Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1870)
- Date
- 1870-01-18
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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41 mann an sie gerichtete Anfrage die Erklärung abgegeben, daß sie sammtlich dem Vereine als Mitglieder beitreten, und konnte somit der Verein nunmehr als constituirt erklärt und auf Grund deffen Gaben zur Fondirung entgegen genommen werden. Die erste derartige Erklärung ging von Dr. Philippson aus. Er zeichnete aus der Rießersammlung Ein tausend Thaler und trug darauf an, Dr. Gabriel Rießer als den ersten Fundator in die Matrikel einzutragen, was mit Befriedigung angenommen wurde.*) Als zweiter Fundator trat eine Familie ein, welche vorläufig noch nicht öffentlich genannt sein will, und zwar mit Zehn tausend Thalern. Ferner zeichnete der oben genannte Herr Goldschmidt Ein taufend Gulden. In Leipzig sind bereits Fünfhundert Thaler jährliche Beiträge auf einen längeren Zeitraum gezeichnet. Am Schluffe der Sitzung waren bereits ungefähr Zwei Taufend Thaler jährlich gesichert. (Fortsetzung folgt.) Zum -rutsch-israelitischen Gemeindebunde. ii. Selbstverständlich war der erste Gegenstand der Specialberathung: das Verhältniß des Gemeindebundes zu der Angelegenheit der westrnssifchen Juden. Nach der Entwickelung, welche diese genommen, liegt der Schwerpunkt gegenwärtig in dem Königsberger Comite, das sich über feine wirklichen Vorschläge und Maßnahmen mit dem Central-Comite der Alliance in Paris zu verständigen hat. Wie weit dies gediehen, wußte noch Niemand der Anwesenden zu sagen. Unterdeß waren bereits wieder 19 Personen von Leipzig über Magdeburg und Hamburg nach Amerika befördert worden. Dies war freilich nur nebensächlich und man befürchtete zum Frühjahr eine zahlreiche Invasion solcher Flüchtlinge in *) Den Rest der in unseren Händen befindlichen Rießersammlung werden wir zu einem Stipendium an der Hochschule verwenden, sodaß der Ertrag jährlich am Todestage Rießer's vertheilt werde. Die Redaction. den Osten Deutschlands. Dagegen wollte man dennoch die vom Gemeindetage all hoc erwählte Commission nicht als aufgelöst betrachten, sondern sie bis zum nächsten Gemeindetage bestehend erachten, um im Bedürfnißsolle auch ihrerseits eintreten zu können. Man ersuchte daher den anwesenden Vorsitzenden derselben vorkommenden Falls die Mitglieder der Commission von allen Vorgängen zu unterrichten. Als das erste wichtige Gebiet der Thätigkeit für den Gemeindebund wurde die Reorganisation des jüdischen Armen Wesens anerkannt. Durch den Krebsschaden deffelben, die Unterstützung der Durchreisenden, also durch den umfangreichen Bettel, ist daffelbe überall in völlige Zerrüttung gerathen. Es werden ungeheure Summen nutzlos verausgabt, während die Ortsarmen nur einen geringen Theil davon genießen; der leichtsinnige und dann gewohnheitsmäßige Bettel wird dadurch großgezogen, die Arbeitsscheu gefördert, die Unverschämtheit und der Betrug genährt. Allerdings laffen sich in den einzelnen Gemeinden Vorkehrungen treffen, welche dieses Uebel möglichst schmälern, und Dr. PH. skizzirte die Einrichtungen, die desfalls in der Gemeinde Bonn getroffen worden, und die von dem Principe ausgehen, daß eine kleine und mittlere Gemeinde höchstens die Pflicht anerkennen und üben soll, den wirklich Bedürftigen die Weitersahrt bis zur nächsten Gemeinde möglich zu machen. Allein derartige Einrichtungen können nicht viel helfen, wenn sich nicht die Gemeinden überhaupt oder doch die einer Landschaft mit einander verbinden, um nach gleichen Grundsätzen zu verfahren. Eine solche Vereinbarung zu bewirken, wäre die Aufgabe des Gemeindebundes. Weiterhin ließe sich sogar eine Concentrirung und Organisation zu Provincial-Armenverbänden denken. Es kam auch zur Sprache, daß sich manche Eisenbahnen zu einer Ermäßigung der Fahrpreise für auswandernde Arme heranlaffen würden, und daß man hierdurch die Mittelstationen von dem Besuche jener befreien könne. Anderseits wurde hervorgehoben, daß man doch nicht seine Pflicht gethan habe, wenn man jene Armen aus dem Lande hinausgeschafft habe, daß vielmehr hinsichtlich Aller, welche arbeits- und erwerbsfähig wären, das Bestreben stattfinden muffe, sie erwerbsfähig zu machen und ihnen dazu die Gelegenheit und Mittel zu verschaffen. Was von jüngeren Personen nach Deutschland komme, Müsse hierzu angehalten werden, und es sei ein unseliger Jrrthum, daß diese Versuche selbst nur nach ihrer Mehrheit erfolglos seien. Es wurden zahlreiche Beispiele angeführt,