Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1870)
- Date
- 1870-01-25
- Page
- Seite 68 (sequence 12)
- Language
- German
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68 der Rechte und der Medicin, viele Militärärzte, ordentliche Kaufleute und tüchtige Handwerker ihre erste Bildung und Animation für das Bessere in diesen Anstalten erhalten haben, so wird man ihre, von den hohen Behörden belobten Leistungen nicht unterschätzen, besonders, da sie noch setzt durch einen überaus zahlreichen Schulbesuch als gerechtfertigt dastchcn. Ein belebender, zeitgemäßer Unterricht, jene auf die innere Natur des Menschen gegründete Methode, welche jede Geisteskraft von innen heraus entwickelt, traten hier bald an die Stelle des starren Mechanismus und todten Gedächtnißkrams, die das frühere Schulleben in unserem Kronlande charalterisiren. Ein ganzes Contingent besserer Menschen und denkender Köpfe haben diese Schulen bereits geliefert, daher die Ignoranz und Bornirtheit einiger Fanatiker hier, die dadurch die Existenz ihrer Verdummungs-Anstalten oder Winkelschulen bedroht sahen, sich in frühcrn Jahren gegen dieselben gewaffnet, und ihnen manche Kämpfe bereitet haben. Wir wollen dieser Erstorbenheit für alles Bessere nicht mehr mit moralischem Abscheu erwähnen, denn: De mortuis nil nisi bene! Aber je mehr diese Gegner die Schule, den einzigen Baum der Erkenntniß für die isr. Jugend zu entblättern strebten, desto mehr zeigte sich der Himmel in seinen Zweigen, desto mehr hatten sie Gelegenheit zu erfahren, daß man nichts gegen eine Anstalt unternehmen könne, die sich der Munisicenz und des Schutzes der Gutgesinnten erfreut. Stets wußten die Studienreferenten und Schulräthe bei der h. Statthalterei das Interesse dieser Schulen als der einzigen Bildungsanstalren der hiesigen Israeliten jederzeit zu wahren. Auch unser jetziger Landesschulrath, vertreten durch den Statthaltereirath v. Karasinski, sucht es zu bewähren, daß er zeitgemäßen und humanern Anschauungen huldigt, und auch an die Besserstellung der israelit. Schullehrer denkt, besonders, da sie den Anforderungen ganz entsprechen. Tie isr. Volksschulen hier haben nach der neuen Verfassung neben der allgemein wissenschaftlichen auch eine politisch nationale Seite, und auch in dieser Richtung sucht man den Ansprüchen gereckt zu werden, indem das Deutsche und das Polnische in gleichem Maße gepflegt werden. Wol aber liegt es in der Natur der Sache, daß in diesen Anstalten das deutsche Element den Vortritt haben muß; denn die isr. Jugend bringt hier in die Schule ihren Jargon, ein verderbtes Deutsch, woran der Lehrer den ersten Unterricht ankuüpfen muß, und bei einiger Bildung nur ist sie empfänglicher für deutsche Sprache, Gesittung und Lebensweise, und bringt daher mit der Kenntniß des Polnischen, das nur in diesem Lande von Nutzen ist, auch ein deutsch-österreichisches Staats bewußtscin ins Leben mit. Den Lehrern lohnt man diese Mühe dadurch, daß sie in ihren Rechten verkürzt, und dem äußersten Mangel preisgegeben werden. Es schein man fürchtet gegen den alten Spruch zu verstoßen: Quem Dii oderunt, paedagogum fecerunt. Der arme Lehrer bekleidet hier sein Amt, aber das Amt kann den Leh rer kaum bekleiden; er versieht hier seinen Posten, und der Posten versieht ihn nicht mit allem Röthigen. Und trotz ^alledem sind die isr. Lehrer, von denen der Director, Herr vr. Sternberg, und die Herren Wolf, Lodner und Volländer - Riesberg seit Eröffnung der Hauptschule fungiren, ununterbrochen bemüht, sowohl dem allgemeinen, als dem besondern Zweck der Erziehung und des Unterrichtes zu entsprechen, um ordentliche Menschen und nützliche Staatsbürger heranzuziehen, damit auch die isr. Jugend hier zu sittlicher und politischer Größe emporwachse. r. g. Anzeigen. Zum 1. April 1870 wird für die hiesige israel. Gemeinde ein junger, unverheiratheter Cantor unter folgenden Bedingungen gesucht. Derselbe soll, außer gediegenen, musikalischen, namentlich zur Einübung und Leitung eines Chors erforderlichen Kenntniffen, auch wenn möglich die Fähigkeit besitzen, Religionsunterricht zu ertheilen und nöthigenfalls den Schächter in Verhinderungsfällen zu vertreten. Der fixe Gehalt wird je nach den Befähigungen des Bewerbers auf 6—800 Thaler Preuß. Cour, bestimmt. Reflectanten mögen ehestens ihre beglaubigten Zeugniffe an den Unterzeichneten Vorstand portofrei einsenden. Stockholm, im December 1869. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Sto ckholm. Die Gemeinde Singhofen Amts Nassau sucht einen «ledigen) Religionslehrer mit dem fixen Gehalt von 3 00 Gulden jährlich anzustellen. Die Anstellung wird von der Königl. Regierung bestätigt, und kann keine willkürliche Kündigung der Gemeinde stattfinden. L Landau, Vorsteher.