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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-08 · Heft 6 (8.2.1870) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 6 (8.2.1870)
Date
1870-02-08
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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104 tuit etwa 161/2 Thlr. auf den einzelnen Contribuenten entfallen." Die Gesammteinnahmen der Gemeinde betrugen 106,350 Thlr., die Ausgaben 911915, so daß ein Caffenbestand von 14435 Thlrn. verblieb. Allein diese Zahlen geben noch lange nicht die eigentlichen Einnahmen und Ausgaben für die gesammten Gemeindeinstitute an, da in diesen Summen nur die Zuschüsse berechnet sind, welche die Gemeindecaffe den vielen einzelnen Instituten zahlt, während diese viel mehr verausgaben und dies aus besonderen Einnahmen und Fonds bestreiten. Die Beiträge der Contribuenten betrugen 81484 Thlr. Geben wir einige Einzelnheiten. Die Gehälter an Rabbinen, Borbeter, Chordirigeuten, Registraturbeamten und Nuncien nebst Remunerationen und Pensionen nehmen 16200 Thlr. in Anspruch. Der Gottesdienst in der alten Synagoge erfordert einen Zuschuß von 2350 Thlrn., in der neuen Synagoge von 7 497 Thlr., die drei Schulen einen Zuschuß von 13248 Thlrn., die vier Armenanstalten von 17 t 72 Thlrn., das Quellbad von 245 Thlrn., die Alterversorgungsanstalt von 2162 Thlrn.; der Vorstand hat einen Dispositionsfond von 800 Thlrn. und Bureau- und Druckkosten belaufen sich auf 1532 Thlr. In der alten Synagoge kostet Chor und Dirigent 1498 Thlr., in der neuen mit dem Organisten 2830 Thlr.; die Beleuchtung in jener 444 Thlr., in dieser 1139 Thlr.; die Heizung in der letzteren 578 Thlr. An Aufseher und Thürsteher zahlt die alte Synagoge 624 Thlr., die neue 1900 Thlr. Die Knaben-, Drädchen- und Religionsschule bringen zusammen 5800 Thlr. an Schulgeldern ein, kosten aber jährlich 0. 20,000 Thlr. Außerdem erfordern die Talmud-Thora (resp. Lehrerbildungsanstalt) und das Beth - hamidrasch 6400 Thlr. jährlich. Die Waisenversorgung kostet der Gemeinde 4000 Thlr. Die Armen-Commission gewährt laufende Unterstützungen 9800 Thlr., und verbraucht zusammen 18000 Thlr., sowie die Altersversorgungsanstalt 6352 Thlr. Die Bekleidungsrnstalt für Arme, die keines Zuschuffes bedarf, verursachte 1762 Thlr. Das Krankenhaus, welches 495 Kranke mit 15536 Berpflegungstagen ausgenommen, wovon 370 geheilt, 30 ungeheilt entlassen und 54 gestorben, erforderte einen Kassenaufwand von 13761 Thlrn. Außerdem wurden für Kranke in der Stadt und an allgemeinen Ausgaben e. 7000 Thlr. erfordert. Die Fremden-Krankencafse erforderte 3128 Thlr., und dazu kommt eine Caffe für Unterstützungen an Reconvalescenten von 934 Thlrn. Verbrauch. Für arme Wöchnerinnen wurden 1550 Thlr. erfordert, die Holz- und Brodvertheilungsgesellschast verausgabte 4244 Thlr., und die Beerdignngsanstalt hatte ein Budget von 13122 Thlrn. Die Mieths- Unterstützungsanstalt verbrauchte 3093 Thlr. und die Quellbadverwaltung 1228 Thlr. — Nach diesen einzelnen Angaben wird es interessiren, zu erfahren, wie viel insgesammt die Gemeinde als solche im Jahre 1868 ausgegeben. Wir rechnen dabei die Zuschüffe, welche die Gemeinde-Hauptcaffe an die einzelnen Institute gezahlt hat, von den Etats der letzteren ab, weil sie bereits in dem Etat der Hauptcaste enthalten sind. Die Summe beläuft sich dann auf 191,725 Thaler, was pro Kopf ungefähr 6^/2 Thlr. macht. Hierunter sind die Ausgaben der Separatgemeinden und der Privatvereine, die mit der Gemeindeverwaltung in keiner Beziehung stehen, nicht eingerechnet, und wird man so nicht fehlgreisen, wenn man annimmt, daß die Juden in Berlin für ihre Specialanstalten jährlich V* Million und darüber ausgeben. — Es sei noch bemerkt, daß sich nunmehr herausgestellt hat,' daß die Baukosten für die neue Synagoge nicht über 650,000 Thaler betragen, während man sie früher höher schätzte. Die Miethe für Stände der alten Synagoge trug 2335 Thlr. der neuen Synagoge 5718 Thlr. ein. Dies ein Bild von dem finanziellen Gebühren dieser Gemeinde, die hierin ihres Gleichen wohl nicht hat. Es lasten sich daraus mancherlei Schlüste ziehen; und wenn es auch zur Erreichung der Zwecke und Ziele immer auf die Organe und Werkzeuge ankommt, so muß man doch sagen, daß die Gemeinde die drei großen Zwecke einer jüdischen Gemeinde: Gottesdienst, Unterrichts- und Armenwesen mit großem Ernste und vielen Opfern verfolgt. Der Vorstand hat es versucht, von dem Magistrate der Stadt unter dem 16. Januar 1868 eine Unterstützung für das Schul- und Armenwesen zu erlangen, ist aber damit ohne Angabe der Gründe unter dem 20. Juli 1868 pure abgewiesen worden. Ob dies mit der gesetzlichen Lage völlig übereinstimmt, scheint uns noch sehr zweifelhaft; ob der Vorstand darin weiter Vorgehen werde, ist uns nicht bekannt.

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