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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-01 · Heft 5 (1.2.1870) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 5 (1.2.1870)
Date
1870-02-01
Page
Seite 82 (sequence 6)
Language
German
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82 ausgeschlossen, „die Gerechten aller Völker sind des ewigen Lebens theilhaftig." Aber man hatte ja diese erstgeborene Tochter der Gotteslehre verstoßen, mit Fesseln beladen und aus dem Kreise des menschengeschlechtlichen Culturlebens verbannt'. Sie durfte ihre reichen Schätze allein für ihre eigenen Kinder verwenden, und so viel man auch davon entlehnt hatte, man stritt es ihr, man leugnete es ihr ab. Und fürwahr, man wird nicht lange Zeiten hindurch mit Haß und Verachtung behandelt, ohne daß man, selbst unwillkürlich, etwas von Haß und Verachtung annimmt, man wird nicht ganze Perioden hindurch ausgeschlossen, ohne selbst ausschließend zu werden. Alles dies galt aus dem Wege zu raumen. Man hatte die Aufgabe, jene ewigen Wahrheiten und Grundsätze schon aus den Hüllen zu losen, welche das mosaische Specialgesetz nothwendig darum gebreitet, aus den Hüllen, welche, um sie aufzubewahren und für die Zukunft zu retten, das talmudische Gesetz noch stärker darauf gedeckt, und all' den Rost abzureiben, den die dunklen Zeiten der Verfolgung darauf angesetzt hatten. Es galt, jene Grundsätze, jenen unsterblichen Charakter des Judenthums in das helle Licht zu setzen, sie ihm als sein ursprüngliches Eigenthum zu vindiciren und es als die positive Quelle aufzudecken, aus welcher sie in die menschheitliche Flur geflossen. Dies war die besondere Aufgabe unserer Generation. Denn daß die Juden selbst nach intellectueller und socialer Bildung strebten, daß die Masse derselben sich der Cultur der Zeit immer mehr näherte und anschloß, daß sie in allem diesem das Niveau der Culturvölker erstieg, das datirt sich von länger her, und wir selbst sind die Sohne dieses Fortschrittes. Sie sehen, geehrte Freunde, daß wir unsrer Aufgabe bewußt waren und sind, für diese Ziele arbeiteten, sie in mannigfaltigen Werken bis zu jenen, der gesammten gebildeten Welt bekannt gewordenen Resolutionen der ersten israelitischen Synode zu Leipzig kundgaben. Aber wem anders als dieser Aufgabe gehört auch das Werk, welches Sie unternahmen und in so schneller Zeit stattlich aufrichteten, als ein neues Glied jenes großen Ordens, der sich durch die ganze amerikanische Union ausgebreitet hat. Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht, dies sind ja die wesentlichsten Elemente der Humanität, die eigentlichen Ziele der Religion, der Anfang und das Ende des Judenthums! So nehmen Sie meine besten Glückwünsche entgegen. Möge Ihre Loge blühen, sich ausbreiten und reiche Früchte tragen; möge der Geist, der sie begründet, niemals aus ihr schwinden; mögen ihre Erfolge den Absichten entsprechen, welche die Gründer beseelten und mit Thatkraft begeisterten! Und wenn Sie mich mit den Worten unsres Aeltervaters Jacob (1 Mos. 49, 8) begrüßten, so rufe ich Ihnen, dem 77-1177- -:n 77:77-2, die Worte Mose's (5 Mos. 33, 7) zu: '757 771177- 21p '.-1 „Hör', Ewiger, Jehuda's Stimme, und bring zu seinem Volke ihn, kämpft seine Hand für dies, so sei ihm Hüls' gen seine Dränger." Ihr achtungsvoller Dr. Ludwig Philippson. Die wcstnlssischen Inden. IV. Denkschrift des Haupt-Grcnz Comite's in Königsberg in Pr. In der zu Berlin in den Tagen vom 11. bis 15. October e. stattgehabten Generalversammlung der Delegirten der „^llianeo isrsslite universelle" zu Paris ist zum Zwecke der Abhilfe des Nothstandes unter den westrussischen Juden die Einsetzung eines Hauptgrenz-Comites zu Königsberg beschlossen worden, dessen Zusammensetzung, Aufgabe und Befugnisse in einem besonderem Protokolle niedergelegt worden sind. Hiernach soll das Comitö aus > 5 Personen bestehen, von denen mindestens zehn in Königsberg ansässig sind. Das Comito soll aus den in Vorschlag gebrachten und im obigen Protokolle angegebenen Mitteln zur Abhilfe die geeigneten auswählen oder auch selbstständig diejenigen Wege aussindig machen, mittelst welcher die dortigen Juden ihrer traurigen Lage allmälig entrissen, und die socialen Schäden geheilt werden können, denen sonst ftüher oder später ein großer Theil der jüdischen Bevölkerung Westrußlands zum Opfer fallen würde. Denn wenn auch während der im vorigen und vorvorigen Jahre herrschenden Hungersnoth die allgemeine Aufmerksamkeit und die öffentliche Wohlthätigkeit sich ausschließlich der Linderung der augenblicklichen Noth mit nicht geringem Erfolge zugewendet und viele Tausende vom Untergänge errettet hat, so handelt es sich jetzt nicht allein um Beseitigung der Folgen und Nach-

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