Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1870)
- Date
- 1870-01-11
- Page
- Seite 28 (sequence 8)
- Language
- German
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28 wissen wollen. Die Parochiallast soll und kann nur freiwillig sein. Berlin, 30. Dec. lPrivatmitth.) Der Assessor Levi ist zum Hülfsricht er an demHypothekenamt Schrimm s Provinz Posen) mit einem festen Gehalt von monatlich -10 Thalern ernannt worden. Auch ist, seit dem Erlaß des jüngsten Bnndesgcsctzes über die Gleichberechtigung aller Eonfessionen im gelammten norddeutschen Bundesgebiete, den jüdischen Referendaren und Assessoren, im Gegensatz zu noch jüngst crflossenen Dccreten des Kammergerichtes, die Abnahme der Eide von Christen ohne Anstand übertragen worden. — Als ein Curiosum für unsere Zeit machen wir auf eine Petition der evangelischen Kreissynode zu Paderborn aufmerksam, welche ein Gesetz verlangt, daß Collecten für confessionelle Zwecke nur bei Mitgliedern derselben Confession gestattet sein sollen. Man sieht, diese Herren von der schwarzen Kutte gehen immer weiter und wollen den Menschen verbieten, zu bitten und zu empfangen, wenn Geber und Empfänger nicht zuvor ihren Taufschein producirt oder sich als Juden lcgittmirt haben. Gott sei Dank, daß die wirkliche Welt von diesen Schroffheiten nichts wissen will und derartige Versuche, den Religionskrieg, wenn auch nur im Stillen, wieder hervorzurufen, perhorreseirt. Schneidemühl, 28. Dec. In der Sitzung am 18. haben die Stadtverordneten in dem Vertragsentwurf Betreffs der Uebernahme des städtischen Gymnasiums durch den Staat verschiedene, wie es scheint, die Zustimmung der Regierung nicht gefährdende Abänderungen getroffen, in der hauptsächlichsten, der principiellcn Differenz aber nachgcgeben, indem sie die Aufnahme des Honorars für den jüdischen Religionsunterricht in den Schuletat nicht weiter verlangen. Dagegen beschloß die Versammlung auf den Antrag der 34 Väter der zeittgen 42 jüdischen Gymnasiasten den Magistrat zu ersuchen, deren an das Königl. Provinzial - Schulcollegium gerichtete beigcfügte Petition „um Beibehaltung qu. Unterrichts in bisheriger obligatorischer Form auf Kosten der Anstalt" zu befürworten und mit dem Vertragsentwürfe zugleich einzureichcn. Wiesbaden, 28. Decembcr. Die „Mittelrh. Ztg." schreibt: „Als vor Kurzem der Abgeordnete Wantrup im Abgeordnetenhause gegen die Zulassung von Juden zu Lehrer- und O fficierstel len sprach und hierfür als Motiv geltend machte, Juden könnten sich in solchen Stellen nicht die erforderliche Autorität verschaffen, entgegnete ihm der Abgeordnete Wehrenpfennig: in Frankreich finde man solche Anschauungen, wenn sie Jemand vortragen wolle, lächerlich. Wir sind in der Lage, heute einen praktischen Beleg hierzu zu liefern, indem am zweiten Weihnachtstage in der Synagoge zu Wiesbaden die Trauung eines Premier-Lieutenanrs eines französischen Garde- Regiments (also eines Elite-Eorps)stattfand." Es wird hierzu noch bemerkt, daß nach Ausweis der statistischen Tabellen die jüdische Bevölkerung in Frankreich unter allen Berufsartcn gerade die militärische am meisten bevorzugt. Aus der Provinz Preußen, 2l.December. Die „Nattonalzeitnng" schreibt: Das Organ verdeutschen (im Gegensätze zu den polnischen) Ultramontanen in unserer Provinz ist das, schon früher einmal von mir charakterisirte „Danziger katholische Kirchenblatt." Die geistliche Redaction dieses Blattes bringt, als ob es absichtlich geschähe, fast in jeder dritten oder vierten Nummer irgend einen Artikel, durch welchen sie schlagend beweist, daß es „verlorene Liebesmühe" ist, wenn unser Cultusministerinm mit so bewunderungswürdiger Unvcrdrossenhcit sich vor Allem um die Gunst der Ultramontanen zu bewerben scheint. So erhob sie in der vorletzten Nummer (vom 11. December) aufs Neue einen „Schmerzensschrei" gegen unsere Unterrichtsverwaltung. „Der Schmerzensschrei nach Parität (sagte sie) ist auch in unserer Provinz ein gerechtfertigter," und warum? Nun, weil unter den 22 Gymnasien unserer Provinz nur sechs katholische sind, und weil „alles Petitioniren um ein katholisches Gymnasium für die Kreise Löbau und Straßburg bis heute keinen Erfolg gehabt" hat. Freilich fällt es uns nicht ein, auf den Standpunkt derer uns zu stellen, die zwar eben so, wie wir die Trennung der Schulen nach Eonfessionen als ein Unrecht betrachten, aber es unter Umständen doch für einen Act der „Gerechtigkeit" halten, dieses Unrecht zu dulden und gar zu fördern. Aber stellen wir uns einmal auf den Standpunkt der Ultramon-