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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-01-11 · Heft 2 (11.1.1870) · p. Seite 22

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 2 (11.1.1870)
Date
1870-01-11
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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22 theologischen Disciplinen in Vorlesungen lehren, also I Berufe seines Lebens macht, ist ein jüdischer Theologe, für die jüdische Theologie ergänzend eintreten, und zwar! mag er ein Amt haben oder nicht. Dahingegen giebt nach einem bestimmten Lehrplan von sechs Semestern,! es auch nicht wenige, welche von einer „Wissenschaft des aber ganz in der freien Weise der deutschen Universi-! Judenthums" nichts wissen wollen, sondern nur eine täten. Freilich betont das Statut als einen wesentlichen I wisienschaftliche Bearbeitung des Judenthums, feines Jn- Zweck, daß die Anstalt eine Pflanzstätte der Wisienschaft! Halts, seiner Disciplinen und Geschichte gelten lasten des Judenthums werden solle. Aber bringt er hierfür! wollen; es sind diejenigen, welche der Theologie wieder etwas Anderes, als eine Universitätsfacultät überhaupt! Jurisprudenz den Charakter einer Wisienschaft abhat? Diese ist eben eine vorzügliche Pflanzstätte der I sprechen, und diesen nur der Philosophie und den exacten Wisienschaft, insofern hier Männer der Wisienschaft ver- I Wissenschaften zuschreiben. Es geht dies aus ihrer Deeinigt sind, ihre Vorlesungen wisienschaftlich zu halten! finition der „Wisienschaft" hervor, die sich in keiner haben, dem wissenschaftlichen Berufe allein leben, wissen-! Weise auf Voraussetzungen und tradirt Gegebenes schaftliche Studien deshalb immerfort treiben, deren Re-! stützen dürfe. Wenn somit beide Namen der projectirsultate der Literatur übergeben und ihre Schüler in i ten Veranstaltung ihre Gegner haben, so setzen wir diesen Kreis und diese Atmosphäre hineinziehen. Die! voraus, daß das Comitö die Bezeichnung „jüdisch-theoprojectirte „Hochschule" giebt daher für „die Wissenschaft 1 logische Facultät" darum habe nicht beibehalten wollen, des Judenthums" durchaus nichts mehr als eine Facul-! weil in unsrer Zeit Theologie und Theologen in Mißtät. Wenn der Entwurf es freihäli, daß die Lehrer! credit gerathen sind, an welchem die Titel „Rabbiner auch eine Art Akademie stiften könnten, so ist eine solche I und Prediger" bereits auch ihren genügenden Anmit den größten Universitäten auch verbunden und I theil haben, gerade wie die Worte Kirche und kirchlich, könnte von Berliner Gelehrten auch ohne die „Hoch- I Man wählte daher einen Ausdruck, vor welchem schule" gegründet werden, wie z. B. die Akademie der! alle Vorurtheile schwinden und gegen den nur Ein- Wisienschasten in Berlin ein Jahrhundert vor der Ber-! Wendungen streng doctrinärer Art erhoben werden könliner Universität bestand, und die Professoren der letzteren! nen. Aber man darf nicht übersehen, daß man hiermit durchaus nicht geborene Mitglieder der Akademie sind.! auch einen großen Theil des leichteren Verständnisses Es muß also ein anderer Grund obgewaltet haben.! bei dem größereren Publicum eingebüßt hat. Die Be- Wir hörten, zwar nicht von dem provisorischen Comitü! Zeichnung „jüdisch-theologische Facultät" ist seit 32 Jahselbst, sondern aus dem Munde eines sehr ehrenwerthen I reu populär geworden und Jedermann weiß, was er Veteranen der Literatur: es gäbe keine jüdische Theolo-! darunter zu verstehen habe, während dies mit „Hochgie, Theologie wäre ein christlicher Begriff. Diese An- I schule für die Wisienschaft des Judenthums" nicht der sicht theilen wir nicht. Theologie heißt „Gotteslehre",! Fall ist. Für uns hat dies allerdings keine Bedeutung, wäre also dasselbe wie 'n n-nn, wenn letzteres nicht I aber wir gestatten uns deshalb vorläufig noch den hervielmehr die von Gott gegebene Lehre, Theologie aber! gebrachten Namen anzuwenden. die Lehre von Gott bezeichnete. Dieser allgemeine Be- I Das provisorische Comitö, bestehend aus den Herren griff des Wortes specialisirte sich aber, indem Theologie I Prof. Dr. Lazarus, Prof. Dr. Steinthal, Commerciendie wisienschaftliche Bearbeitung der systematisch geord-! rath Liebermann, Dr. Paul Mayer, Dr. S. Reumann, neten Disciplinen, welche ein bestimmtes Religionsbe-! hatten, wie berichtet, auf den 20. December 11 Uhr in kenntniß in seiner äußeren und inneren Entwickelung I dem kleinen Saale des Arnim'schen Hotels eine Berbetreffen, ausdrückt. Warum es also keine jüdische! sammlung eingeladen, welche den Entwurf des Statuts Theologie, so gut wie eine christliche und islamitische ge- I berathen, ein Curatorium wählen, Beiträge zeichnen und ben solle, ist nicht gut "abzusehen. Es ist dies ein Bor-! hiermit den Verein, auf welchem die zu errichtende Anurtheil, ganz wie das, es gäbe keine Dogmen im Juden- I stalt beruhe, constituiren sollte. thume. Wir haben im Judenthume eine Dogmatik und I Die Versammlung sollte nicht eine allgemeine sein, eine Geschichte derselben, Exegese und Hermeneutik in I zu welcher öffentlich aufgefordert und an welcher Jeder- Fülle, Ethik, Rechtslehre u. s. w. Diese, wisienschaft-! mann beliebig theilnehmen würde, sondern eben nur aus lich bearbeitet und planmäßig geordnet, geben eine voll- I Eingeladenen bestehen. Wir nehmen hier den Faden gültige jüdische Theologie; wer diese zum vorzüglichen | eines einfachen Berichtes auf, vorläufig alle Fragen und

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