Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1870)
- Date
- 1870-01-04
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 vor Vorurtheilen zu schützen und dem Manne jene sittliche Kraft zu verleihen, welche ihn unbefangen in der menschlichen Gesellschaft das Wahre und Rechte erstreben läßt. Wir fügen diesem Artikel der „N. B. L. Z." hinzu, daß im Gegensätze hiervon die Verwaltung unseres Religionsschulwesens besseren Händen anvertraut sein müßte. Da herrscht eine Anarchie, bei Gemeinden wie bei Lehrern, wie sie zu des sel. Eppstein Zeiten nicht denkbar gewesen wäre. Die alte Bachurimsverdingzeit scheint im vollen Anzuge. Unsere sonstigen inneren Zustände, resp. die längst projectirte und allseitig ventilirte neue Kirchenverfassung, wird noch längere Zeit, ohne irgend Eines Verschulden, in ruhendem Zustande verbleiben müssen. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 15. December. Der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat gestern nach einer lebhaften Debatte beschlossen, daß die Bemerknng aus der Matrikel, ob ein israelitisches Kind beschnitten oder nicht beschnitten worden, in das Geburtszeugniß gar nicht aufzunehmen sei. Pest, 22. December. Wegen der Aussichtslosigfeit einer baldigen Erledigung der Municipal-Reform werden die Pester Stadtrepräsentanten ihre Mandate niederlegen, damit die Neuwahlen unter Zuziehung der bei der vorigen Wahl ausgeschlossenen jüdischen Einwohner stattfinden können. Nekrolog. ihn in seinem Mannesalter nach fünfundzwanzigjähriger wirksamer Thätigkeit als Rabbiner, unserer Mitte zu entreißen. Eine betrübte Gattin beweint den herben Verlust, die Kinder jammern um ihren Vater, die Gemeinde trauert um ihren treuen Hirren und die Juden in Ungarn wissen nicht den Werth dessen zu schätzen, den sie an Zipser verloren haben. Zipfer war der beste und gelehrteste Rabbiner in Ungarn, die Zierde des Judenthums. Er begann seine Laufbahn als Bachur noch unter Nehemias Trebitsch und vollendete seine akademischen Studien auf der pester Universität. Im Jahre 1844 trat er das Amt in Stuhlweißenburg an und wirkte dort bis zum Jahre 1858. Die Hyperorthodoxie sttengte sich an, das Leben dieses friedlichsten Menschen zu verbittern, sie verschmähte es nicht, chn bei der polittschen Behörde zu denunciren. So verließ er am 11. März 1858 den Ort des Streites und übersiedelte nach Rechnitz, wo er bis zum Lebensende segensreich wirkte. Seine Biographie erschien in Reiches „Bet El", wo auch alle seine Arbeiten der Reihenfolge nach ausgezeichnet sind, worunter hervorzuheben ist die Arbeit „The sermon on the mount“. (S. aügem. Ztg. d. Judenthums 1851 Nr. 14.) Als Manuscripte hinterließ der Verblichene ein vollständiges geschichtliches Werk über die Makkabäer-Periode. Es wäre zu wünschen und auch im Interesse der Wissenschaft, daß man es der Wittwe abkaufe und mit dem Gelde für die armen unmündigen Waisen sorge. Bei uns in Ungarn ist es Brauch, daß die Waisen gebildeter Rabbiner und Lehrer verkümmern, sie sind dem Spotte der orthodoxen Cohorte ausgesetzt, möge daher der „Magyar Izraelita egylet“ von seinem Vereinsrechte Gebrauch machen, die Schriften Zipsers an sich zu kaufen, damit das Andenken an den Verblichenen im Vaterlande nicht dem Zufall überlassen bleibe. Das gebildete Ausland würdigt unsere gelehrten Rabbiner und Lehrer eher, als wir. V erltas. Pest-Ofen, 20. Dec. vr. Meier Zipser, Oberrabbiner zu Stuhlweißenburg und Rechnitz. Geboren am 14. Aug. 1815 im B. Gyarmath Neogrüder Eomirat, gestorben am 10. December 1869 in Rechnitz. In weitesten Kreisen wird der Schmerz Wiederhall finden über den herben Verlust dieses wahrhaft frommen und gelehrtesten Rabbiners Ungarns, Nach langem Leiden war es der Rathschluß des Gütigen Donausürslenthümer. Bukarest, 22. Dec. (Tel. Dep.) Heute wurde in der Kammer das Ministerium inrerpellirt wegen der Thätigkeit, welche die Alliance israelite von Paris aus in der rumänischen Judenfrage entwickelt, und wegen