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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-15 · Heft 7 (15.2.1870) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 7 (15.2.1870)
Date
1870-02-15
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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' 132 Lem Großhändler Julius Lindström in der zweiten Kammer, ihre Aufwartung zu machen und in einer inhaltsreichen Ansprache ihre Wünsche und Angelegenheiten vorzutragen. Man hat nämlich beim Reichstage 1867 die sonderbare Ansicht ausgesprochen, daß, da keine erneuerte Petition von den Israeliten selbst vorlag, dieselben sür die erweiterten Rechte gleichgiltig seien, welches doch ein schmerzlicher Jrrthum war und nur darin seinen Grund hatte, daß man setzt, da man sowohl während der Regierung des verstorbenen Königs Oscar I. als auch unter der Regierung seines Nachfolgers des jetztregierenden Königs Petitionen um erweiterte Rechte eingereicht hatte, nur eine abwartende Stellung einnehmen wollte und von dem humanen Zeitgeiste den besten Erfolg hoffte. Da aber diese Hoffnung noch zu keinem erfreulichen Resultat geführt, war es an der Zeit, da diese Frage nicht aufs Neue in Berachung gezogen wird, daß diese Deputation unseren gerechten Forderungen neues Leben geschenkt hat. Der Graf Ehrensvärd, Mitglied der ersten Kammer, empfing die Deputation sehr freundlich und erwiderte in verbindlichen Worten, daß er sich durch dieses Vertrauen geschmeichelt fühle und daß er, soweit es in seiner Macht liegt, diesem Vertrauen entsprechen wolle. Daß er niemals in Zweifel gezogen hätte, daß die mosaischen Glaubensbekenner hier zu Lande zu gleichen Rechten mit den andern Mitbürgern im Lande berechtigt seien, und wenn er in einem Zweifel gehegt hätte — welches doch niemals der Fall war — so sollte jeder Schein eines solchen Zweifels verschwunden sein, durch die Erfahrung, welche er als Landeshauptmann hier in der Stadt gemacht hat, und das Bewußtsein von mitbürgerlichen Tugenden, welche die Mitglieder der hiesigen israelitischen Versammlung auszeichnen, sowie durch das Interesse und die Einsicht, womit so viele unter ihnen das Wohl der Stadt umfassen und in aufopfernder Weise an der Arbeit für das Gesammtwohl theilnehmen. Der Gras dankte schließlich noch für die Einsicht, die er erhalten, und hoffte, daß dieses nicht ohne Einfluß für die glückliche Lösung der Frage bleiben soll. Herr Lindström gab ähnliche Versicherungen, welche einen glücklichen Erfolg hoffen lassen. Norrköping, im Januar. (Privatmitth.) Das Stockholmer Abendblatt vom 26. Januar meldet, daß auch die israelitische Gemeinde daselbst durch eine Deputation sich an ihre Reichstagsabgeordneten, den Oberstatthalter Baron Bildt in der ersten Kammer und den Commendör Adlersparre in der zweiten Kammer, gewandt hat, um denselben ihre Wünsche, die Gleichberechtigung der israelitischen Mitbürger betreffend, vorzutragen. In einer inhaltsreichen, warmen Ansprache entwickelte der Wortführer Herr Dr. med. Axel Lamm die Gründe, welche die Israeliten berechttgen vom gegenwärtigen Reichstage die Genehmigung zu hoffen, daß auch sie, als gute, treue Bürger des Landes, chre Kenntnisie, ihre Kräfte, ihre Dienste dem Vaterlande wechen dürfen. Wir können und wollen nicht als Fremdlinge gelten, sagte der Redner, und ferner eine wohlgemeinte Gastfreiheit genießen, wir wollen Mitglieder einer und derselben Familie sein, in brüderlicher Eintracht mit den übrigen Söhnen des Landes nach unseren Kräften im Dienste des Vaterlandes arbeiten zu können. Kann es wohl dem Staate zu einem wirklichen Nutzen sein,'daß wegen ungleicher Meinungen in einigen Lehrsätzen Mitbürger zu ungleichen Rechten gezwungen sein sollen? Bewirtt nicht im Gegentheil ein solches Berhältniß Trennungen und Spaltungen, deren schädliche Einwirkungen überall fühlbar sind? Der Redner erwähnte ferner, welchen wehmuthsvollen Eindruck diese Ausnahmsgesetze stets auf uns machen und welchen Schaden sie verursachen. Der Oberstatthalter versprach in wohlwollenden Worten seine Mitwirkung zur Bezweckung der gerechten Sache und begründete sein Versprechen noch näher dadurch, daß auch die mosaischen Glaubensbekenner in Stockholm, wie die in Gothenburg, eine dem Vaterlande nützliche Thätigkeit und Wirffamkeit gezeigt und durch mitbürgerliche Tugenden sich ausgezeichnet haben. Noch deutlicher spricht sich der Abgeordnete sür die zweite Kammer, der Commendör Adlersparre, aus. Er sagt: „daß es ihn einerseits zufriedenstellt, der Bertheidiger einer Sache zu werden, die mit seiner Vernunft, seinem Gefühle und seiner Religion übereinstimmt, die dem Rechte und der Wahrhett zugehört; aber andererseits schmerzt es ihn, daß in seinem Daterlande Verhältnisse wie diese noch eine besondere Deputation fordern. Die in vieler Hinsicht achtungswürdige Bürgerklasse, welcher sie angehören, sollte längst schon von allen Banden befreit sein, welche ihre freie Wirk-

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