Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1870)
- Date
- 1870-02-15
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
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123 * belohnt und die Ungerechten straft." Drei Punkte giebt es im Pentateuch, die gewöhnlich von den christlichen, auch von einem Theil spaterer jüdischer Exegeten zum Anknüpfungspunkt an den Teufelsglauben verwendet werden. Zuerst die Schlange im Paradiese, in die sich Satan verkleidet haben soll. R^ville ist vorurtheilsfrei genug, um dies zurückzuweisen. Der h. Text giebt auch nicht die entfernteste Veranlasiung dazu. Die Strafe, die hernach über die Schlange kommt, daß sie „auf dem Bauche gehen und Staub essen soll," zeigt hinlänglich, daß nur an das Thier gedacht und die Ursache seiner eigenthümlichen Beschaffenheit gegeben, sie aber in dieser Erzählung allegorisch als Bild der erwachenden Begierde, des sich entwickelnden Gelüstes verwendet werden soll, wie ein Baum mit seiner Frucht als das Bild der Erkcnntniß des Guten und Bösen. lS. unser Bibelwerk z. St. (2. Aust. Bd. 1 S. 151). Eher, meint Röville, konnte man einige Trümmer eines primitiven Dualismus, des Glaubens an ein oppositionelles Wesen, in dem Asasel finden, für welchen am Versöhnungstage (3 Mos. irr) ein Bock in die Wüste entsendet ward. Aber, fügt er hinzu, in der historischen Zeit war der Sinn dieser Ceremonie selbst bei denjenigen verloren gegangen, welche sie vollzogen. Hiermit ist denn allerdings auch dieses dunkle Moment kein wirklicher Anknüpfungspunkt, und wurde erst später wieder ein Spielball der Exegeten. Erst sehr spät nahm man in jüdischen Kreisen das Wort Asasel für den Namen eines bösen in der Wüste hausenden Dämons an, wie im Buche Henoch, in Pirke R. Elieser, im Nasaraer-Buche, im Sohar (II, f. 184, 2). Im Talmud dagegen wird Asasel theils als Name eines Berges, wohin das Sündopfer geschickt ward (Jom. 67, 2), theils als „fortzusendender Bock" (Mischna, Jom. 4, 2. 6, 2) erklärt, was jedoch ethymologisch nur gezwungen und in der Wortverbindung des Textes schwierig ist. Neuere Grammatiker erklären es „zu völliger Hinwegschaffung der Sünden," und mögen auch hiergegen grammatische Bedenken erhoben werden können, so giebt uns doch Vers 22 den bestimmtesten Erweis, daß diese Erklärung die angemessenste ist, und der Glaube an ein besonders zu versöhnendes Wesen durchaus nicht angedeutet wird. Denn es heißt daselbst: „Daß der Bock auf sich trage alle ihre Sünden in ein ödes Land, sende er den Bock in die Wüste." Das Senden des Bockes in die Wüste ist also die Hauptsache, und soll symbolisch das Hinwegschaffen aller Sünden und ihr Verschwinden, wo sie nichts schaden können, bedeuten. (S. uns. Bibelwerk z. St. B. I, S. 616.) — Die dritte Stelle ist 1 Mos. 6, l—4, wo die *>m sich mit den man mm verehelichen, woraus die „Gewaltigen, welche von Alters her Männer von Ruhm waren," entstanden. Bekanntlich wurden diese Bne Elohim als Engel erklärt, und später die Vorstellung von „abgefallenen Engeln" damit verbunden. An der oben angeführten Talmudstelle z. B. werden solche Engel namentlich aufgeführt und der Asasel als Sühnopfer für ihre Thaten angesehen. Hiergegen wird von anderen Erklärern Elohim hier wie an anderen Stellen (2 Mos. 4, 6. 4, 16. Ps. 82, 6.) als mächtig, herrschend, richtend gedeutet, so daß jene Bne Elohim im Gegensatz zu den Bnoth Haadam die durch Intelligenz und entwickelte Körperkraft herrschend gewordene Kaste, welche eine gewisse gesellschaftliche Ordnung geschaffen und aufrecht gehalten, bezeichnen <s. uns. Bibelw. z. St. Bd. I S. 26). Wie aber auch die angeführten Stellen gedeutet werden, so muß man doch anerkennen, daß an denselben von einer diabolischen Macht, von der Existenz eines bösen Geistes durchaus ebenso wenig die Reve ist wie in allen Schriften, welche zu den „früheren und späteren Propheten" (mit Ausnahme des Secharja) gezählt werden. Allerdings wird in diesen Büchern an vielen Stellen von Engeln gesprochen, die jedoch überall, wie schon der Name anzeigt, als Boten Gottes, als Werkzeuge desselben zur Erfüllung seines Willens, zur Vorbereitung und Vollstreckung seines Gerichtes gekennzeichnet werden, so daß an vielen Stellen wechselnd bald von Engeln, bald von Gott selbst gesprochen wird. Sie sind also identisch mit der Macht Gottes selbst und mit deren Aeußerungen in der Statur wie in dem Geschicke der Menschen; sie werden ebenso gut verwendet, um den Menschen Gunst und Glück zu erzeigen, wie Strafe und Unglück an ihnen zu vollziehen, niemals aus eigenem Beweggrund und Willen, sondern stets nach dem Rathschluß und im Aufträge Gottes. Dies ist die Lehre der heil. Schrift selbst. Daß nebenbei die Bolksmasse aus der allgemeinen heidnischen Welt Vorstellungen von bösen Geistern, von schädlichen Dämonen gehabt habe, muß wohl angenommen werden, da das Gesetz selbst das Darbringen von Gaben für solche Geister streng verbietet. Aber das Dasein derselben ist hiermit ebenso wenig zugestanden wie mit dem Verbot des Molochopfers die Existenz eines Moloch. Vielmehr lehrt die heil. Schrift durchaus, daß Gott die unbedingte Allmacht ist, und daß er die Welt „sehr gut", d. h. voll- 7*