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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-01-04 · Heft 1 (4.1.1870) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 1 (4.1.1870)
Date
1870-01-04
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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der dem Lord Clarendon gegebenen Zusicherung, daß die Juden in Rumänien eingebürgert werden würden. Amerika. Washington, 30. Nov. Das Nähere über die Audienz einer jüdischen Deputation bei dem Präsidenten Grant wegen der russischen Juden theilen wir hier aus dem New-Iork Herald mit: Diesen Morgen hatte eine Delegation, aus den Herren Salomons, Wulf, Adler, Jacobson und Abraham bestehend, bei dem Präsidenten eine Audienz, zu der sie von dem Secretair Boutwell eingeführt wurde, und legte dem Präsidenten folgende Petition vor, wobei sie um seinen freundlichen Einfluß beim Kaiser von Rußland bat, wegen einer Modification des jüngsten Ukas, der jüdische Familien aus ihren Sitzen vertreibt: „Sr. Excellenz dem Präsidenten der Vereinigten Staaten: Wir, die ergebenen Bittsteller, stellen Ew. Excellenz vor, daß die traurige Nachricht durch den Kabel zu uns gelangt ist, daß jüngst durch ein grausames und unmenschliches Gesetz zwanzig tausend Juden aus ihren Häusern in das Innere Rußlands vertrieben worden. Sie sind nicht wegen eines Verbrechens oder Vergehens verbannt worden, sondern einfach weil sie fest und muthig dem Glauben anhängen, in dem sie geboren, und weil sie mit der geschichtlichen Standhaftigkeit der Hebräer den Traditionen und Wahrheiten ihres Volkes treu bleiben und für die Gewissensfreiheit leben und sterben wollen. Es ist kaum glaublich, daß in unserem aufgeklärten Jahrhundert, wegen keiner anderen Sünde als Gott nach der Stimme seines Gewissens anzubeten, solche grausame Verfolgung geschehen kann. Seit Jahren bewunderten wir die wachsende Neigung seitens des Czaaren zu -liberalen und aufgeklärten Ansichten, und wir glauben auch, daß dieses Edict entweder nicht seine Billigung hat, oder daß es ihm abgezwungen worden, um eine unwissende und grausame Bauernschaft zu beschwichtigen. Wir erscheinen vor Ew. Excellenz, um die Sache dieser Unglücklichen zu führen; und obgleich wir in diesem freien und toleranten Lande leben und dessen Bürger sind, wo Jedermann seiner religiösen Ueberzcugung unbehindert folgen kann, können wir doch nicht umhin, die Wunden unsrer Glaubensgenossen mitzuempfinden und ihre Noch und Bedrängniß 'mit ihnen zu fühlen. Ja, Excellenz, obgleich wir wohl wissen, daß es gegen die Politik unsrer Regierung ist, sich in die Angelegenheiten fremder Völker zu mischen, so werden doch im Namen des Gesetzes Verbrechen begangen, die durch ihre Naturbeschaffenheit und ihre Wichtigkeit Beleidigungen gegen die Menschheit und so auch Uebertretungen und Verletzungen der Völkerrechte sind. Wir hegen das Vertrauen, daß unsre Bitte, wenn sie auch kein thatiges Eingreifen der Vereinigten Staaten bewirken sollte, doch ein geeigneter Gegenstand für freundschaftliche Vorstellungen seitens der Regierung einem freundlichen und treuen Verbündeten gegenüber sein wird, und wir bitten ganz ergebenst, daß unserem geehrten Gesandten in St. Petersburg Instructionen geschickt werden mögen, die ihn beauftragen, der russischen Regierung vorzustellcn, daß dieser Gegenstand zur Kenntniß des Präsidenten der Vereinigten Staaten gebracht worden, und die Forderung an ihn zu stellen, daß er jeden innerhalb der Grenzen der Diplomatie gestatteten Einfluß anwende, damit der Ukas zurückgezogen oder modificirt werde, und da die Sache von größter Eile ist, denn inmitten eines russischen Winters werden hülflose Familien von ihrem Heerde hinweggeschleppt, so bitten wir ganz ergebenst, daß zu diesem Zwecke ein Kabeltelegramm abgeschickt werde, denn Eile ist eine der Haupterfordernisse in diesem Falle. Ew. Excellenz brauchen wir nicht daran zu erinnern, daß, während Nationen daran arbeiten, die Verbindung der Völker durch liberale Dud freundschaftliche Verträge zu erleichtern, mittelst der modernen Wissenschaft alle Hinderniffe niederzureißen, die durch kleinliche Politik Völker gettennt haben, die alle in dem Ebenbitde Gottes geschaffen, der unser Aller Vater ist, es eine vergebliche Arbeit sein wird, die Elationen der Erde durch Bande der Freundschaft zu vereinigen, wenn nicht unser moralisches Gesetz der Menschlichkeit anerkannt wird. Wird es etwa von einem Feinde in Kriegszeiten verlangt, oder liegt es dem Genius unserer aufgeklärten Institutionen fern, es bei einer befreundeten Macht in Friedenszeit geltend zu machen? Die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetze, die göttlichen Rechte, die in unserer unvergleichlichen Erklärung der Menschenrechte ausgesprochen worden, sind die Schlagwörter unserer Politik. Diese Principien sind die Geburts rechte der mensch-

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