Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1870)
- Date
- 1870-01-25
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
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64 Moldau auf 2 Millionen veranschlagt: entfallt l Israelin auf 5 Rumänen, wo vor 20 Jahren das Verhältniß von 1 zu 27 bestand. In Frankreich kommt 1 Jsraelite auf 240 Franzosen, in England 1 Jsraelite auf 728 Engländer, in Oesterreich 1 Jsraelite auf 31 Oesterreicher. Angesichts solcher Thatsachen muffe jeder Rumäne berechtigte Besorgniffe um seine Nationalität, sowie um sein mit dem Blute seiner Ahnen erkauftes Vaterland hegen. Codrescu stellt schließlich das folgende Begehren an die Regierung: „Es werde den Juden keine Gnterpachtun.q mehr gestattet; die vom Minister ergriffenen Maßregeln, wonach es den Israeliten nicht erlaubt ist, auf dem flachen Lande Schänken zu halten, sollen mit Energie durchgeführt werden; cs fei den Inden der Ankauf von Immobilien verboten; man verzichte lieber vorläufig auf die Befteiung von der Confularjnrisdiction, als daß man diese Befreiung mit dem Zugeständnisse von Gleichberechtigung an die Juden von den Mächten erkansc. Minister Cogolniceano erkennt an, daß die israelitische Allianz in Paris durch ihre Intelligenz, sowie durch ihr -vieles Geld*« heute sich schon so geberde, wie eine europäische Großmacht; übrigens klopfe diese Großmacht an alle Thüren, wie z. B. eben unlängst sie es gethan, wo sie den Präsidenten der Nordamerikanischen Staaten um eine Intervention beim Kaiser von Rußland bezüglich der Juden im russischen Beffarabien angegangen habe. — Was nun die Israeliten in Rumänien betrifft, so sei auch er mit Codrescu einverstanden und kenne das Uebel, das die Juden machen. Allein mit unserer Berfaffung, mir unserer vollen Freiheit des Vereinsrechtes, der Presse, des Handels u. s. f. könne die Regierung gegen die Israeliten, außer den bisher getroffenen, gar keine weiteren Maßregeln ergreifen. Er trete demnach ganz der Ansicht Codrescu's bei, daß eine parlamentarische Commission ernannt werde, welche die Frage reiflich untersuche und dann einen Gesetzentwurf der Kammer vorlege, den die Kammer dann in Verhandlung werde nehmen können, nachdem diese Frage nur durch die Nation gelöst werden müsse. Die Kammer habe das Recht der Initiative, sie könne daher mit was immer *) Wenn die Alliance so viel Geld hätte, wie der Herr Minister meint, so würden wohl die Herren Rumänen längst ihre Explosionen gemildert haben. Die Redaction. für Gesetzvorschlägen in Bezug auf die Juden kommen, die Regierung werde nicht Zurückbleiben und den Vorschlag erwägen; sie kann jedoch sämmtlichen europäischen Mächten sich nicht entgegeustellen, was sie offenbar thun würde, wollte sie ihrerseits einen Gesetzesvorschlag in dieser Angelegenheit einbringen. *) Nun ergreift Georg Bratiano das Wort, um von der Unterjochung der Rumänen unter die Juden, über die „Entsetzen erregende Invasion der Juden" und die Ueberschwemmung zu sprechen, die auch schon selbst das rein rumänische Gebiet jenseits des Altfluffes von den Juden zu erdulden habe. Sodann ruft Herr Bratiano aus: „Die Regierung aber thut nichts, aber rein gar nichts, um Rumänien vor neuen Invasionen zu schützen!" In diesem Ausrufe liegt des Pudels Kern und der Vorwurf, daß auch die jetzigen Minister mit dem stereotypen „non possumus" kämen, gleichwie alle früheren Minister in dieser Frage nur damit antworten konnten. Er aber — Georg Bratiano nämlich — wolle mit dem Heilmittel kommen, um dieses Uebel auszurotten: man bringe den „Gesetzentwurf der 3 3 herbei" (das von 33 Deputirten noch im Jahre 1867 eingebrachte, aber nicht angenommene Project, welches darauf hinauslief, alle Juden aus dem Lande zu weisen), man debattire darüber und modisicire denselben, wenn es nothwendig sein sollte, denn nur dadurch allein werde die Wohlfahrt Rumäniens gewährleistet. Zum Schluß ertheilt er dem Minister den guten Rath, die Stimme des Volkes zu beachten, denn sonst werde die Regierung fallen und Alles zertrümmert hinter sich lassen. Minister Cogolniceano versichert abermals, daß auch ihm diese Frage sehr am Herzen liege; allein was könne er denn noch mehr thun, als er ohnehin schon gethan? Eine Stimme: „Ertränket sie in der Don au!" Deputirter Voinow: „Gebt ihnen Güter in Pacht!" Cogolniceano: „Was soll ich machen? Ihr Eindringen in's Land verhindern? Das ist unmöglich, denn sie schlüpfen durch alle Grenzwachen durch und *) EinenschlagendernBeweis gegen sich konnte der Herr Minister nicht anführen. Er gesteht, alle europäischen Großmächte seien hierin gegen die Rumänen und ihre gegenwärtige Regierung, und diese kommen dennoch nicht zur Einsicht! Die Redaction.