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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-15 · Heft 7 (15.2.1870) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 7 (15.2.1870)
Date
1870-02-15
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 freude zu unterdrücken, wenn man hier einen schweren Kampf mit Elementen vor sich gehen sieht, welche im Judenthume niemals bestanden, oder doch nur eine so secundäre Rolle spielten, daß ihre Bekämpfung in einer erleuchteteren Zeit kaum nöthig war, eine gewisse Schadenfreude, die in dem Bewußtsein wurzelt, daß dieses Judenthum von der anderen Seite so viel geschmäht worden und wird, während es in feiner Wesenheit so hehr und erhaben ist. Aber diese Schadenfreude wird bald von zwei anderen Gefühlen verdrängt; denn einerseits nimmt uns ein lebhaftes Jnteresie ein, zu beobachten, wie sich bedeutende Geister in diesem Ringen heraushelfen, hier beschönigen, dort abschwächen, um sich einen positiven Standpunkt zu erwerben; andrerseits werden wir mit Entrüstung erfüllt, wenn wir gewahren, wie diese Herren mit möglichster Sophistik versuchen, dieselben schwachen Seiten des Ehristenthums, die sie bekämpfen, dem Judenthume zu insinuiren, und dem Einwurfe zu begegnen, daß hier das Judenthum einen weit höheren und reineren Standpunkt einnimmt. Sie können dieses heimliche Gefühl, dieses unwillkürliche Bewußtsein aus sich selbst nicht ganz beseitigen, und streben deshalb, es sich und Anderen mit Gründen zu verdecken, die bei Lichte betrachtet nicht Stand halten können. Hierin liegt auch, beiläufig bemerkt, eine Erklärung der Feindseligkeit, mit welcher neuere jüdische Arbeiten, welche den reineren Lehrinhalt des Judenthums darzustellen suchen, behandelt werden, theils indem man sie gänzlich zu ignoriren sucht, theils indem inan absprechend über sie urtheilt. Hierin begegnen sich Feinde und Freunde des Christenthums; die ersteren, Gegner aller positiven Religion, sind dem Judenthume eben so feindlich gesinnt wie dem Christenthume, und perhorresciren jede Verklärung des ersteren wie des letzteren; die Freunde des Christenthums aber haben noch näher liegende Motive. Diese Gedanken wurden von einer neuen Arbeit des Herrn Albert Reville in der Revue des deux mondes vom 1. Januar lebhaft in uns geweckt. Wir erinnern an Nr. 47 des vorigen Jahrg. Seite '.»38. Bor Kurzem erschien von Prof. Gustav Noskoff in Wien eine dickleibige „Geschichte des Teufels". Auf Grund dieses Werkes giebt Herr Reville von seinem Standpunkte eine Geschichte des Teufels, d. h. des Teufelsglaubens. Er geht von dem Gesichtspunkte aus, daß dieser Teufelsglaube auch in der christlichen Welt verschwunden, und der Satan von seinem Thron gestürzt fei, den er so lange und mit furchtbarer Wirksamkeit eingenommen. Wie aber nun hierbei mit den Dogmen der christlichen Kirche, wie mit der Christuslehre fertig werden? wie diese bekennen und dennoch den Teufelsglauben aufgeben, der in jenen Dogmen einen so integrirenden, im Grunde so unentbehrlichen Platz einnimmt? Es versteht sich, daß wir uns speciell mit dieser Frage nicht zu beschäftigen haben. Reville geht, wie es unumgänglich, die Geschichte des Glaubens an die Existenz eines bösen Princips, an das Dasein einer satanischen Gottheit, durch. Er mußte hierbei auf die Religion des Judenthums und auf unsere heilige Schrift kommen, ebenso wie auf das Reue Testament. Dies ist es nun, was uns interessirt, und worauf wir etwas näher eingehen muffen. Der Berf. zeigt zuerst, daß ursprünglich bei allen Naturvölkern und in allen Naturreligionen der Dualismus einer guten und bösen Gottheit, einer dem Menschen nützlichen und schädlichen, vorhanden sein mußte, und daß die alten Völker, durch die Furcht bewogen, noch mehr der letzteren als der ersteren ihre Huldigungen darbrachten. Auch bei den semitischen Nationen findet er dies im Baal und Moloch. Er muß dagegen zugeben, daß der jüdische Monotheismus einen solchen Glauben, daß neben dem einzigen Gotte noch ein ihm wenn auch nicht gleiches, doch ähnliches Wesen existire, welches das Böse repräsentire, weit von sich weise. Er muß zugeben, daß das s. g. Alte Testament Gott als die einzige Quelle alles Geschehenden, deffen was uns als Gut oder als Böse erscheint, als die Allmacht, neben welcher keine andere göttliche Macht besteht, lehrt. Er sagt: „Jehovah, ein Mal als einziger wahrhafter Gott angebetet, hat, ja kann keine Nebengötter haben. Er hält in seiner Hand alle Kräfte, alle Fäden des Weltalls. Nichts geschieht, nichts entsteht auf der Erde, das er nicht wolle, und mehr als ein hebräischer Autor schreibt ihm ganz direct, ohne das geringste Bedenken, die Eingebung von Jrrthümern und Fehlern zu, welche man später dem Satan zuertheilt. Jehovah verhärtet diejenigen, welche er verhärten will, Jehovah zerschmettert diejenigen, welcbe er zerschmettern will, und Niemand hat das Recht, ihn deshalb zur Rechenschaft zu ziehen; aber da man ihn auch für allgerecht hält, giebt man zu, daß, wenn er das Herz der Bösen verhärtet, dies deshalb geschieht, damit sie selbst ihre eigne Grube graben, und daß, wenn er nach seinem Belieben die Freuden und Leiden vertheilt, er damit die Gerechten

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