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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-12-22 · Heft 52 (22.12.1863) · p. Seite 809

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 52 (22.12.1863)
Date
1863-12-22
Page
Seite 809 (sequence 11)
Language
German
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809 tretet von Griechenland erwidere ich euren Dank 'int Namen der christlichen Helenen, welche gegenwärtig sind, und der ganzen griechischen Nation. Ihr Israeliten seid kein fremdes und unbekanntes Volk für uns Griechen. Unsere alte Geschichte ist eng verknüpft mit der des auserwählten Volkes. Aus eurem ftühern Daterlande haben wir jene begeisterten Schriften empfangen, auf denen größtentheils der theologische Bau unserer Kirche gegründet ist. Das ist die Vergangenheit. Aber die Gegenwart stellt eine nähere Verwandtschaft zwischen euch und uns her. Von heute an werden wir und ihr unter derselben Fahne, unter demselben König und unter denselben Gesetzen stehen. Ihr werdet von jetzt ab dieselben politischen Rechte genießen, die wir selbst besitzen, sowie ihr die Kinder desselben Landes seid. Griechenland und sein König wird die Kunde von diesen Dankgebeten mit derselben Bewegung empfangen, welche wir im Anhören der Gebete fühlten, die chr an den allmächtigen Schöpfer des Weltalls richtetet. Die beredten Worte, die in der heiligen Synagoge ausgesprochen sind, werden bald die Ohren des griechischen Volkes erreichen. Mit derselben Aufrichtigkeit, mit der ihr Griechenland euer neues Canaan nanntet, wird Griechenland euch in seinen Schoß aufnehmen. In den Hallen unserer Akademien, unserer Gerichtshöfe und unserer gesetzgebenden Körper, hoffe ich, werdet ihr das finden, was eure Nation vor beinahe zweitausend Jahren verlor — ihr werdet ein Vaterland finden, welches eurem Lande in historischem Ruhme wenigstens gleichsteht, es aber überragt in Hinsicht auf politische Freiheit und Regierung. Unter dem Schutze des Gesetzes und des Scepters Georg I. werdet ihr die Rechte und alle anderen Bortheile genießen, welche die griechische Nation unter zahllosen Opfern errang. Sicherlich ist zwischen uns in religiösen Angelegenheiten eine Verschiedenheit, die uns in einiger Hinsicht trennt. Doch wenn auch das große Opfer, das auf dem Berge Golgacha fiel, eine Scheidewand zwischen unserm religiösen Gewissen und dem der Hebräer gesetzt hat, so seid doch versichert, meine jüdischen Freunde, daß wir, die unter der Akropolis von Athen leben, uns an nichts aus eurer Vergangenheit erinnern wollen, als daß ihr die Abkömmlinge der Propheten und der religiösen Führer unserer Nation seid. Es lebe hoch darum (Zeto!) eure nationale Verbindung mit den christlichen Helenen! Diese Ansprache rief eine große Sensation hervor. Amerika. Canada. Jüngst sind über 200 polnische Juden in Quebec von Hamburg angekommen und wollen sich in der Gegend von Ottava gemeinschaftlich niederlassen. — Aus der Union wird erzählt: Jüngst wurde von den Unionisten ein Jude als Spion arretirt, weil man bei ihm ein paar Thephillim und jüdisch geschriebene Briefe gefunden. Glücklicherweise wurde ein Vertrauen besitzender Jude aufgefunden, der die Sache aufllärte. 9t a ch t v a g» London, II. December. Sir Moses Montefiore hat eine Audienz bei der Königin und dem König gehabt und äußert sich von dem Resultate sehr befriedigt. Aus dem Grosiherzogthum Baden, im December. «Piivatmitth.) Ihrer badischen Correspondenz in No. 48 kann die erfreuliche weitere Mittheilung nachgesandt werden, daß unser allverehrter Großherzog schon wieder auch einem israel. Schullehrer, nämlich dem Hauptlehrer Leopold Moos in Standegg, zu dessen 50jährigem Dienstjubiläum die silberne Verdienst-Medaille verliehen hat; und so ist denn in unserm gesegneten Baden jede Spur von Zurücksetzung des Judenthums verschwunden. Dies zeigt sich namentlich auch in dem Entwürfe der neuen Schul-Ordnung des großherzogl. Qberschulraths, worin der §. 20 für jede Gemeinde einen allgemeinen Schulrath einsetzt, worin neben den Pfarrern jeder Confession auch der Rabbiner, oder wo kein solcher ist, ein anderes Mitglied des Synagogenrathes Sitz und Stimme hat. — Die weitere Auslassung Ihres citirten Correspondenten bedarf aber einer Berichtigung dahin, daß unter den von dem großherzogl. Oberrathe zur Berathung einer neuen Kirchenverfassung berufenen Vertrauensmännern allerdings schon von Anfang an auch ein Rabbiner, nämlich der Stadtrabbiner Millstätter von Carlsruhe, und jetzt, nachdem einer der berufenen Laien abgelehnt hat, an dessen Stelle auch ein Rabbiner berufen worden sein solle; wobei freilich! noch immer das große Mißverhältniß sich herausstellt, 52**

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