Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-15 · Heft 7 (15.2.1870) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 7 (15.2.1870)
Date
1870-02-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226744-3226752--28070-3301873
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

34. Jahrgaug. Allgemeine JW 7. Zeitung des Mdenthurns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heran s g eg eb eu von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 15. Februar 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal DienftaqS, in 2 bis 2'/r Bogen. Preis deS Jahrgangs t Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährigst Thlr. Inserate werden mit l 'j2 Ngr. für die Pctitzcile oder ^deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditione» nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedi:ion für beide letztere hat sich daS Königl. Sachs. Haupt-Zcitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Teilende Artikel: Der Teufelsglaube. — Was haben die badischen Gemeinden zu thun? — Litera risch er Wochenbericht: Gr. BecSkcrek. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn. — Oesterrci chisch - ungarische Monarchie: Aus dem Tokayergebirgc. — Schweden: Norrlöping. Fenilleton-Beilage: Heimathlos. — Curiosa. Leitende Arti k e l. Bonn, den 6. Februar. Der Teufelsglaube. Es ist selbst für denjenigen, der nicht unmittelbar daran betheiligt ist, ein großartiges Schauspiel, zu beobachten, wie seit dem Anfang des vorigen Jahrhunderts in zahllosen Bekennern des Christenthums, Theologen wie Laien, das Ringen des rationellen Geistes mit den Glaubenssatzungen der Kirche vor sich geht. Wir sagen mit Grund, seit dem Anfang des vorigen Jahrhunderts; denn die Reformation des sechszehnten Sacnlums hatte es nur mit dem Gebrechen der Hierarchie und deren Eonsequenzen zu thun, nicht aber mit den eigentlichen Dogmen, die sie nur im streng Augustinischen Sinne wiederherstellte. Es ist bekannt, daß dieser Rationalismus einige Jahrzehnte lang auch die protestantische Theologie beherrschte, dann aber wieder aus ihr verdrängt ward, nud selbst Vermittlungsversuche, wie die Schleiermachers, keinen Bestand erlangten. Aber dieser Sieg der Orthodoxie war von keinem großen inneren Gehalte; denn in zahllosen Individuen erblaßten die kirchlichen Dogmen immer mehr, und der Rationalismus, der von der Kanzel und dem Altar verschwunden ist, faßt in den Geistern und im Leben immer mehr Raum. In der katholischen Kirche hatte Dieser Kampf nur einen sehr geringen Eindruck geübt; die feste hierarchische Gliederung verhinderte und märzte sofort jeden Versuch aus, in die Mauer der festgestellten Satzungen einzubrechen. Darum jedoch blieb derselbe Effect bei der katholischen Laienwelt eben so wenig aus, und unzählige Geister bieten auch hier daffelbe Schauspiel. Es ist bekannt, wie verschieden die Erfolge waren. Der eine Theil ging bis zum Atheismus und Materialismus, der andere baute sich ein eigenes deistisches System aus, der dritte suchte zu vermitteln, ließ einen Theil der christlichen Dogmen fallen, um den anderen aufrecht zu erhalten. Die Letzteren vermochten freilich ihre Berechtigung nicht gründlich nachzuweisen. Man flüchtete sich zwar zu einem gewiffen Urchristenthmn, das die Kirche nach und nach entstellt haben sollte; aber man mußte dies mehr oder weniger nach seiner Phantasie aufbauen, da weder das Neue Testament noch die Kirchenväter ein rationalistisches Christenthum begünstigen, und die Kirche doch nur entwickelt und ausgeprägt hat, was als sichtbare Keime in jenen bereits vorhanden. Für uns Juden wird es hierbei oft schwer, eine gewisse Schaden-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.