ebenso ist bereits über die während dieses Winters von Rabb. vr. Goldschmidt in Leipzig gehaltenen Verträge über die Religion des Judenthums berichtet worden. Herr Maaß nun, voraussetzend, daß die Vorträge des vr. G. sich über jene Resolutionen auslassen, richtete ein offenes Sendschreiben an den letzteren im hiesigen Tageblatt, worin er mehrere Fragen an ihn richtete, nämlich: „Ich frage also zuerst, verehrter Herr Rabbiner: Sind Sie nicht auch der Ansicht, daß die Religion, ganz abgesehen von aller Confessionalität, ganz abgesehen von allen Glaubensformeln und Glaubenssätzen, wesentlich eine Sache der Innerlichkeit sei, des in seiner Tiefe vom Hauche des Göttlichen bewegten und ergriffenen Herzens, das nun auch mit innerer Nothwendigkeit sein Berhältniß zu dem Göttlichen außer ihm und über ihm sucht? Sind Sie 2) nicht auch der Meinung, daß, wenn man nun einmal annehmen soll, daß die verschiedenen bestehenden positiven Religionen und Confessionen, wenn auch keine derselben verwerflich, doch nicht alle von gleichem Werthe und gleicher Dignität seien — daß dann der relative Werth derselben sich doch vornehmlich nur darnach bestimmen kann, in welchem Grade und welchem Umfange eine jede derselben dieses Berhältniß des Menschen zum Göttlichen lebendiger, anschaulicher und bestimmter zur Entwickelung und Darstellung zu bringen im Stande ist? Sind Sie aber nicht 3) auch der Meinung, daß es durchaus nicht Aufgabe der Religion sein kann, die politischen und socialen Fragen unserer Zeit zu lösen und ControverseN über Dinge, die theils sehr profaner Natur sind, wie die allgemeine Wehrverfassung, die Handels- und Gewerbefreiheit, die Abgabengleichheit u. s. w., zur Entscheidung zu bringen, was Alles doch die Philippson'sche Resolutton beabsichttgt? Sind Sie nicht endlich 4) auch der Ansicht, daß die mosaische Gesetzgebung und der mosaische Staat in 8 peeie ganz andere Ziele hatten , als die vermittelst dieser politischen und socialen Fragen ind er Neuzeit an ge strebten?" Herr vr. Goldschmidt antwortete in demselben Blatte, indem er zum Schluffe sagte: „Wenn ich den von Ihnen vorausgesetzten Zusammenhang meiner Lorrräge mit obiger Resolutton als „irrthümlich" bezeichne: so soll daraus kein Gegensatz zu derselben gefolgert werden; vielmehr bekenne auch ich mich zu der in der Resolution ausgesprochenen Ueberzeugurig, die ich nöthigenfalls zu vertreten bereit wäre, wenn dies nicht theils in der Mottvirung der Resolutton, theils in den von vr. Philippson herausgegebenen „Weltbewegenden Fragen", 2 Bde., 1868 und 1869 in erschöpfender Weise geschehen wäre. In diesem Werke würden Sie, hochgeehrter Herr Doctor, ihre an mich gerichteten vier Fragen bereits beantwortet finden, und zwar: die Fragen ad 1 bejahend , die all 2, 3 und 4 allerdings in einer zu Ihren Voraussetzungen sich negattv verhaltenden Weise, da die Religion nicht blos das Berhältniß des Menschen zu Gott, sondern auch das des Menschen zum Menschen zu ordnen, zu weihen und zu verklären berufen ist. Wenn Sie, hochgeehrter Herr, Fragen über allgemeine Wehrverfaffung, über Handels- und Gewerbefreiheit, Abgabengleichheit als Dinge so „sehr profaner Natur" bezeichnen, daß es durchaus nicht Aufgabe der Religion sein kann, die politischen und socialen Fragen unserer Zeit zu lösen: so ist diese Ihre Ansicht Ihnen unbenommen; wir unsererseits halten den Staat und Alles, was zur Realisirung der Sraatsidee beiträgt, für nichts Profanes, vielmehr ist uns der Staat die Sphäre, in welcher die höchsten Ideen der Religion und Sittlichkeit ihre Verwirklichung finden sollen. In dieser Erklärung findet auch Ihre vierte Frage ihre Erledigung, und erlaube ich mir unter den vielen tüchttgen Arbeiten, welche diese Frage ebenso gründlich als klar behandeln, ein Werk in Erinnerung zu bringen, welches Sie, da Sie mir solchen Fragen sich beschäftigen, jedenfalls kennen müssen: Salvador, histoire des Institutions du peuple hebreu par Moise. Berlin, im Febr. Die ministerielle „N. A. Z." enthält folgendes: In Betreff der Beschäftigung der jüdischen

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