Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1870)
- Date
- 1870-02-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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80 lasten, eine höchst schwierige Frage bilden werde, da zwar die gegenwärtigen Glieder der jetzigen Gemeinden dafür haftbar sind, die Tilgung aber auf regelmäßige Beiträge und auf einen so langen Zeitraum berechnet ist, daß große Mißstände nicht ausbleiben können; dasselbe endlich würde hinsichtlich contractlicher Verpflichtungen, z. B. bei lebenslänglicher Anstellung der Beamten, stattfinden. Im Allgemeinen hegen wir auch nicht die geringsten Besorgnisie um den Bestand der jüdischen Gemeinden. Nordamerika, Italien und z. B. Hamburg haben hinlänglich erwiesen, daß das religiöse Bedürfniß und die religiöse Zusammengehörigkeit in der Maffe unsrer Glaubensgenoffen stark genug sind, um alle Schwierigkeiten zu überwinden, so daß die Um- und Neubildung in dergleichen Uebergangsperioden leichter von statten geht, als man sich vorstellt, regeres Leben weckt und nur einen kleinen Procentsatz Draußenbleibender absetzt. In der That würde es auch schlimm aussehen um ein Bekenntniß, dessen gemeindliche Existenz allein durch den Zwang staatlicher Gesetze gesichert wäre. Man kann sich sogar denken, daß die inneren Zustände au vielen Orten durck diesen Proceß geklärter würden und daß die wirklich herrschenden Ansichten und vorhandenen Bedürfnisse sich unverfälschter geltend machen könnten. Allein richtig ist es, daß in die Verhältnisse der meisten Gemeinden bei einem so plötzlichen Wandel zunächst eine große Verwirrung eintreten würde, welche zu überwinden und zu geregelten Zuständen zurückzuführen große Anstrengung, viel Einsicht, warmen Eifer und echte Friedensliebe erfordern möchte. Darum aber, und weil diese Eigenschaften nicht häufig zu finden, scheint es uns nöthig, daß man sich auf den Eintritt solcher Ereignisse vorbereiten müsse. Es gälte, sich die Fragen klar zu machen, die besonders erstehen werden, einen Plan zu entwerfen, wie auf dem Grunde der Freiwilligkeit die Gemeinden zu ordnen und ihre Stabilität neu zu begründen wäre, welche Verfassung ihnen zu geben, welcher Reorganisation ihre Institute zu unterziehen. Dies ist aber nicht Sache eines Einzelnen; darüber sich zu verständigen müssen Einsichtsvolle Zusammenwirken. Es scheint uns dies eine besondere Aufgabe des Gemeindebundes und der Gemeindetage zu sein. Jener müßte eine Commission einsetzen, welche die dahin gehörigen Fragen aufzustellen und deren Beantwortung vorzuschlagen habe. Auf dem Gemeindetage sollte dann die Discufsion vorgenommen werden; was jedenfalls zur Folge hätte, die Ansichten und Urtheile zu Tage zu fördern. Wir pfehlen daher diesen Gegenstand dem Comit6 des meindebundes zu nachdrücklicher Berücksichtigung. em- Ge- Antworlschreiben au die Ludwig Philippsou- Loge in Saltimore. Hochgeehrte Brüder! Sie haben mich mit einer Zuschrift beehrt, für welche Sie die Veröffentlichung in Anspruch nahmen, und legten mir dadurch die Pflicht auf, Ihnen in derselben Weise den herzlichen Dank für die Auszeichnung auszusprechen, die Sie mir gewährten, ein Auszeichnung, die mir theuer ist ebenso durch die Anzahl würdiger Männer, von denen sie ausgeht, als durch den Gegenstand, der die Veranlassung bot. Ein neues Werk der „Wohlthatigkeit, Bruderliebe und Eintracht", eine neue Veranstaltung brüderlicher Zusammengehörigkeit, liebevoller Association zu errichten, ist eine so herrliche That und zugleich ein weiteres wirksames Beispiel und Vorbild, daß den Urhebern und Theilnehmern nur die vollsten Sympathien entgegengebracht werden können. Für mich schließt sich folgerichtig die Frage hieran: wodurch ich es wohl verdient haben möge, meinen Namen mit Ihrem Bunde verknüpft zu sehen? Und da muß ich, so ungern ich es thue, einen Augenblick bei meiner Person verweilen, was ich jedoch mir nur gestatte, weil ich dabei einige allgemeinere Gedanken zu äußern und auf diesem Wege zu Ihnen zurückzukommen habe. Wenn ich (gegen Ende des Jahres 1811 geboren) bereits 44 Jahre die israelitische Religion zu lehren, 43 Jahre die Feder im Dienste derselben zu führen Gelegenheit gehabt habe, so liegt die Frage ganz nahe: welche ist die Aufgabe, die du dir während dieses langen Zeitraums gestellt, welche du von Beginn an bis jetzt aus bewußten und unbewußten Motiven verfolgt hast? Ob und wie weit es gelungen, sie auch nur theilweise zu lösen, das kann hier nicht in Betracht kommen, denn ob dies geschehen, ob die dem Individuum von der göttlichen Vorsehung verliehenen Gelegenheiten, Umstände und Kräfte gewissenhaft und getreulich benutzt und verwendet worden? kann Niemand, weder die eigne Persönlichkeit, noch die Mit-, selbst nicht die Nachwelt, wenn sie davon Notiz nimmt, beurtheilen, das steht nur