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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-01 · Heft 5 (1.2.1870) · p. Seite 99

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 5 (1.2.1870)
Date
1870-02-01
Page
Seite 99 (sequence 23)
Language
German
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4 99 Wie Scharlachbeere schien der Augenstern im Kreis; Ertönen ließ er auch den herrlichsten Gesang; Und aller Bögel König schien nur er zu sein: Denn jeglichem Gefieder flößt' er Schrecken ein, Das hinter ihm in wirrem Fluge schwirrend flog, Doch er in (Stt voran, gleich jenem stolzen Stier: Des Fußes schnellen Gang befördernd, schreitet der. — Außerdem fanden wir bei Epiphanias ein Fragment des Ezechiel über die Schlange im Paradiese, das so lautet: O, Schlange, allen Lasters Anfang und auch Ziel, Und Du, der Du der Fehle weiten Schatz erzeugst, Jrrthum, der blinden Unerfahrenheit Geleit, Der Thranen Freund, der Seufzer, die der Mensch aushaucht : Zum unerlaubten Stolz der Gleicbgeboreneu Die Rechte schwer bewaffnet mit dem Bruderhaß, Bewöget Kain ihr, mit Mordblut seinen Zorn Zu zeichnen, aus des reinen Daseins Ewigkeit Herabzufallen auf der Erd' erschaffnen Staub: Ihr habt's vollbracht — «Fortsetzung folgt.» . Die Juden in Rom. 5. Tie ersten Juden in Rom. Während wir in den früheren Skizzen ans dem * Werke von Gregorovius einige Miltheilungen über die Juden in Rom wahrend des Mittelalters brachten, giebt E. Renan in seinem vor Kurzem erschienenen „Paulus" eine Schilderung der ersten jüdischen Ansied- » lung in Rom und übertragen wir hier die betreffende Stelle. Das Hauptquartier der Juden in Rom lag jenseits des Tiber'), d. h. in dem ärmsten Theile der Stadt"), wahrscheinlich in der Umgebung der jetzigen Porta Portes^). *i Philo, L egr. a d C aj u m. § 23; Martial. I, XLII (XXXV), 3. Die Juden blieben im Trastevere wohnen bis;um fünfzehnten oder fechszehnten Jahrhundert (Bosio. Koma sotter., I. II, cli. XXII; cf. C o r p. inscr. 9907). Immerhin ist es sicher, daß sie unter den Kaisern noch viele andere Quartiere bewohnten, und besonders das Marsfeld (Corp. inscrp. 9905, 990R; Orclli. 2522; Garrucci. Dissert. arcli. II, p. 163 , fcieSocalitäten vor dem Capenischen Thor (Juveual, sat. III, 11 und folg.: Garrucci C i m i t e r o, p. 4; wichtige archäologische Nachrichten), die Tiberrnsel und die Bettlerbrücke (.luv., IV, 116: V. 5; XIV, 1:54; Martini. X, V, 3) und vielleicht die Subara (Corp. inscr. 6447). 2) Martial, I, XLII, 3; VI, XCIII, 4: Juvenal XIV, 201 und folg. 3) Der jüdische Hauptbegräbnißplatz in Rom wurde in der Nahe derielben von Bosio tat Jahre 1602 gefunden. Bosio. I. 1., I. II, cap. XXII; Aringhi, Roma sott er. t. 1. 1. II, cap. 23. cf. Corpus inscript. graec.. 9901 folg., Jnfchriften. die zum größten Theil aus diesem Begräbnißplatz 5 gesunden und m großer Anzahl in dem Quartier erhalten sind. Dort befand sich ehemals, wie noch heute, der Hafen Roms, der Ort, wo die von Ostia auf Trausporrbarken heraufgeführten Waaren ausgeladen wurden. Dies war ein Ouartier der Juden und der Syrer, „Völker, wie Cicero sagt, die für die Knechtschaft geboren sind)." (Provinc. cons. 5.) Der erste Kern der jüdischen Bevölkerung in Rom war in der That aus Freigelassenen' > gebildet, zum größten Theil Nachkommen derer, die Pompejus gefangen nach Rom geführt hatte. Sie waren durch die Sklaverei gegangen ohne etwas an ihren religiösen Gebräuchen;u ändern'). Das Bewunderungswürdige im Judenthum ist jene Einfachheit des Glaubens, welche bewirkt, daß der Jude, Tausende von Meilen von seinem Vaterlande versetzt, nach mehreren Generationen noch immer ein ganz reiner Jude ist. Die Synagogen Roms standen in beständigen Beziehungen mit Jerusalem"). Die erste Colonie war durch zahlreiche Auswanderer verstärkt worden'». Diese armen Leute landeten zu Hunderten an der Ripa und lebten unter einanver in dem anliegenden Quartier des Trastevere, als Lastträger dienend, den Kleinhandel treibend, Zündlichtchen gegen zerbrochene Gläser umtauschend und der stolzen italienischen Bevölkerung einen Typus darbietend, welcher später ihnen nur zu vertraut werden sollte, den des in seinem Handwerk vollendeten Bettlers",. Ein Römer, der sich selbst achtete, setzte nie feinen Fuß in in diese verworfenen Quartiere. Es war gleichsam eine verachteten Claffen und unreinen Geschäften bestimmte Gegend; die Lohgerbereien, die Darmsaitenhandlungen, die Faulbütten waren hierher verwiesen",. So lebten die Unglücklichen ziemlich ruhig in diesem verlorenen Winkel, inmitten der Waarenballen, der niedrigsten Schenken und der Sänftenträger \syvi,, Bon dieser Katakombe ist jede Spur verloren: der Pater Marchs hat sie vergebens gesucht. Zwei jüdische Raiakomben sind seitdem in Rom aufgesunden worden, beide nahe bei einander, auf der appischen Straße, nabe bei Sr. Sebastian: Garrurri. Cim it e r o <1 eir 1 i a it tic hi e hr ei (9iem 1562); Di ssert. a rch. II, p. 150 folg. (Rom 1865».: De Rossi, BuI lct i n o 1567, p. 3, 16. ') Philo, 1. c.: Tacitus, Ann. II, 55. Die Inschriften bestätigen es. Lcvy, Epigraph Beitr. S. 257. Mommsen, Inscript, regni neap., 6467,: De Ri.-si , Bulletino. 1564. p. 70, 92—93. Bgl. Acl. VI. 9. 5) Siehe Welcher und Foucart, inscnplions reoueillies ä Delphes, 57 und 364. '') Cicero, Pro Klacco 25. -» Jos. Ant. XVII. III. 5; XI. 1. Dio Cassius XXXVII. 17. Tacitus, Ann. II» ^5; Suoton, Til> eriu s, 30; Mommsen, Inscript. 6467. Es gab zu Rom mindestens 4 Synagogen, von denen zwei die Namen Augusttls und Agrippa trugen: Corp. inscr. 6447, 9902, 9909; Orclli 2522; Garrucci, c i ni i t e r o, p. 35—40.. Dissert. arch., 11, p. 161 folg., de Rossi B alle 11 ino, 1567. p. 16. 8) Philo, 1. c.; Juvenal, III, 14, 296. VI, 542: Martial, 1. c.-, Stat, Silv. I, VI, 72-74. Die jüdischen Gräber Roms zeugen von großer Armuth. Bosio, Roma s otter., p. 190 folg. Levy, Epigraph. Beiträge zur G eschickte der Juden, S- 283. 9) Nardini, Roma antico, III, p. 328- 30 <4. Aust.); Martial, VI, XCIII, 4. I

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