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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-22 · Heft 8 (22.2.1870) · p. Seite 146

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 8 (22.2.1870)
Date
1870-02-22
Page
Seite 146 (sequence 6)
Language
German
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146 krmst der westrussischen Juden nicht so traurig ist, wie I Sie es in Nr. 4 Ihrer geschätzten Zeitung schildern; | daß wir im Gegentheil jetzt vertrauensvoller in die Zu« I Ivraft schauen dürfen; daß die als der erste Schritt zur I Rettung unserer unglücklichen Glaubensgenoffen er- I kannte Freizügigkeit nicht nur für jetzt nicht verloren, sondern vielmehr nahe daran ist, verwirklicht zu werden. Wenn aber auch der in jener Nummer wiedergegebene Artikel des Regierungs-Anzeigers Befürchtungen auftauchen lasieu sollte, so darf die yfficielle Rede des Geueralgouverneurs und das Factum, daß schon vor sieben Jahren die Freizügigkeit der Juden im Princip zugestanden worden, jede Befürchtung zerstreuen, und begrüßt uns schon, der „Djen", das Organ der rnsfischen Israeliten, als „neue russische Bürger." Hoffen wir, daß der Befreier von 22 Millionen Menschen aus schmackvoller Knechtschaft auch seine 21 Millionen „getreue Unterthanen mosaischen Glaubens" von dem seit Jahrhunderten auf ihnen lastenden Drucke befreien wird. Ä. W.g. Literarischer Wochenbericht. Berlin, im Januar. In der Sitzung der Ar-! chäologischen Gesellschaft vom 4. Januar stattete der persönl iche Ad jut ant des Kronprinzen Herr Hauptmann v. Jasmund Bericht ab über den Besuch des Kronprinzen in der Patriarch engruft zu Hebron auf seiner eben beendigten Reise nach dem Orient und machte interessante Mittheilunzen über das Innere der Moschee und der darunter befindlichen Grabhöhle, die nach Ueberlieferung der Genesis von Abraham angekauft wurde und zum Degräbnißplatz für ihn und seine Nachkommen diente. Dieses älteste Denkmal Palästinas wurde von den Israeliten und später auch von den Türken und Christen sehr heilig gehalten. Bon den jüdischen Königen stammt ohne Zweifel die aus gewaltigen schön behauenen angeblich marmornen Quadern aufgebaute Ringmauer von 40 Fuß Höhe, die später von den Mohammedanern zur Errichtung einer Moschee verwandt worden ist. Der Prinz von Wales*) war der erste Christ, seitdem Hebron den Kreuzfahrern wieder entrissen worden, der die Moschee betreten durste. Eine Beschreibung dieses Besuches lieferte, unser damaliger Consul in Jerusalem G. Rosen, später find noch mehrere vornehme Reisende, namentlich der Marquis of Bute in das Heiligthum eingedrungen. Keinem ist es aber gelungen in die Grabhöhle selbst hinab zu steigen. Der Kronprinz machte die größten Anstrengungen, dies zu erreichen, 100 Napoleonsd'or wurden geboten und schließlich versprachen die Türken auch die Reisenden in der folgenden Nacht hinabzuführen. Leider konnten diese hierauf nicht eingehen, da. ein längerer Aufenthalt mit den Dispositionen der ganzen Reise nicht zu vereinbaren war. Indessen hatten der Kronprinz und der Berichterstatter die Ausdauer durch eine Oeffnung von 10 Zoll Durchmesser, in die unter! der Moschee befindliche Höhle, die durch herabhangende I Oellampen erleuchtet war, solange hinab zu blicken, I bis das Auge an den Glanz und das Schweben der! Lichter gewöhnt, alle Einzelheiten in dem etwa 40 Fuß im Quadrat messenden Raum erkennen konnte. Dieser erschien ganz leer, der Fußboden augenscheinlich durch Menschenhand geglätteter Fels, nur mit einigen Gebetzetteln, die von oben herabgeworfen waren, bedeckt; an dem einen Ende der Höhle sah man eine niedrige rhürartige Oeffnung, die mit einem Gitter verschlossen war und die vermuchlich zu einer zweiten Höhle, die nach den Andeutungen der Genesis hinter der andern Höhle zu denken ist, führte. Mauerwerk an den Wänden war nicht zu erblichen, vielmehr zeigten dieselben, den natürlichen Fels von fünfzehn Stufen, und von einer Gebetkanzel, die nach arabischen und > rabbinischen Berichten sich in der Höhle befinden soll, war nichts zu entdecken. Daß es. einen eigenen Eingang zu der Gruft von der Moschee aus giebt, wird nicht nur durck das den Türken schließlich abgepreßte Versprechen, den hohen Besuch in der Stacht einzu-! lassen, sondern auch durch den Umstand bestätigt, daß! nur wenige Gebctzettel auf dem Fußboden zerstreut I lagen und von Lampenscherben nichts zu scheu, beides I mithin von Menschenhand fortgeräumt worden war.! * ) Hierüber haben wir seiner Zeit Bericht erstattet. 1 Redattiom

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