Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1870)
- Date
- 1870-01-25
- Page
- Seite 65 (sequence 9)
- Language
- German
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65 verbreiten sich im Lande wie die Ameisen. Ich müßte eine ganze Borpostenkette aufstellen, um bei unserer geographischen Lage das Eindringen der Juden in's Land zu hindern; dafür müßte ich von der Kammer ein eigenes Gesetz verlangen."*) Mehrere Stimmen: „Wir votiren es; mache es gleich!" Cogo l ni'ceano: „Aber, meine Herren! ein solcher Cordon ist ja unmöglich, denn er kostet 20 bis 30 Millionen und die haben wir nicht." Eine Stimme: „Thut nichts! Wir votiren sie dennoch!" (Bewegung, Lachen, Geschrei.) Der Minister nimmt, nachdem die Ruhe wieder eingetreten, seine Rede auf und erklärt, die Regierung werde das von Herrn Georg Bratiano urgirte Project der 33 nun und nimmer vorlegen. Wolle Herr Bratiano dies thun, so stehe es ihm ja frei, sammt allen 33 Herren heranzukommen und-cs zur Verhandlung zu bringen. Er habe als Minister Alles gethan, was möglich war; sollte die Kammer seine Haltung billigen, so werde er von der Ministerbank herabsteigen und es möge Herr Georg Bratiano dieselbe einmal erklimmen; man werde ja dann sehen, ob dieser das Ding besier anzustellen verstehe. Bon der Deputirtenbank aus sei es gar leicht zu reden, aber auf der Ministerbank.... das sei eine ganz andere Sache. Da die Zeit schon vorgerückt war, wurde die Debatte auf eine nächstkommende Sitzung vertagt. Am 29. December wurde die Debatte fortgesetzt. Boin ov spricht lange und verlangt eindringlich: die Minister sollten ihr politisches Glaubensbekenntniß in dieser Frage ablegen, damit das Land wisse, was es von denselben diesfalls zu erwarten habe. Auch in dieser Sitzung konnte die Debatte nicht zu Ende geführt werden. Am 30. December stellte endlich, nach weiteren langen Debatten über dieselbe Frage der Deputirte Peter Gradisteanu den Antrag: „die Kammer möge zur T agesordnung übergehen, da sie überzeugt sei, daß die Regierung die bestehenden Gesetze in Ausführung bringen werde." *) Der Herr Minister weiß sehr gut, daß in Rumänien bei der Schildwache bis zum Minister für ein gutes, nach dem Range gemessenes Trinkgeld Jedweder freien Eingang findet. Redaction. Dieser Antrag wurde mit großer Majorität angenommen, dagegen ein von dem Deputirten Cäsar Boliacs (Redacteur der „Trompeta Karpatilor")*) gestellter Antrag auf Ernennung einer Commission zur Ausarbeitung eines Judengesetzes den Sectionen überwiesen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 14. Januar. lPrivattnitth., Vorigen Dienstag wurde der diesjährige Eyclus von Vorträgen aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft würdig eröffnet durch eine Vorlesung des Herrn Dr. Z u n; über „Israels gottesdienstliche Poesie." In knapper Form wurde eine Fülle tiefer und origineller Gedanken gegeben, die, wenn sie auch keine neuen Thalsachen erössneten, doch das Bekannte in neuer und geistreicher Weise ableiteten, in Zusammenhang brachten und erörterten. Wir waren auch besonders durch die Frische im Aussehen und in der Stimme des würdigen Greises erfreut; ohne Anstrengung machte er sich vis in die entferntesten Theile des Saales verständlich. Es ist überflüssig zu bemerken, daß das zahlreiche Auditorium den Vortrag mit größtem Beifall aufnahm. AI. Aus dem Badischen, im Januar. (Privatmitth.» Der Austritt einiger Orthodoxen aus der Gemeinde zu Karlsruhe und die Erklärung des Obergerichts, daß dieselben keine Beiträge mehr zu den Gemeindelasten zu tragen haben, wird von bedeutsamen Folgen sein. Wir sammeln einstweilen die Aenßerungen hierüber. Karlsruhe, 7. Jan. lieber den Gesetzentwurf, die Eonfession der an Gelehrtenschulen anzu- *) Dieser saubere Herr, als Judenverfolger bekannt, ging jüngst nach Neapel zum Freidenkerconcil, wurde aber von diesem zurückgewieseu. Redaction.