Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1870)
- Date
- 1870-01-25
- Page
- Seite 67 (sequence 11)
- Language
- German
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67 einmal auf den Hals gesetzt sind, die lieben Kinder Israels." Das ist die sogenannte „christliche Liebe" der Ultramontanen. Wenn nun der Verfasser obigen Artikels beklagt: „Wir müssen sie wohl behalten bis an's Ende der Tage," so möchte man fragen: Wer sind die Wir? da doch Verfasser und Eonsorten den kleinsten Theil der Menschheit ausmachen. Der Redacteur des Blattes, das so schreibt, ist Mitglied des ultramontanen „Centralwahlcomitss." Kennzeichnend für die Partei. L. Lehrer. Diez (Prov. Nassau), Ende Dec. (Privatmitth.) Des jüngsten Ministerialerlasses, wonach den jüdischen Gefangenen in Preußen erlaubt ist, ihre Feiertage zu halten, wurde bereits mehrmals in diesen Blättern erwähnt; wie es jedoch weiter mit demselben in religiöser Hinsicht gehalten wird, davon hier ein Beispiel: In hiesiger Strafanstalt, worin dermalen 240 — dabei 5 jüdische — Sträflinge detinirt sind, stellte jüngst einer der letzteren das Gesuch, man möge ihn in eine andere Strafanstalt versetzen, wo ein jüdischer Gottesdienst gehalten würde, da er hier, in Ermangelung eines solchen, seinem religiösen Bedürfnisse nicht genügen könne. Der Director berichtet deshalb an die Regierung nach Wiesbaden, und wird von da beauftragt, sich vorerst mit dem Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde in Einvernehmen zu setzen; dies geschieht von beiden Thcilen in entgegenkommender Weise; man verständigt sich über Anfangszeit, Dauer u. s. w. eines, Freitags Abends, sowie an den zur Ruhe bestimmten 14 Feiertagen, Vormittags, durch den hiesigen Religionslehrer abzuhaltenden Gottesdienstes, und verabredet, daß außerdem 4 mal jährlich durch den Bezirksrabbiner in Ems in der Anstalt eine entsprechende Predigt stattfinden solle. — Der Vorsteher trägt diese Vorschläge schriftlich der Direction vor, und beantragt für diese Leistungen des Lehrers und Rabbiners nach mit denselben getroffenen Verabredungen ein Honorar von zusammen 28 Thlr. jährlich; der Director damit einverstanden, legt diese Vorschläge der Regierung, und letztere dem Ministerium vor und siehe da — Se. Excell. der Minister des Innern trug Bedenken lwie dies in dem von der Strafanstaltsdirection an den Vorsteher gerichteten Schreiben wörtlich heißt) in Anbetracht der geringen Zahl der jüdischen Sträflinge einen Religionsunterricht ins Leben treten und dafür — (und das ist des Pudels Kern, jährlich 28 Thlr. aus der Anstaltscasse zahlen zu lassen. — Ich bemerke noch, daß einer der hiesigen evangeliscben, sowie der katholische städtische Pfarrer für ähnliche Leistungen, ein jeder jährlich 300 Thlr. bezieht, und gegen die Auszahlung der genannten 600 Thlr. kein Bedenken vorliegt, und frage, wo ist hier die vielverheißene Gleichstellung? Der Vorstand ist nunmehr gewillt, diesen Gegenstand weiter zu verfolgen, und behalte ich mir vor, Ihnedemnächst darüber zu berichten. Oesterrcichischungarische Monarchie. Pest, 3. Januar. «Privatmitth.) Vor wenigen Tagen starb in unserer Stadt Ormüdy Bertalan, ein intelligenter, für Freiheit, Bildung und Aufklärung begeisterter Israelit. An seinem Grabe hielt der Prediger Eohn eine tiefempfundene Trauerrede in ung. Sprache. Ein eifriges Mitglied des ung. israelitischen Vereines, lieferte er seinerzeit vorzügliche Arbeiten im Magyar Jsraelita. Möge ihm die Erde leicht sein! 3.... Pest, 4. Januar. In Thurocz-Szt.-Marton wurden die stimmberechtigten Israeliten zur Richterwahl nicht zugelassen. Lemberg, 1. Jan. (Privatmitth.- Im Interesse unserer deutsch-israelitischen Schulanstalten ersuchen wir Sie um Aufnahme des folgenden Berichtes. Mit dem letzten December 1869 beschloß die hiesige deutschisraelit. Hauptschule das fünfundzwanzigste Jahr ihrer Jnslebentretung und Wirksamkeit. Ein Viertcljahrhundert ist verflossen, und noch wirkt diese Anstalt mit ungeschwächter Kraft zum Heil und Frommen der hiesigen Gemeinde fort, stets bemüht, besserdenkende Menschen und nützliche Staatsbürger heranzubilden. Bedenkt man, daß diese Schule mit den später creirten zwei isr. Trivial-Schulen hier bis nun jährlich von circa 1200 Kindern (Schülern und Schülerinnenbesucht werde; bedenkt man ferner, daß von dieser enormen Zahl in 25 Jahren eine Menge Doctoren