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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-01-04 · Heft 1 (4.1.1870) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 1 (4.1.1870)
Date
1870-01-04
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 Tönten nicht Vorschub leisten, also die Beschlüffe des autonomen israelitischen Congreffes solange in Kraft bleiben werden, bis nicht ein zweiter Congreß dieselben zu modificiren für gut befindet. Die von lebhaftem Beifalle begleitet gewesene Rede lautete also: „In einem Lande, wo mehrere Confessionen existiren und das Gesetz das Princip der Gleichheit zwischen diesen Confessionen festgestellt hat, gibt es nur zwei Wege, welche die Legislative befolgen kann: entweder sie übt eine gleiche Macht über alle Confessionen, indem sie zugleich für deren confeffionelle Bedürsniffe sorgt, oder sie muß allen Confessionen mit Vorbehalt des Oberaufsichtsrechtes volle und vollkommene Freiheit gewahren. (Beifall.) Nachdem in Ungarn die Protestanten durch Jahrhunderte für Autonomie gekämpft und dieselbe vollkommen errungen haben, nachdem im Sinne der neuen Gesetze dieseAutonomieder griechisch-orientalischen Confession und den Jsr aeliteu gewährt wurde; nachdem die Bestrebungen der Katholiken in diesem Lande dahin gerichtet sind, sich eine autonome Kirchenversaffung zu sichern, erkläre ich, daß ich die Durchführung und FeststellungderReligionsgleichheit au feinem anderenWege als auf dem Vervollständigen Freiheit niemals unterstützen werde. (Eljen von der Linken.) Ich werde sie nicht unterstützen, erstens, weil dort, wo der Staat sich in die inneren Angelegenheiten der einzelnen Confessionen mischt, die Herstellung der vollkommenen Gleichheit durchaus unmöglich ist, und, wenn dieselbe durch irgend ein Wunder auch möglich wäre, die Confessionen, welche sich in der Minorität befinden, niemals das Vorgehen für gerecht anerkennen würden; zweitens, weil ich nichts für gefährlicher in Bezug auf die constitutionelle Freiheit halte, als wenn die Constitution das Princip der Freiheit, auf welches sie selbst basirt ist, in anderen Regionen nicht anerkennen will (Beifall) und, indem sie alle Interessen der Bürger dem Staate unterwirft, denselben dadurch entwöhnt, sich in wichtigeren Dingen autonom zu regieren, bis sie zuletzt sogar das Gefühl der Freiheit verlieren. (Beifall.) Ich halte die Feststellung der Autonomie aller Confessionen für eines der wichtigsten und hauptsächlichsten Interessen nicht blos der einzelnen Confessionen, sondern des fteien Staates selbst; denn vor Allem ist die Autonomie die sicherste Garantie der constitutionellen Freiheit und dann kau» die Autonomie in keiner Weift besser gesichert werden, als indem dieselbe den einzelnen Confessionen in weitester Ausdehnung zugänglich gemacht wird; und auch die Erfahrung beweist, daß die Autonomie nicht gesichert ist, solange dieselbe nicht auch im Kreise der Confessionen realisirt ist. Im gegenwärtigen Jahrhunderte, da die Religionsfteiheit für das Individuum ohnehin existirr — denn in der Praxis wird gewiß kein Individuum bei der heutigen Civilisation in seinem Gewissen gewaltsam unterdrückt werden können — so halte ich die gesetzliche Proclamirung des Princips der Religionsfreiheit und Gleichheit nur insoferne für wirklich wichtig, wenn wir dasselbe nicht blos auf die Individuen, sondern auch auf die Confessionen selbst anwenden (Lebhafter Beifall), indem wir aussprechen, daß keine Confession, mögen sich nun zu ihr Millionen, Hunderttausende oder blos Tausende bekennen, mehr oder weniger Rechte habe als eine andere. (Beifall.) Dies aber ist nur so möglich, wenn wir aussprechen, daß jede gleiche Freiheit hat; denn nur die Freiheit ist gleich, das Recht niemals. Was endlich die Gefahren betrifft, welche nach der Auffassung Mancher für den Staat entstehen, wenn größere confeffionelle Corporationen, wie z. B. eine Kirche, Freiheiten besitzen, welche letztere auch gegen den Staat mißbraucht werden können — so muß ich erklären, daß das Correctiv dieser Gefahr eben in der Autonomie, eben darin liegt, daß die Gesammtheit der Bekenner einer Confession deren Recht übt. Diese Gefahren werden sich meiner Ueberzeugung nach umsomehr verringern, je mehr Freiheit den einzelnen Confessionen gewährt werden wird und je mehr dadurch die Ursachen jeder Reibungen wegfallen, welche zwischen dem Staate und den einzelnen Confessionen entstehen. (Zustimmung). Ich gebe zu — die Geschichte beweist es ja! — daß einzelne Kirchen dem Staate gefährlich werden können: allein ich bin davon überzeugt, daß wirklich freie Kirchen dem Staate niemals gefährlich werden können. (Lebhafter Beifall.) Demzufolge glaube ich, daß es nicht Aufgabe der Regierung sein kann, die schon existirenden Autonomien zu beschränken, sondern vielmehr jedes Bestreben zu unterstützen, welches zur Festigung, Ausdehnung und Kräftigung der Autonomie der verschiedenen Confessionen dienen kann." (Lebhafter Beifall.) Was das Urtheil der Tagespreffe bezüglich des Entwurfes über die Religionsfteiheit anbelangt, so lautet 1*

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