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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-01-04 · Heft 1 (4.1.1870) · p. Seite 12

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 1 (4.1.1870)
Date
1870-01-04
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 es im allgemeinen günstig, jedoch plaidirt die Presse einstimmig für die obligatorische Civilehe und für die ausschließliche Einführung von Civilstandsregistern. Der „Neue freie Lloyd", dessen Redacteur unser berühmter Glaubensgenosse Horn ist, wünscht überdies, daß es jedermann frei stehe, sich irgend einer Confession anzuschließen oder nicht. — Als liberale, die Gleichstellung betreffende Acte unseres Cultus- und Unterrichtsministers sind diesmal noch zu erwähnen: Die Ernennung des Ofner prakt. jüdischen Arztes Dr. L öblin zum Jnstitutsarzte an der dortigen männlichen und weiblichen Landespräparandie; ferner die Verleihung von 500 fl. an die Komorner israel. Cultusgemeinde zu Zwecken des Religionsunterrichtes für die dortigen Schüler der Volks- und Mittelschulen und 200 fl. an die Gemeinde zu Er-Mihülyfalva, als Beitrag zum Bau einer Rabbiners-Wohnung, welche Beträge der für jüdisch-kirchliche Zwecke vom.Reichstage votirten Summe entnommen sind. — Während im Mutterlands Ungarn nebst der bereits factifch bestehenden politischen und bürgerlichen Gleichstellung nun auch die religiöse Gleichstellung in nahe Aussicht gesetzt ist, ergriff der Landtag des Nebenlandes Croatien, in Folge einer Petition der Syrmier Israeliten und der Stadtgemeinde Bukovür (Hauptort Syrmiens), die Initiative zur Anbahnung der Emancipation der Israeliten des dreieinigen Königreichs, indem derselbe die dortige Regierung aufforderte, einen diesbezüglichen Gesetzentwurf vorzulegen. Voraussichtlich wird die croatische Regierung sich die ungarische zum Vorbilde nehmen und ebenfalls die vollständige Gleichstellung unserer dortigen Glaubensgenossen befürworten. Die Generalversammlung der Landeshauptstadt Pest ernannte am 1. dieses unsern Glaubensgenossen Joses Körösi (Hajduska) zum Director des zu errichtenden städtischen Bureau's für Statistik, welcher freisinnige Act dieser Körperschaft zum Lobe gereicht. Dagegen ist es zu tadeln, daß im hauptstädtischen Budget pro 1870 für Gehalte und Quartiergelder an die katholische Geistlichkeit 20,667 fl. 50 kr. angesetzt sind, die aus den Steuern aller Confessionen gezahlt werden, während die bisherigen Subventionen an die protestantische und griechische Confession im Betrage von 5000 fl., anläßlich der Errichtung consessionsloser städtischer Schulen im September d. I. suspendirt wurden und an die Israeliten noch gar keine Subvention ertheilt worden war. Wo bleibt da das Princip der Gleichberechtigung? Als bisher noch seltenen Beweis religiöser Toleranz heben wir hervor, daß die Repräsentanz der Bergstadt Jgl6 — wo, wie in den Bergstädten im allgemeinen, Israeliten früher nicht länger als 24 Stunden sich aufhalten dursten — das Ansuchen der dortigen, 45 Familien zählenden Jsraelitengemeinde um Anweisung eines Platzes zu einem Friedhofe einstimmig dahin entschied, daß die Israeliten ihre Todten auf dem gemeinsamen städtischen Friedhofe begraben können. — Ueber die weitere Errichtung von confession slosen Schulen ist es jetzt fast ganz stille. Heute haben wir bloß einen diesbezüglichen Beschluß der Stadt Rimaszombat zu registriren. Einerseits ist wol der Grund dieser Pause darin zu suchen, daß das Schuljahr bereits ziemlich weit vorgerückt ist; anderseits wieder setzen der Klerus und seine Schleppträger Himmel und Erde in Bewegung, um die katholischen Schulen confessionell zu erhalten; ja es ist ihnen sogar in einigen Städten, wie in Stuhlweißenburg und dieser Tage in Gran, dem Sitze des Fürstprimas, gelungen, den bereits gefaßten Beschluß bezüglich der Creirung von Simultanschulen rückgängig zu machen. Welche Mittel da in Anwendung gebracht werden. ist in diesen Blättern bereits zu wiederholten Malen berichtet worden. Heute wollen wir mittheilen, in welcher Weise der Altofner kathol. Pfarrer Brunner (ein würdiger Namensbruder des gewesenen Redacteurs der „Wiener Kirchenzeitung"», der den bekannten Exceß gegen die dortige Simultanschule in Scene gesetzt, durch seine Satelliten, die Capläne, die erste Religionsstunde in der Simultanschule abhallen ließ. Diese frommen Herren sprachen die Kinder also an: „Ihr habt euch in eine Jude »schule begeben und seid nun Juden, als Christen habt ihr also euer Seelenheil verwirkt." Einige vorgeschrittene Knaben machten geltend, die Schule sei keine Judenschule, sondern eine städtische Schule, worauf die jesuitischen Capläne meinten „ob jüdische, ob städtische Schule, das sei gleichbedeutend, und wofern ihr diese auch ferner besuchet, ist euer Seelenheil unrettbar verloren."*) *1 Nachdem erst im Proceßwege entschieden werden wird, ob das Altofner Schulgebäude, worin die dortige Simultanschule eröffnet wurde, der Stadt oder der kathol. I Confession gehöre, bot die israel. Gemeinde ihr Schul-

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