Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1870)
- Date
- 1870-02-01
- Page
- Seite 91 (sequence 15)
- Language
- German
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91 brich dem Hungrigen dein Brod, wenn du einen Nackten siehst, so bekleide ihn u. s. w., in einem Buche, das aus einer viel früheren Zeit stammt, als jenes lebte. Hoffentlich wird der neubegründete Chanuka - Verein dazu beitragen, daß diese Unsitte, weil Selbstentwürdigung, in unserer Mitte immer seltener werden wird. Im Vereine Aphike-Jehuda hat unlängst Herr Wolf einen Vortrag über die Arbeiterfrage im Judenthume gehalten, wobei er viele Stellen aus dem gleichnamigen Capitel in Ihren weltbewegenden Fragen citirte. Nach unserer Ansicht wäre es nur dem Zwecke des Vereines entsprechend, wenn überhaupt mitunter auch durch den Druck veröffentlichte Arbeiten anerkannter Capacitäten im Vereine vorgelescn werden möchten; denn einerseits sind die productiven Kräfte im Vereine selbst nicht allzu dicht gestreut, anderseits würde ein großer Theil der Bereinsmitglieder erst dadurch auf die bereits vorhandenen Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft aufmerksam werden und zweifelsohne sich bestreben seine Bibliotheken mit denselben zu bereichern, was unleugbar zur Förderung und Verbreitung der jüdischen Wissenschaft, was doch der Zweck des Vereines ist, viel beitragen wurde. Hierdurch würde auch der bisher der Prager israel. Bevölkerung oft und mit Recht gemachte Vorwurf, daß aus chrer Mitte verhältnißmäßig die wenigsten Käufer auf dem jüdischen Büchermärkte sich einfinden, in Zukunft seine Begründung und Berechtigung verlieren, was für eine Gemeinde, die sich so gern in ihrem alten literarischen Ruhme sonnt, unmöglich gleichgültig sein kann. K. Amerika. Ans Nordamerika, Ende Dcc. (Privatmitth). Grant hat seit seinem Amtsantritte als Präsident der B. St. bewiesen, daß jene berüchtigte judenfeindliche „Ordre Nr. 11", die er als Generalissimus erließ, nicht aus seinem Herzen gekommen, sondern von höherer Autorität dictirt worden sei. Irre ich nicht, so ist in Ihrem Blatte schon des Washingtoner Advocaten Simon Wolf Erwähnung geschehen. Derselbe wurde vom Präsidenten Grant zu einer der einflußreichsten, und vergessen wir nicht hinzuznfügen — denn das kömmt in Amerika ganz besonders in Betracht — zu einem der einträglichsten Aemter berufen: zum Reeoräer ok äeecls der Stadt Washington. Dieser noch ganze junge Mann verdient es, daß wir ihm einige Linien in diesem Blatte widmen. Wolf wandcrte als Knabe von Rheinbaiern, seiner Heimath, nach Philadelphia aus, woselbst er einen Onkel hatte. Dieser nahm sich des Knaben an und „setzte ihm" — wie man es hier zu Lande nennt — einen „störe“ im Westen auf. Nicht lange fand der hochbegabte Jüngling in dieser geisttödtenden Beschäftigung Befriedigung. Bald warf er sich mit aller Energie auf das Studium der Rechtswissenschaft, bestand nach wenigen Jahren seine Prüfung und gehört jetzt zu den geachtetsten Advocaten der Residenz. Es will dieses sehr viel sagen, wenn man bedenkt, daß Washington als der Sitz der höchsten Gerichte des Landes auch der Sammelplatz der besten Rechtsgelehrten desselben ist. Wolf betheiligt sich aber auch mit der größten Hingebung und Begeisterung an allen Angelegenheiten des Judenthums. Wenn irgend ein Angriff auf Juden und Judenthum in diesem Lande gemacht wird, steht Wolf in der vordersten Reihe seiner Dertheidiger, und seine scharfe Feder hat schon manchen Gegner zum Schweigen gebracht. Bor einigen Wochen war er der Wortführer einer Deputation, die den Präsidenten ersuchte, sich bei der russischen Regierung für die Zurücknahme jenes Ausweisungsedictes zu verwenden. Daß Grant mit der größten Bereitwilligkeit seine Verwendung versprochen, wird Ihnen gewiß schon bekannt sein. Wir dürfen nicht zu bemerken vergessen, daß Herr Wolf ein glänzendes Rednertalent besitzt, welches er bei verschiedenen, seinem Fache ganz ferne stehenden Gelegenheiten, an den Tag gelegt hat. Einen weiteren Beweis von seiner vorurtheilsfrcien Gesinnung hat Präsident Grant durch die Ernennung des Generals E. S. Sal omon in Chicago zum Gouverneur des Territoriums Washington gegeben, der ihm vom Senator Carl Schurtz aus Missouri dringend empfohlen wurde. Näheres über denselben finden Sie in folgendem Artikel des „Baltimore Wecker." „Wie wir schon am Samstag kurz meldeten, hat Präsident Grant den deutschen General und Republi caner E. S. Salomon in Chicago zum Gouverneur des Territoriums Washington ernannt, und Hr. Salomon hat die ehrenvolle Stelle angenommen. Es ist zum ersten Male in der Geschichte der Union, daß ein Deutscher vom Bundesoberhaupte eine