Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1870)
- Date
- 1870-01-04
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 In der bedeutenden Stadt Temesvär, wo ebenfalls Simultanschulen errichtet wurden, erklärte der kathol. Pfarrer Grausam jüngsthin von der Kanzel herab alle Confessionen für verflucht, natürlich mit Ausnahme der katholischen, und drohte den, ihre Kinder in die Simultanschule schickenden Eltern, mit dem kirchlichen Banne. Nomen est omen. Ein grausamer oder grauser Mann das! Wie in Nr. 49 d. Bl. erwähnt war, brachte der Klerus es dahin, daß in den Pester Simultanfchulen das confessionslose Gebet, welches vor Beginn des Unterrichtes gesagt wurde, wieder abgeschafft ward. Also lieber gar nicht beten, als ein paar, aller Consessionalität entkleidete kindlich fromme Worte gemeinsam mit protestantischen und jüdischen Kindern beten lasten! So wollen es diese Jesuiten. Wir geben das vom Klerus perhorrescirte Gebet in getreuer Uebersetzung hier wieder: „Allmächtiger, großer Gott, der du unser aller Vater bist! Wir danken dir, daß du uns in der vergangenen Nacht beschützt hast. Erleuchte unfern Geist, Pflanze in uns Fleiß, Ausdauer und Gehorsam; erwecke in uns das Feuer der Liebe, auf daß wir einander in Liebe umfassen, in allem Guten und Schönen vorwärts schreiten und uns bestreben, deiner unendlichen Güte immer würdiger zu werden. Amen!"* *) In P e st gab sich der auch in Deutschland nicht unbekannte Advocat und Deputirte Virgil S zilugyi dazu her, im Interesse der Consessionalität der kathol. Schule, Volksversammlungen zusammenzuberufen, die aber dreimal nach einander in verschiedenen Stadttheilen durch den Feuereifer ,der akademischen Jugend vollständiges Fiasco erlitten, und dem Arrangeur Szilügyi Katzenmusiken und andere Unannehmlichkeiten zuzogen. Beider Wahl der Lehrer für die Simultanschulen der Stadt Komorn wurden 9 Katholiken, 5 Reformirte, 3 Israeliten und 2 Evangelische gewählt. Haus für die Simultanschule an, welches Anerbieten mit Dank acceptirt ward, so daß der Unterricht nun seit dem Exceffe im jüdischen Schulgebäude fortgesetzt wird. *) Der Pester Schuleninspector Zichy vertheidigt die Einführung dieses Gebetes gegenüber dem Journale „Hon" — welches die Ansicht aussprach, daß in confessionslosen Schulen gar kein Gebet gesagt werde — damit, daß die Kinder in der confessionellen Schule gewöhnt waren, vor und nach dem Unterrichte ein Schulgebet zusagen; also die gänzliche'Abschaffung desselben ihm nicht rathsam erschien. Was würde Herr von Mühler dazu sagen, wenn Komorn in Preußen läge? Die Simultanschule der Stadt Großwardein wird von 959 Kindern besucht, unter denen 383 israelitische sind. In zahlreichen Comitaten ist nun bereits auch die israelitische Confession, gleich den übrigen, durch einen selbst gewählten Vertreter im Comitatsschulrath repräsentirt. Heute können wir über die diesbezügliche Wahl des Oberrabbiners Dr. Kohut in Stuhlweißenburg, Oberrabbiners Hirsch in Altofen und des Di-. Heller für das Preßburger Comitat berichten. In dieser Hinsicht haben wir also Preußen den Borsprung abgewonnen. Sal. Blum. Anzeigen. Vaeanz. Die hiesige israelitische Gemeinde sucht einen Lehre und Vorsänger, welcher 12 Kinder in den Elementar und Religionsfächern zu unterrichten, mit Chor unter Begleitung eines Harmoniums Gebete und Gesänge beim öffentlichen Gottesdienste vorzutragen und über seine Befähigung zur Ausübung der na-'ns sich auszuweisen vermag, sofort in provisorischer Weise mit einem Jahresgehalte von 400 fl. und freier Wohnung anzustellen. Geeignete Bewerber wollen ihre Meldungen unter Beifügung ihrer Zeugnisse in thunlichster Bälde bei dem Unterzeichneten einreichen. Jebenhausen (Württemberg>, d. 20. Dec. 1809. Das israelitische Kirchenvorsteheramt. Die vacante Religionslehrer-, Schächter- und Borbeterstelle in Eschenau, Rabbinatsbezirk Heilbronna.N. wird zu besetzen gesucht. Gehalt 250 fl. p. a. nebst freier Wohnung und nicht unbedeutender Emolumenten. Oualisicirte unverheirathete Bewerber wollen ihre Zeugnisse innerhalb 4 Wochen dem Unterzeichneten franco einsenden. Heilbronn a. N., im December 1869. Das K. Bezirksrabbinat. Dr. M Cngelbert.