Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1870)
- Date
- 1870-01-04
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 lichen Familie. Es'wäre zu viel von den Bereinigten Staaten verlangt, zu proclamiren, daß künftig es eine unerläßliche Bedingung ihrer Verbindung mit den Nationen sein sollte, daß das internationale Gesetz nur jene Nationen als Mitglieder der Bölkerfamilie anerkennt, die von den unveränderlichen Gesetzen einer allgemeinen Menschlichkeit geleitet werden. Deshalb müssen wir ergebenst und ehrerbietigst bitten, daß eine Abschrift dieser Petition den Vertretern der Vereinigten Staaten bei der russischen Regierung mit etwaigen anderen Instructionen übergeben werde, welche Ew. Excellenz geeignet erscheinen mögen, um dem so grausam betroffenen Volke Hülfe zu schaffen. S. Wolf. A. S. Salomons. Henry Adler. I. S. Jacobs on. Lewis Abraham. Der Präsident bestätigte in seiner Antwort, daß es unseren Tagen der Aufklärung nicht gezieme, irgend eine Race,- Farbe oder Religion zu verfolgen, und daß es ihm großes Vergnügen machen würde, den Einfluß der Regierung zu benutzen, um eine Rücknahme des Ukas zu erwirken, sowie die Petition dem Cabiuet vorzulegen, das jetzt zusammentrete. dieser, das Gewiffen verletzenden Begünstigung machen, welche nämlich alle mllitärpflichtigen Juden, die sich taufen wollen, vom Militärdienst befreiet. Wer einigermaßen mit den Verhältniffen der polnischen Juden vertraut ist, daß sie nämlich im 18., spätestens im 20. Jahre ihres Alters schon verheirathet, und folglich bei Erreichung des 30. Jahres mit einer zahlreichen von 5—6 Kindern bestehenden Familie beladen, für deren Unterhalt sie rastlos bestrebt sind, der kann sich eine leichte Vorstellung machen von dem panischen Schrecken, den der obige Ukas auf die unglücklichen Familienväter, die das 31. Jahr nicht erreicht haben, hervorgebracht, denn sie sehen sich mit einem Schlage gänzlich ruinirt, ihre Gewerbe und Geschäfte plötzlich vernichtet; ihren ins tiefste Elend jählings gestürzten Familien entrissen, werden sie in strengster Haft gehalten, nach der Gouvernementsstadt geführt und von hier mit einer bewaffneten Escorte nach dem Kaukasus zur Erfüllung ihrer Militärpflicht auf wie viel Jahre? weiß der liebe Gott! transportirt. Meine Feder sträubt sich die elendeste und jammervollste Lage der zurückgebliebenen, schütz- und hilflosen Familien weiter zu schildern, um nicht die Herzen der ausländischen Glaubensbrüder allzusehr zu verwunden. A. H. Rußland. Moskau, 10. Dec. Das in Petersburg eingebrachte GesLch der hiesigen Judenschaft um die Erlaubniß, in Moskau eine Synagoge erbauen zu dürfen, wurde abschlägig beschieden. Dagegen wurde ihr die Etablirung einer Knabenschule, in welcher der Bortrag aber russisch sein müsse, bewilligt. Don der polnischen Grenze. 15. Dec. (Privatmitth.) Die große in der ganzen Welt Mitleid und Theilnahme erregende Roch der westrussischen Juden, ist leider jetzt verdoppelt worden durch den eben erfolgten allerhöchsten Ukas, welcher ausschließlich den Juden die Pflicht auferlegt, bis zmu 31. Lebensjahre zum Militärdienste gezogen zu werden, wohingegen die Christen nur bis zum 23. Jahre diese Verpflichtung haben. Zwar enthält dieser Ukas zugleich eine Begünstigung, aber die Juden können, ohne ihre Ueberzeugung verleugnen zu wollen, keine» Gebrauch von Corr espondenz. Monatsberichte ans Ilvzarn. Neu-Berbaß, im December 1869. Nachstehende Rede unseres verehrten Cultusmiuisters, die er in Beantwortung einer an ihn gerichteten Interpellation in der Reichstcrgsfttzung vom 10. d. M. hielt und die wir auch vollinhaltlich mittheilen, damit der auffallende Gegensatz, welcher zwischen der echt freiheitlich-constitntionellen Anschauung des Baron Eötvös und denen so manch andern Cultusministers, z. B. des Herrn v. Mühl er, herrscht, in je weitern Kreisen bemerkbar werde — bekräftigt uns in unserer obigen Voraussetzung, daß die Factoren der hierländischen Gesetzgebung den culturfeindlichen Wühlereim der Obscu-