Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1870)
- Date
- 1870-02-08
- Page
- Seite 117 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung -es Iudcnlhums. Femlleton-Seilage zu Nr. 6. Leipzig, den 8. Februar 1870. Die jüdisch-griechischen Dichter. (Fortsetzung.) Wir erkennen leicht aus dieser Uebersicht den kunstlosen Gang des Dramas und wie es eigentlich blos dialogisirte Geschichte ist. Die dramatische Poesie der Griechen war in jener Zeit und in Alexandrien bereits im vollständigen Verfall. Sie war damals, wie Munk sagt, nur noch ein künstliches Erzeugniß gelehrter Studien, nicht Werk dichterischer Begeisterung. Sie war nur noch selten zur Aufführung, meist zur Lectüre bestimmt. Dies paßt vollständig auf unseren Ezechiel, und daher erklärt es sich, daß er selbst Gott in seinem Drama redend einführt. Nur so konnten diese Dramen auch dem jüdischen Volke in die Hände gegeben werden, denen scenische Darstellung in Palästina ein Greuel, in Alexandrien jedenfalls zuwider war. Aber sicherlich hatte Ezechiel auch eine ganz andere Absicht, nämlich die, in griechischen Kreisen in Formen, die bei diesen heimisch und beliebt waren, die jüdischen Geschichten und Lehren bekannt zu machen. Es konnte dies ein Motiv der Bertheidigung sein, da Vorurtheil und Verleumdung über die Juden, ihre Geschichte, ihre Lehre und Gesetz damals schon bei den Griechen vorherrschten und von gehässigen Persönlichkeiten absichtlich genährt wurden. Hierzu kam aber auch noch der Drang jeder aufrichtigen Ueberzeugung, die Wahrheit zu verbreiten und ihr Eingang zu verschaffen. Solche Intentionen klingen ja selbst bei Philo bisweilen durch. Und wenn daher Josephus in seinen Proömien zu den Antiquitäten, zum Kriege, zum Buche gegen den Apion sich klagend über die Schmähungen ausläßt, die seinem Volke von den andern Völkern und ihren Geschichtschreibern zukamen, und nun seinen Vorsatz darlegt, durch diese Schriften den Völkern ihre Jrrthümer hinsichtlich des jüdischen Volkes zu entnehmen, das Dunkel, das bei jenen über dieses verbreitet wäre, zu zerstreuen und aufzuklären, und treue Rechenschaft zu geben über der Hebräer Ursprung, Geschickte, Glauben und Sitten: warum könnten wir nicht denselben Zweck in seiner angemessenen Einschränkung unserm Ezechiel zuschreiben? Er hatte poetisch in der damals beliebtesten Form des Drama, in der damals gewöhnlichsten Sprache der Griechen die Geschichten seines Volkes darstellen wollen? Wir brauchen dabei nicht an das Amt des Historikers zu denken, gerade um der Jrrthümer und Schmähungen anderer Völker willen solches zu unternehmen, sondern eben nur an den Drang des Dichters, Anderen zu singen, was er weiß und fühlt. Deshalb konnte er der Geschichte treu folgen, und dennoch sie ausschmücken, hier zusammendräugen, dort erweitern. Wie sehen wir ihn doch schon in den geringen Ueberbleibseln bei dem Befehle Gottes, das Pasta zu feiern, doppelt und lang stehen bleiben, um das Fest und die, anderen Völkern höchst sonderbar erscheinenden Gebräuche an demselben zu erklären, wie sehen wir ihn zu Wundern noch Beschreibungen wundersamer Gegenstände häufen, ganz im verderbten Geschmack jener Zeit. Nicht also den Juden bekannte und durch den Glauben geheiligte Geschichten in, nach ihrem Sinne, nothwendig entweihender Gestalt vorzutragen: sondern anderen Völkern in bekannter Form unbekannte Dinge zu erzählen, die ihnen, von ihrer eigenen Mythologie übersättigt, als gar nicht unanmuthige, wundervolle Fabeln erscheinen konnten, unternahm er die jüdischen Geschichten in dramatischer Form zu beschreiben*) und wie passend nennt ihn nun Clemens Alexandrinus zov riou Jovdaixivv zoay<oöt<xty Tcairtxrtv\ — Wir bemerken im Ezechiel die zwiefache Bemühung, das morgenländische Uebersinnliche mit der sinnlichen, plastischen Darstellung der Griechen zu vereinen : aber der Versuch mußte eben darum scheitern, und das Product keine große ästhetische Wichtigkeit erlangen. Wenn die Griechen ihre Götter in menschlicher, nur durch künstliche Hülfsmittel erhöhter Gestalt auftreten lassen, so bleibt ihm das Feuer das Symbol seiner Gottheit, und der lange Reden haltende, brennende Dornbusch nimmt sich, auf die Bühne versetzt, wunderlich genug aus. Dagegen läßt er wenigstens die anderen *) Vom Chor ist keine Spur, es sei denn, daß derselbe nichts Geschichtliches enthalten, so daß er den Kirchenvätern;u citiren nicht tauglich war. sei es, daß ihn Ezechiel gar nicht angewendrt hat. weil er bei den Gesprächen zwischen Gott und Moses u. a. gar keine Zuschauer voraussetzen konnte.