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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-08 · Heft 6 (8.2.1870) · p. Seite 118

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 6 (8.2.1870)
Date
1870-02-08
Page
Seite 118 (sequence 18)
Language
German
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118 Wunder, die Moses in Aegypten und am Meere verrichtet, nur mit Worten verkünden und beschreiben, so wie die früheren Begebenheiten Moses in einer Eröffnungsrede erzählen. Leider ist uns aber die eigentliche Ber- und Entwicklung der Tragödie nicht sichtbar, wenn eine solche darin enthalten war. Doch scheint überhaupt nur das ganze Leben Moses, in einzelnen Momenten aufgegriffen, und in etwaigen Zusammenhang gebracht, gegeben worden zu sein. Derselbe ist nun unleugbar aus der damaligen Bildung der Alexandrinischen Juden hervorgegangen, die sich griechischer Cultur mehr zu nähern versuchten, als es in Palästina der Fall war. Das bezeugt uns seine Sprache, welche die sogenannte hellenistische, oder wie sich die griechiscke Sprache in Aegypten modificirt hatte, ist, vernascht mit poetischen Floskeln griechischer Dichter, wo denn ytißvrt v. 60, Alfrlontg v. 62, und sogar Tituv 'Hhog v. 217 ihren Platz fanden. Wir wisieu durch den Josephus, wie sehr die Juden in Alexandrien nnter den Ptolemäern begünstigt wurden, daß ihnen Alexander das Bürgerrecht taozifuug ngog ^E'ü.fjvug gab, Ptolemaus Soter sie als looTinuiag zoTg Maxtdfioiv hinversetzte. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß Ezechiel am Hofe zu Alexandrien gelebt, und daselbst seine Dramen geschrieben und als ein Document jener Zeit und der Bildung der damaligen Juden wichtig genug. — 2. Philo der Aeltere, der jüdisch-griechische Epiker. Alexander Polyhistor führt Fragmente eines gewiffen Philo an, welche beinah 24 Hexameter ausmachen. Es wird gesagt, daß diese Verse aus einem Gedichte über Jerusalem genommen, aus deffen erstem Gesänge B. l—10 und 16—24, aus deffen vierzehntem aber B. 11 —15 entlehnt sind. Wenn beim Ezechiel, obgleich mit Unrecht, ans irgend eine Weise gezweifelt wurde, ob die Verse wirklich Anführung des Alexander seien: so ist dies beim Philo über allen Zweifel erhaben. Es findet sich also derselbe Umstand, seine Lebenszeit zu bestimmen, wie bei Ezechiel, und wir müffen ihn eben so sehr in die dort angegebene Periode jüdischer Literaturgeschichte versetzen, als er hinwiederum selbst als ein neuer Beweis für den damals bei den Juden herrschenden Geist betrachtet werden muß. — Auch Clemens Alexandrinus erwähnt des Philo, indem er angiebt, daß er verschieden vom Demetrius die Könige der Juden beschrieben habe. Wir müffen ihn hier an seiner Umgebung erkennen, am Demetrius und Eupolemus, der gleich darauf erwähnt wird, wie wir beim Eusebius dieselben Schriftsteller vorangehen und Nachfolgen sehen. Auch brauchte es kein besonderes Buch über die Könige etwa zu sein, da es sich aus den wenigen Ueberbleibseln selbst ergiebt, daß er viel Geschichtliches in seine Beschreibung Jerusalems mischte, wozu sich die Gelegenheit leicht darbot. Wenn nun Josephus an einer berühmten Stelle den Demetrius, Philo und Eupolemus zusammen erwähnt, so sehen wir leicht ein, daß es dieselben sind, und bemerken sogleich mit dem gelehrten Hu et-, daß es ein Jrrthum des großen Historikers sei, wenn er den Demetrius Phalereus nennt, da es offenbar der sonst genannte Judäus ist. Unser Philo erhält von ihm den Beinahmen 6 nQioßvztQog, der Aeltere, wie Big.er bemerkt, um ihn vom Philo Judäus und Byblius zu unterscheiden, wogegen Voß erinnert, daß des Byblius Blüthezeit später als die des Josephus fiel. Aber betrachten wir nun die Stelle des Josephus näher, so scheint unmittelbar daraus gefolgert werden zu müffen, daß Philo kein Jude gewesen. Josephus will nämlich das Alterthum des jüdischen Volkes durch Zeugniffe fremder und zuletzt griechischer Schriftsteller beweisen, und fügt nach Aufzählung derselben hinzu: dem Demetrius, Philo und Eupolemus müßte man Nachsehen, wenn sie ein wenig irren, denn sie konnten nicht mit aller Genauigkeit unfern Schriften folgen. Er scheint sie also als Griechen anzusehn. Dieses könnte nun durch folgendes vergewiffert werden. Clemens Alexandrinus erwähnt eines Philo, den er zov SIvd-uyoQtov nennt, und der behauptet habe, die Philosophie der Juden sei älter, als die der Griechen. Man fiel nun alsbald daraus, daß dieses derselbe Philo, der Aeltere von Joseph genannt, sei, und wollte darin eine Bestätigung finden, daß er kein Jude gewesen. Aber Fabricius selbst widerrief schon seine Meinung, und unterschied sie, wie es denn von Anderen auch bestritten wurde. (Fortsetzung folgt.) Zur diesjährigen Feier des Todestages Moses Mendelssohns. Bekanntlich feiert ein Verein zu Leipzig jährlich den 4. Januar als den Todestag Moses Mendelssohns, wozu er einen Redner einzuladen pflegt. Die Feier begann auch diesmal mit Gesang und Declamation. Es folgte die Festrede, welche diesmal Landrabb. Dr. Adler aus Cassel hielt, und über welche wir hier den Bericht des „Leipz. Tagebl." geben. Sein Thema war: Der Sieg des fortschreitenden Menschengeistes ode r das Verfahren Moses Mendelssohns, Religion und Menschenthum zu versöhnen. Von dem Gedanken ausgehend, daß der Fortschritt des Menschengeistes einem großen Strome gleich sei, dem man es nicht an sieht, wie klein er angefangen, durch wie viele Bächlein er mächtiger geworden ist — warf er die naheliegende Frage auf, ob wir seit Mendelssohns Zeiten wirklich fortgeschritten sind und ob der Fortschritt ein siegreicher gewesen ist. Auf diese Frage antworte Mendelssohns Geist mit Ja, indem er auf die Bahn Hinweise, auf welcher sich Religion und Menschenthum versöhnen. Bon dieser Versöhnung ent-

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