Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1870)
- Date
- 1870-02-22
- Page
- Seite 144 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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144 das Curatorium zu befördern. Sie werden zur Zeit veröffentlicht werden.*) *) Wir ersuchen die Redactionen der jüdischen Zeitschriften in den verschiedenen Ländern diese Aufforderung wiederzugeben. Rußland. Wladislawow, 7. Februar. Die Wilnaer jüdische Delegation. Erst jetzt erscheint im „Djen" ein Bericht über die Thätigkeit der im Octob. nach Wilna berufenen jüdischen Deputirtenversammlung, wovon seiner Zeit in diesen Blattern berichtet worden war. Der Grund dieser Verzögerung ist, wie der Berichterstatter, ein Exdeputirter, sagt, daß der Vorsitzende der Delegation die Veröffentlichung der Verhandlungen übernommen und ihm alle Mitglieder versprochen hatten, ihm die Veröffentlichung zu überlaffen. Da er aber bis heute sein Wort nicht gehalten habe, so glaubt auch der Berichterstatter seines Versprechens enthoben zu sein. Obwohl der Bericht noch nicht vollständig erschienen ist, so beeilen wir uns doch, das bis jetzt der Oeffentlichkeit Uebergebene unseren ausländischen Brüdern mitzutheilen, die so warmen Antheil an unserer traurigen Lage genommen und noch nehmen. Wir geben hier den Bericht wieder mit Weglaffung aller nicht zur Sache selbst gehörenden Stellen. In seinem Circular vom 13. September theilte der Generalgouverneur mit, daß nie neben seiner Verwaltung eingesetzte Commission zur Verbefferung der Lage der Juden mit ihren Arbeiten zu Ende sei, und erklärte es für nicht nutzlos, wenn vor allen weiteren Schritten die jüd. Gemeinden der fünf Gouvernements selbst mit den Beschlüffen der Commission durch ihre Bevollmächtigten bekannt gemacht würden, damit sie ihre etwaigen Bemerkungen über die Beschlüsie der Commission machen könnten. Er ließ also die Gemeinden fragen, ob sie nicht vielleicht einen oder zwei Deputirte aus ihrer Mitte wählen wollten, welche an den Berathungen der Commission theilnehmen sollten; im Bejahungsfälle möchten die Deputirten am 5. October Morgens 10 Uhr erscheinen. Die jüd. Gemeinden, welche die Wichtigkeit dieses außerordentlichen Ereigniffes, Richter in ihrer eigenen Sache zu sein, erkannten, beeilten sich, das ihnen zugestandene Recht in seinem ganzen Umfange zu benutzen, und wählten je zwei Deputirte von jeder Gemeinde, andere wählten auch noch besondere nichtofficielle Mitglieder neben den officiellen Deputirten. Am 5. October, zur bestimmten Stunde, wurden wir vom Vorsitzenden der Commission, dem wirklichen Staatsrath und Kammerherrn P. N. Spaffki, dem General-Adjutant Potapoff in seinem Cabinet vorgestellt. Um den wohlwollenden Empfang, der uns von dem von wahrer Humanität durchdrungenen Generalgouverneur zu Theil ward, zu schildern, bedarf es einer geübteren Feder als der meinigen. Doch wird sich der Leser aus Folgendem einen allgemeinen Begriff machen können. Nachdem jeder von uns nach seinem Namen und dem der Gemeinde, die er repräsentirt, befragt worden war, erfreute uns Alexander Lwowitsch mit einer Einleitungsrede, in welcher er uns erklärte, daß er nur den heiligen Willen des von uns so geliebten Monarchen erfülle. „Se. Majestät der Kaiser — sagte der Generalgouverneur — in Seiner Allergnädigsten Fürsorge für das Wohl aller Seiner Unterthanen hat geruht. Seine Allerhöchste Aufmerksamkeit auf den Zustand seiner getreuen Unterthanen mosaischen Glaubens zu wenden. Ihre gegenwärtige Lage ist als innormal erkannt worden und unter meinem Vorgänger ist eine Commission zur Verbefferung der Lage der getreuen Unterthanen mosaischer Confession gebildet worden, deren gegenwärtiger Vorsitzender Sc. Excellenz P. 4t. Spaffki ist. Die Commission wird Ihnen ihre Arbeiten vorlegen, zu deren Beurtheilung ich Sie, als Mitinteressirte, eingeladen habe; Sie wiffen bester, was Ihnen fehlt und was zur Verbefferung der Lage Ihrer Glaubensgenoffen gethan werden muß. Sie können Ihre Meinungen frei heraussagen — selbstverständlich ohne die Grundlage der gegenwärtigen Ordnung der Dinge zu zerstören — nur für eine That, aber nicht für eine Meinung ist man verantwortlich." Zum Schluffe verwies der Generalgonverneur uns noch einmal auf den Vorsitzenden der Commission, wünschte uns Erfolg und stellte es uns frei, zu Hause Vorberathungen zu pflegen und auch von da aus unsere Bemerkungen an die Commission einzufchicken. Ich theile seine Worte annähernd mit. Fröhlich gestimmt verließen wir den Generalgouverneur, als hätten wir schon im Voraus alle Fragen erörtert. Abends 7 Uhr fand die erste Sitzung der Commission mit Betheiligung der Deputirten im Audienzsaal