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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-01-04 · Heft 1 (4.1.1870) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 1 (4.1.1870)
Date
1870-01-04
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Neapolitaner und Gothen zu einer allgemeinen Versammlung und forderten sie auf, die Stadt muthig zu vertheidigen, denn so würde dieselbe sich sowohl bei den Griechen Achtung erwerben, als auch der Rache der Gothen entgehen, falls diese zuletzt die Oberhand behielten. Daß aber die Stadt sich mit Erfolg vertheidigen könne, dafür brachten sie als Zeugen die Juden herbei, welche versicherten, es werde wahrend der Belagerung an nichts Nöthigem fehlen.*) Die Juden verpflichteten sich also, in der kurzen Zeit, die bis zu dem gänzlichen Herankommen Belisars noch übrig war, die Stadt mit hinreichendem Mundvorrath und mit dem nöthigen Kriegsmaterial zu versorgen. Dies patriotische Anerbieten der Juden vernichtete mit einem Schlage die Hoffnung Belisars, die Stadt ohne Schwertstreich zu erhalten. Die Gothen, durch den Eifer der Juden beschämt, betheuerten nun ihrerseits, die Mauer wachsam und tapfer beschützen zu wollen: und darauf schlugen auch die lateinischen Bewohner dem Belisar jede Capitulation ab. Der Feldherr wollte aber den wichtigen Ort nicht in der Gewalt der Feinde lasten, obwohl es ihn eigentlich zum Entscheidungskumpfe nach Rom zog; glaubte er doch, Neapel in kurzer Zeit erobern zu können. Jndeß hierin sah er sich getäuscht. Die Gothen hatten die Mauern auf den Landseiten besetzt, den muthigen Juden war die Seeseite zur Bertheidigung übergeben. Beide, Gothen und Juden, schlugen, unterstützt durch die Vorzüglichkeit der Festungswerke, alle Stürme der Griechen ab, die ihre tapfersten Krieger vor den Wällen dieser kleinen Landstadt ließen. Zwar durchschnitt Belisar den Aquäduct, der in dieselbe führte, aber dies that den Neapolitanern wenig Abbruch, da sie hinreichende Brunnen besaßen. Trotzdem wünschten natürlich die Belagerten sehnlich. Entsatz von Theodat zu erhallen, der unthätig in Rom saß. Ihre Boten schlichen sich mit dem dringenden Gesuch um Hülfe durch das griechische Lager und gelangten zu dem Könige. Jndeß dieser, von Schrecken gelähmt, rührte sich nicht. Zur Erklärung dieser erstaunlichen Feigheit wird eine Art Wunder berichtet, das ich hier auch anführen will, weil ein Jude in demselben die Hauptrolle spielt. Theodat war überhaupt ein abergläubischer Mann, und die Bedrängniß, in welche ihn der Angriff der Griechen versetzte, ließ den Aengstlichen um so mehr nach Wahrsagungen und Vorbedeutungen haschen, die ihm die dunkle Zukunft erhellen sollten. Er wandte sich also an einen Hebräer, welcher in dieser Kunst einen bedeutenden Ruhm besaß, und fragte ihn, welcher der Ausgang des Krieges sein werde. Der gescheite Jude verfiel auf ein sehr einfaches Mittel, die Anfrage seines hohen Gönners *) Procopius, De bello Gothicol, 8 (ed. Bonn. p. 44): Tocctvrcc TI(’«ttü)o za xrel, ’Aax7.rtm6d'ozos tlnövra; roiv ’IovdVaoiv nccorjyov iayvat^outvov; zi'V nö}.iv ztöv uvuy/.aiutv oi’devby ivotä iGto&ca. zu beantworten. Er ließ in drei verschiedene Stalle je zehn Schweine schließen und jedem dieser Stalle einen Namen anschreiben: dem einen Gothen, dem anderen Römer (Jtalier), dem dritten Griechen. Nun ließ man die Schweine einige Tage ohne Nahrung, und dann begaben sich zur festgesetzten Zeit Theodat und sein jüdischer Rathgeber in die Ställe, um zu sehen, was aus den Thieren geworden. Da fanden sie die Gothen benannten Schweine sämmtlich todt bis auf zwei, die als Griechen bezeichneten alle bis auf wenige lebendig, die die Römer vorstellenden zur Hälfte todt, zur Hälfte lebendig, aber auch diese letzteren der Borsten beraubt. Da erschrak Theodat heftig, denn er erkannte, daß die italische Bevölkerung zur Hälfte umkommen und aller Schätze beraubt, das Volk der Gothen bis auf wenige Reste ganz ausgerottet werden, die Griechen aber mit verhältnißmäßig geringem Verluste die Herrschaft in Italien erhalten würden. „Ueber diese Dinge", setzt der Geschichtschreiber Procop vorsichtig hinzu, „mag nun jeder uriheilen, wie er sie für glaublich oder unglaublich hält."*) Mag nun Theodat durch dieses Vorzeichen oder, was ungleich wahrscheinlicher ist, durch seine natürliche Muthlosigkeit zurückgehalten worden sein: kurz, er sandte den Neapolitanern keine Hülfe. Trotzdem machte Belisar in seiner Belagerung gar keine Fortschritte. Der Sommer war darüber verstrichen, und die Zeit drängte, weil sonst die Griechen die Bestürmung Rom's im Winter hätten beginnen müffen. — Belisar war deshalb bereits voller Mißmuth entschloßen, die Belagerung Neapels aufzuheben; schon hatte er befohlen, die Heergeräthe zusammenzustellen, um jeden Augenblick den Abzug beginnen zu können. Aber das Schicksal hatte anders befchloffen, die Tapferkeit der Gothen und Juden in Neapel sollte nicht vom Erfolge gekrönt werden. Ein isaurischer Soldat im griechischen Heere entdeckte, daß man durch die Wafferleitung, die jetzt ohne Waffer war, da — wie schon erwähnt — Belisar sie oberhalb durchbrochen hatte, in die Stadt gelangen könne. Belisar benutzte dies mit Freuden und sandte auf dem erwähnten Wege nächtlicher Weile 400 Soldaten gegen die Stadt. Wirklich gelangten sie unter vielen Schwierigkeiten in dieselbe, eilten nach der Nordmauer, vor der Belisar harrend stand, überfielen und tödteten die unvorsichtigen Besatzungen zweier Thürme und riefen durch das vorher verabredete Zeichen mit der Trompete ihren Feldherrn zur Vervollständigung ihres Sieges. Von allen Seiten wurden die Mauern bestürmt und gewonnen. Am längsten aber hielten sich die Juden. Sie fochten um so muthiger, als sie von den Feinden keine Schonung zu erwarten hatten, da ja sie allein die friedliche Uebergabe der Stadt an die Griechen verhindert hatten. Während also in ihrem *) Procop. 1. c. (p. 45 8.): nagt f/av ovv zovxwv kzytzto txaazos, nrt <V avxa nioxxois *£ xai ccntozia? (%ti.

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