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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-01-25 · Heft 4 (25.1.1870) · p. Seite 61

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 4 (25.1.1870)
Date
1870-01-25
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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61 gehörigen Juden den allgemeinen für Personen des Bauernstandes bestehenden Gesetzen zu unterstellen." — Bei solchen officiösen Artikeln muß man es verstehen, zwischen den Zeilen und die Wahrheit aus ihnen heraus zu lesen. Diese ist denn nichts anderes, als daß man den jüdischen Handwerkern und Ackerbauern die ge-' ringe und sehr beschrankte Freiheit der Einwanderung wieder nehmen oder deren Benutzung unmöglich machen will. Wie man dabei zu verfahren hat, ist sehr einfach und allbekannt. Man^ behauptet, daß eine mißbräuchliche Anwendung davon geschehen, und unter diesem Borwand hebt man das gemachte Zugeständnis wieder auf. Daß Fälle von Mißbräuchen stattgefunden, wollen wir glauben. Bei den mißlichen Umständen und Beschränkungen, die man von vornherein dem Gebrauche gestellt hat, ergibt sich der Mißbrauch, d. h. irgend eine wenig bedeutende Abweichung von den gesetzten Beschränkungen, wie von selbst. Da braucht man das Zugeständniß nicht einmal formell aufzuheben; man erneuert dem jüdischen Handwerker seinen einjährigen Paß nicht wieder und er muß in die verlassene Heimath zurück; man stellt überhaupt einen solchen Paß nicht weiter aus, und es kann Keiner mehr seine Heimath verlassen. Nach einiger Zeit heißt es dann in den officiösen und nichtofsiciösen russischen Blattern: die Juden haben von der ihnen zugestandenen Freiheit keinen Gebrauch gemacht. Man hat also für jeden Fall einen Einwand bereit; wandert der Jude aus, so mißbraucht er die Freiheit; wandert er nicht aus, so gebraucht er sie nicht. Jndeß ist dies Alles Schein, der Niemanden mehr blendet. Wir wissen nunmehr officiell, daß die Einwanderung in das Innere Rußlands nicht erlaubt wird und daß bei der gegenwärtig wieder eingetretenen Behandlung der Juden sie garnicht wünschenswerth ist. Diese Chance der Rettung unsrer unglücklichen Glaubensgenossen ist für jetzt verloren. Die DonaufürAenthümer. Die Aufgabe des Publicisten ist nicht immer eine leichte und angenehme. Es ist ihm nicht gestattet, stets aus dem reinen Quell der Wissenschaft und Humanität zu schöpfen, auf den Höhen des Rechts und der Vernunft zu wandeln. Er muß sich nicht selten mit den Leidenschaften des Tages, mit den widerwärtigsten Aeußerungen des Haffes und der brutalen Gewaltthätigkeit beschäftigen. und mit Menschen in den Kampf sich einlassen, deren Gesinnung er verachtet und deren Handlungen ihm Abscheu erregen. Allein, wenn auch diese in die Geschichte der Zeit gehören, muß er sie in die Annalen verzeichnen, die er zu redigiren hat, und so lange sie in der Wirklichkeit Geltung haben, muß er sie mit allen ihm zu Gebote stehenden Waffen befehden. So ist es denn auch heute unser Geschick, die rumänische Kammer mit ihren dreitägigen Verhandlungen über die rumänischen Juden nicht mit Stillschweigen übergeben zu können, noch dazu, da sie ein Schauspiel bietet, wie es wohl noch nie aufgeführt worden, so lange es Parlamente in eivilisirten oder doch aus Civilisation Anspruch machenden Ländern giebt. Leider haben wir nicht nöthig, den Lesern die traurige Geschichte der ^rumänischen Judenfrage seit 1866, d. h. seit der Herrschaft der Bratianos, ins Gedächtniß zurückzurufen; diese nicht vergessen zu lassen, dafür haben die Rumänen immer gesorgt. Das gegenwärtige Ministerium hat denn auch das Seinige bereits gethan, und eine grausame Dertreibung der Juden vom platten Lande angeordnet und ausgeführt. Die Reise des Fürsten Karl und einiger seiner Minister im Westen Europas flößte nun den rumänischen Wortführern die Befürchtung ein. daß jene in Paris und London wohl etwas Gerechtigkeit und Milde gegen die unglücklichen Juden in den Donaufürstenthümern versprochen hätten. Darum, obgleich sie wissen konnten, daß bei einem rumänischen Minister Versprechen und Halten, wenn sie nicht durch ein schwer es goldnes Band verknüpft werden, sehr verschiedene Dinge sind, wurde eine Interpellation in die Kammer gebracht, die nun zu dreitägigen Debatten veranlaßte. Man hatte so Gelegenheit, seiner Wuth Ausdruck zu geben, im echt rumänischen Geiste der gebildeten und sittlichen Welt den klopfsecbterischen Fehdehandschuh hinzuwerfen und zugleich bei dem Pöbel auf Beifall;n speculiren. Wir sagten, daß dies ein ganz einziges Schauspiel war. Und dies in medrsacher Hinsicht. Eine solche rührende Einigkeit und Uebereiustimmung zwischen Regierung und Deputaten, zwischen der Rechten, der Mitte und der Linken wird sich schwerlich noch einmal finden. Diese Gleichheit in Haß, Verfolgungssucht, 'in lügnerischer Uebertreibung. im Widerspruch mit allem Rechtsgefühl und jeder humanen

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