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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-08 · Heft 6 (8.2.1870) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 6 (8.2.1870)
Date
1870-02-08
Page
Seite 107 (sequence 7)
Language
German
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107 uns vorgeschlagenen Mitteln, insofern sie nicht mit der Uebernahme dauernder Verpflichtungen verbunden sind, unsere volle Zustimmung ertheilen, und werden wir nach dem ad 3 Gesagten diejenigen von ihnen zuerst ergreifen, die am schnellsten und am leichtesten ausführbar erscheinen. Wir werden demnach unsere Aufmerksamkeit zunächst darauf richten und unsere Thätigkeit damit beginnen, daß wir 1. in erster Linie eine Auswanderung aus Rußland nach den im Protokolle niedergelegten Principien, die insbesondere eine einzuholende Genehmigung der russischen Regierung voraussetzen lasten, in größerem Maßstabe organisiren. Hierbei erscheint es am zweckmäßigsten, daß die Auswanderer womöglich von hier aus direct zu Master nach ihrem Bestimmungsorte abgehen; jedenfalls wüsten sie bis zu ihrer Einschiffung Gegenstand der Aufsicht, Leitung und Fürsorge des Comitss bleiben, dessen Thätigkeit erst abschließt, wenn sie auf dem Schiffe untergebracht sind. Andererseits können wir das Werk der Auswanderung selbstverständlich nur in der zuversichtlichen Gewißheit beginnen, daß in Ausführung der in Berlin in Aussicht gestellten Schritte die Alliance isra^lite auch ihrerseits dafür sorgen wird, daß die Auswanderer bei ihrer Ankunft im fremden Lande nicht rath- und mittellos einem ungewiffen Schicksal überlasten, ein Elend mit dem anderen vertauschen. Die von der Alliance in den Hafenstädten der Union eingesetzten Comits's werden (nach b 3 des Protokolls) sich der Ankömmlinge annehmen und so die erste Zeit für sie sorgen. Mehr kann freilich für sie nicht gethau werden, aber wie wir glauben, auch nicht weniger. 2. Die Bildung der männlichen wie weiblichen Jugend durch geordneten Schulbesuch u. s. w. befördern. Dies würde sich allerdings am einfachsten durch Gründung von Volksschulen erzielen lasten; aber bis dies wird möglich fein, werden wir dahin wirken, daß möglichst viele junge Leute zum Besuche der bereits dort bestehenden öffentlichen Schulen ermuntert und hierbei unterstützt werden; und daß wir: 3. Jüngere bildungsfähige Leute Behufs ihrer Ausbildung im Auslande zu einem wissenschaftlichen oder gewerblichen, insbesondere auch zum Lehrerberuf unterstützen. Mit dieser Darlegung glauben wir dem von der Alliance Israelite am Schluffe des Protokolls an uns gestellten Verlangen genügend entsprochen zu haben. Ein genaues Detail der Organisirung muß als Ergebnis der erst an der Hand unserer Thätigkeit zu machenden Erfahrungen einem späteren Berichte Vorbehalten bleiben. Königsberg, im December 1869. Das Haupt-Grenz-Comits. Der Vorsitzende: Der Schriftführer: Bankdirector Gabriel. Rabb. vr. Bamberger. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 23. Jan. (Privatmitth.) Gestern hielt vr. Geiger seine Antrittspredigt. Das große Gebäude der neuen Synagoge war gedrängt voll, wie sonst nur an den hohen Festtagen. Der Redner sprach v/» Stunden, sehr beredt und mit Wärme. Der Eindruck war ein sehr günstiger. Er knüpfte an den Rephidim-Brunnen in der Sidra an, und machte Front gegen das Christenthum wie gegen die sg. Orthodoxie in entschiedener Weise. — In Erfurt ist ein Jude definitiv als Oberlehrer angcftellt worden, vr. Treumann. —. Die jüdische Gemeinde zu Berli.n erhält in Folge testamentarischer Bestimmung des Rentiers Caspar Arnstein und resp. eines Vergleichs der Betheiligten das zur Zeit 68,629 Thlr. 26 Sgr. 4 Pf. betragende Grundcapital einer Familienstiftung je zur Hälfte in den Jahren 1870 und 1875 mit der Verpflichtung, die eine Hälfte der Zinsen für arme Schüler der jüdischen Gemeindeschulen zu verwenden und die andere Hälfte der Baruch-Auerbachschen Waisen-Erziehungsanstalt in Berlin auszuhändigen.

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