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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-01-04 · Heft 1 (4.1.1870) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 1 (4.1.1870)
Date
1870-01-04
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Ju-enthurns. Fenillelon-Geilage zu Ar. 1. Leipzig, den 4. Januar 1870. Die Juden in der Belagerung von Neapel. In dem Folgenden soll auf eine merkwürdige Episode aus der Geschichte der Juden im frühesten Mittelalter aufmerksam gemacht werden. Zwar ist ste in dem Geschichtswerk des Dr. Grätz erwähnt, indeß ist sie wohl einer eingehenderen Darstellung werth. Das zwölfhundertjährige Römerreich war gefallen; der letzte Kaiser war durch den germanischen Herzog Odovakar abgesetzt worden. Aber auch dieser hatte sich der Beherrschung Italiens nicht lange zu erfreuen gehabt, denn auf Veranlassung des griechischen Kaisers hatte der gewaltige Ostgothe Theoderich ihn geschlagen und getödtet und ein Reich seines eigenen Volkes auf der Halbinsel gegründet. Indeß die Ostgothen waren gering an Zahl und standen außerdem, als arianische Christen, in scharfem Gegensätze zu den katholischen Jtaliern. So kann es nicht Wunder nehmen, daß nach Theoderichs Tode das Ostgothenreich seiner Vernichtung schnell entgegen ging. Die Ermordung von Theoderichs Tochter und Nachfolgerin Amalasuntha durch ihren Vetter Theodat gab dem griechischen Kaiser Jnstinian einen erwünschten Vorwand, seinen berühmten Feldherrn Belisar zur Eroberung Italiens abzusenden. Theodat, ein schwacher unfähiger Fürst, der über dem Studium der Classiker die Führung des Schwertes verlernt hatte, vermochte den Griechen keinen Widerstand entgegen zu setzen. 2m Jahre 535 eroberte Belisar Sicilien, im nächsten Frühling setzte er nach Unteritalien über. Theodats eigener Schwiegersohn Mrimut öffnete ihm die Thore Rhegiums, und nun ergab sich eine Stadt jenes Landes nach der andern den Griechen, die sich mit dem großen und populären Namen der Römer schmückten und die Religionsgenossen der Jtalier waren. So brachte ein schnelles Vordringen, ein bloßer militärischer Spaziergang Belisar vor die Mauern Neapels. Neapel war damals eine verhältnißmäßig kleine Stadt. Aber es war gut befestigt, und dabei reich, so daß es sich für eine Belagerung gut hätte versorgen können. Die Stadt trieb lebhaften Handel zu Wasser und zu Lande, und so war es natürlich, daß sich auch viele Juden daselbst niedergelassen hatten. Die Juden nun befanden sich, den Griechen und den Gothen gegenüber, in einer ganz anderen Stellung als die Jtalier. Während diese in den Griechen ihre Glaubensbrüder, in den Gothen ihre religiösen Gegner erblickten: sahen die Juden sich vielmehr von dem überhaupt milden und edlen Stamme der Gothen schonend und fteundlich behandelt, von den unduldsamen Griechen dagegen stets gekränkt und sogar verfolgt. Erst vor wenigen Jahren «532) hatte Justinian ein Gesetz erlassen, welches das Zeugniß von Juden gegen Christen für ungültig erklärte. Ganz anders trat gegen sie der Arianismus auf, dessen im allgemeinen sanfte und tolerante Weise sich auch den Juden gegenüber bethätigte und dieselben sogar gegen die Verfolgungen der Katholiken beschützte. So waren die Juden überall die treuen Anhänger der gothischen Herrschaft, und auch bei der Belagerung des westgothischen Arles durch die Franken und Burgunder im Jahre 508 sehen wir sie eine Strecke der Mauern mit großer Ausdauer vertheidigen.*) Eben so konnten die neapolitanischen Juden die Ersetzung des gothischen Imperiums durch das griechische nur mit Schrecken erwarten. Sie waren deshalb entschlossen, alles, was in ihren Kräften stände, zur Abwehr dieses Ereignisses zu thun. Außer den Juden war noch eine kleine gothische Besatzung bereit, die Stadt gegen Belisar zu vertheidigen. Aber es schien, als ob weder Gothen noch Juden Neapel vor der Uebergabe an die Griechen bewahren würden. Die lateinischen Bewohner der Stadt, die große Mehrzahl der Bevölkerung, ordneten Gesandte au Belisar ab, um diesem die Bedingungen vorzulegen, unter welchen sie mit ihm capituliren wollten. Der griechische Feldherr nahm diese Forderungen an, und damit schien ihm die Stadt gewonnen. Die Einwohner liefen bereits zu den Thoren, um dieselben zu öffnen, der kleine gothische Heerhaufe verlor den Muth und wollte abziehen. Da trat ein plötzlicher Umschlag ein. Pastor und Asklepivdotus**), zwei höchst angesehene Sachwalter, waren eifrige Freunde der Gothen und suchten deren Herrschaft in Neapel auftecht zu erhalten. Sie beriefen also *) Vita 8. Caesarii Bolland. 27. Aug. VI. p. 69. **) Nicht ASklepiadotus, wie Grätz schreibt.

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