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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-15 · Heft 7 (15.2.1870) · p. Seite 131

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 7 (15.2.1870)
Date
1870-02-15
Page
Seite 131 (sequence 11)
Language
German
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131 Oesterreichischungarische Monarchie. Aus dem Tokayergebirge, im Januar. (Privatmittheilung). Seitdem der Cultusminister den Entwurf zur Religionsfreiheit veröffentlicht hat, haben unsere Orthodoxen förmlich den Kopf verloren. In ihrem Gehirn ist es für alle Zeiten aus mit den Congreßbeschlüfsen, mit geregelten Gemeinden, Schule und Gemeindevertretung. Wir wissen in der That nicht, welche Instruction die israel. Districtscommisfäre von Oben erhielten, wie das Ministerium für Cultus und Unterricht die jüdischen Angelegenheiten zu regeln gedenkt; so viel ist gewiß, daß die anarchischen Zustände, wie sie in vielen Theilen Ungarns bestehen, unausstehlich sind. Da war es vor allem die Schule, welche in frühern Jahren vom Staate in geistiger Beziehung unterstützt ward, heute wo die Regierung sich nur für das Aufblühen der Simultanschulen interessirt, die confessionelle Schule aber nur den Gemeinden überläßt, ist die jüdische Schule in den minder gebildeten Gegenden Ungarns das Kind der Laune der Parteien geworden. Während in stüheren Jahren der Staat sich ungerechffertigter Weise selbst in den Religions- und hebräischen Unterricht mischte, ist heute die Confession autonom, die Schule vom Congreß der Gemeinde überliefert. Wie sie aber bei uns im Gebirge die Autonomie verstehen, beweist der Umstand, daß fast alle Gemeinden die Wahl zur Districtsrepräsentanz verweigerten, ignorante Vorsteher das Heft ergreifen und ihr Müthchen an Lehrer und Schule kühlen. Ob wohl das ungarische Israel von den viel gepriesenen Simultanschulen, Staatspräparandien mehr zu erwarten hat? Mag immerhin in Deutschland. England und in der Schweiz, auch in gebildeten Gemeinden Ungarns die Simultanschule mit der Zeit den ersten Rang behaupten, in culturfeindlichen Provinzialstädten wird die confessionelle Schule Bildung bringen und Segen verbreiten. Aber nicht die unter ungebildeten Vorstehern stehende, sondern jene, die unter intelligenten Schuldirectoren, heißen sie nun Or. med. oder Dr. juris, Rabbinen oder Prediger, haben wir im Auge und wenn selbst der Photographist (siehe Photographien Seite 31) den Lehrerstand ins Lächerliche zieht, so erklären wir mit Bestimmtheit: daß jener §, welcher die israel. Volksschule laut Congreßstatuten unter die Gemeinde stellt, dahin zu modificiren ist, daß die Gemeinde wohl für pünktliche Bezahlung der Lehrer zu sorgen hat, daß aber die Schule unter: eine unabhängige intelligente israel. Schulbehörde zu stellen ist. Leider scheint die gegenwärtige liberale Regierung das Wort Confession in der engern Bedeutung des Wortes zu nehmen, denn wenn auch im Lande ein israel. Schulinspector fungirt, der eine oder andere Israelit im Auslande verweilt, um an einer Staatspräparandie Anstellung zu finden, im Ganzen und Großen meint man die Katholiken, griech. Unirte, Reformirte und Lutheraner. Das chassidische Rebbethum wird längst in Oberungarn seinen Einzug gehalten haben, die Religions steiheit proclamirt sein und noch werden wir lesen: „Zum Directionspcrsonal behufs Beaufsichtigung der Staatspräparandie wurde ernannt: der katholische Advocat N., der evangelische Grundbesitzer A., der ruthcnische Or. ined. u. s. w." Das ungarische Israel wird sich mittlerweite mit seiner Anarchie freuen, wie solche die verdrehten Köpfe geschaffen, der Chassidäer mit den feierlichen Proces sionen, die er jetzt ungehindert halten kann, die Hyper - orthodoxen mit den Trauerreden für unbekannte Größen, wie solche vor Kurzem der Kaschauer Religionslehrer im Cultustempel gehalten hat, und nicht so bald werden wir im Amts blatte auf den Namen eines israel. Or. med. oder juris stoßen. Oberlehrer I. I. Rosenmeyer. Schweden. Norrköping, im Januar. lPrivatmitth.» Der diesjährige Reichstag, welcher in der Mitte dieses Monats seinen Anfang nimmt, ist für die Israeliten Schwedens von größter Bedeutung. Das veraltete inhumane Staatsgesetz, nach welchem alle Mitbürger, welche nicht zur Staatskirche gehören, von allen Staatsämtern und Staatsdiensten ausgeschlossen sind, soll endlich aufgehoben und ein neues auf humanerem Grunde ruhendes Gesetz berathen werden. DieWichkeit des Gegenstandes 'und des Augenblicks erfassend, hat die intelligente Gemeinde in Gothenburg beschlossen, durch eine unter sich gewählte Deputation den beiden Reichstagsabgeordneten, dem Grasen und Landeshauptmanne Ehrensvärd in der ersten Kammer und

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