Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1870)
- Date
- 1870-02-15
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, im Februar. .a^rtn -1221, pa? -orp ,2"bin 11^2 *tid Vollständiges Gebet- und Andacbtsbuch zum Gebrauche bei Kranken, Sterbenden und Leichenbestattungen, sowie beim Besuchen der Gräber :c. ^kebft Untersuchungen über Alter, Entstehung und Urheber gedachter Gebet- Sammlung und Gebrauche, und einem Anhänge, enthaltend: eine Reihe meist ungedruckter Grabschriften verdienter Personen, mit biographischen und literarischen Anmerkungen. Von L. M. Landshuth. Berlin 1807. W. Adolf u. Co. (A. Cohn). Die liturgische Literatur bildete bekanntlich bisher eine ausschließliche Präbende jener Clafse von Buchhändlern, die der jüdische Dolkswitz höchst charakteristisch 27271 *,o:n, Männer der Gewalt, nannte. (Des Wortes 27271, Gewalt, bediente man sich als Abbreviatur der 3 Hauptverlagsartikel: Chuinasch, Machsor und Sidur!) Ein flüchtiger Blick auf diese buchhändlerischen Erzeugnisse bestätigt nur zu sehr die Wahrheit dieser Volksstimme. Mit Ausnahme der schätzbaren Ausgaben von dem Gelehrten W. Heidenheim in Rödelheim, die noch heute nicht übertroffen sind, herrscht auf diesem von Gewinnsucht und Concurrenz schmählich ausgebeuteten Gebiete ein greulicher Schlendrian, der besonders den Lehrern in der Schule viele Fatalitäten verursacht; denn so viel verschiedene Ausgaben von Gebetbüchern die Kinder in Händen haben, so viel verschiedene Lesarten und falsche Pnnctationen hat der Lehrer zu corrigiren. So oft derselbe einen Fehler ausbefsert, muß er sich aus die Antwort der Kinder gefaßt machen: Bei mir steht es so und so! Die Gebetbücher und Machsorim werden mit einer Nachlässigkeit und Willkühr, strotzend von Fehlern und Mängeln, gedruckt, die dem wissenschaftlichen Geiste unserer Zeit wirklich zur Schmach gereichen. Das einzige, wodurch sich diese Ausgaben auszeichnen wollen, ist der Spottpreis; alles andere aber und hauptsächlich die Correctur ist unter aller Kritik. Rühmend müsien wir das gediegene Unternehmen der erwähnten Verlagshandlung hervorheben, die eine schöne, gefällige, correcte, von einer kundigen und gelehrten Hand zusammengestellte Edition des Maabar jabbok rc. nebst Angabe der bezüglichen religiösen Vorschriften und Gebrauche, Minhagim, veranstaltet hat, die, abgesehen von den beigegebenen, wissenschaftlichen Beilagen, allen Anforderungen vollkommen zu genügen sich bestrebt. Herr L. M. Landshuth, der seit drei Deeennien der Geschichte der Liturgie seine literarische Thätigkeit unausgesetzt gewidmet, dessen vortreffliches Gebebecbuch, Hegjon Lew (Königsberg 1845), so wie dessen n-rzirn ,Berlin 1857 u. 62), sich längst die allgemeine und verdiente Anerkennung erworben, hat nun seine kritischen Untersuchungen über Alter, Ent - stehung und Urheber dieser Gebete und Gebräuche ausgedehnt und dieses Thema mit seltener Belesenheit und vielem Geiste behandelt. Beit besonderem Jnteresie haben wir die große 7 2 Seiten starke, in 32 Abschnitten getheilte Abhandlung gelesen, die sich über alle Vorkommnisse und Observanzen bei Kranken, Sterbenden, Beerdigungen, Krankenpflege, 2-basr mrrr ,w“Hp ,2-an u. dgl. erstreckt. Unsere Zeit hat das Verdienst, den Werth der Wissenschaft des Volkes zuerst wahrhaft erkannt zu haben, und darum legt sie auch mit Recht auf die Bearbeitung der Vvlksgebräuche und Sitten, der Bolkssprüche, Sagen und Märchen — als die ergiebigsten Materialien zur Völkerpsychologie — so vieles Gewicht. Wer da weiß, mit welchem Bienenfleiße die vorzüglichsten Gelehrten der Gegenwart diese Studien pflegen und anbauen, der wird die Arbeit des Herrn Landshuth nach Gebühr zu würdigen wißen und demselben für das Gebotene dankbar sein. Eine willkommene Beigabe sind ferner die als Anhang am Schluffe beigefügten 78 Grabschriften, welche nicht blos geschicht-' lich, sondern auch sprachlich interesiant und wichtig sind. Es sind darunter einige, die einen Hartwig Wessely David Friedlänver und S. D- Luzzatto zum Verfasser haben. Folgende zwei Proben dürften wohl die Aufmerksamkeit der geehrten Leser jedenfalls verdienen. Wir meinen nämlich das in jüdischer Schrift abgefaßte Epitaph des Lazarus Ben David, des berühmten Schülers von Kant. Mein Name war: Elieser Lasi ben David nvi brr Gott war meine Hülfe, Vergönnte mir, wonach ich strebte: Unabhängigkeit. Gelobt sei der Name Gottes. Geboren d. 8. Chefchbon 5523. Gest. 26. Adar 55t>2. Ferner: „Grabstätte David Friedländersgeboren in Königsberg den 6. December 5511. — Des