Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1863)
- Date
- 1863-12-22
- Page
- Seite 805 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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805 Wer diese Arbeit mit Berständniß zu lesen im Stande ist, der wird es freudig und dankbar zugleich anerkennen, daß nur eia Deutscher, der zugleich ein Jude ist, sich in den Charakter Nathan's so innig und warm zu versenken und das Wesen deffelben so lebensvoll uud wahrheitsgetreu darzustellen vermag. Berthold Auerbach kokettirt mit seinem Judenthume nicht, aber ihm ist auch jene Perfidie fremd, demJudenthume aus dem Wege zu gehen. Wer die kleine, aber unaussprechlich anmuthige Novelle „Lederstrumpf" in seinem Kalender gelesen, der wird die warmen jüdischen Herzensschläge herausgesühlt haben, die beim Niederschreiben jenes niedlichen Gemäldes im Schriftsteller pulsirten uud ihm die Hand führten. Doch wozu ein Eingehen auf Einzelnes? Wer Berthold Auerbach's Schriften kennt, der weiß das Gesagte von selbst; wer sie noch nicht kennt, der suche ihre Bekanntschaft; vor allem aber halten wir es für eine Pflicht, die wir dem Verfasser schuldig sind, und für ein Verdienst, das wir uns um unsere deutschen Glaubensgenossen erwerben, wenn wir letztere auf die jetzt erscheinende zweite (eigentlich dritte) Gesammtausgabe von Berthold Auerbach's Schriften aufmerksam machen und aus den von der Cotla'scheu Buchhandlung veröffentlichten Prospect verweisen. — Schriftsteller, die für uns thätig sind, verdienen es, von uns gefördert zu werden; den Schriftsteller fördert man, wenn man durch Anschaffung seiner Werke die Verbreitung derselben ermöglicht und ihn dadurch zu neuem Schaffen anregt. — Goldschmidt. London, 4. December. Nach dem J. C. ist vom Bischof Colenso der 4te Theil seiner kritischen Beleuchtung des Pentateuchs erschienen und behandelt dieser die ersten 11 Kapitel des Isten Buch Mos., besonders die Schöpfung, den Fall und die Flut. Bonn, 9. December. „Wahre Liebe. Drei Erzählungen von M. Wassermann, Rabbiner in Möhringen. Stuttgart, 1864." Unsere Leser mögen sich nicht von dem Titel abschrecken lassen, in der Voraussetzung, hier wieder einigen der gewöhnlichen Liebesgeschichten zu begegnen; vielmehr sollen die drei Erzählungen in lebendiger Weife Beispiele vorführen, wie die wahre Menschenliebe sich thatkräftig erweist. Der Stoff ist aus den verschiedenen Kreisen des bürgerlichen Lebens, bäuerlichen, städtischen uud militärischen genommen und anziehend behandelt. Diese Erzählungen sind für das allgemeine Publikum geschrieben und zwar zunächst für die Jugend. Aber aus einer jüdischen Feder geflossen, bieten sie eine willkommene Gabe für die jüdische Zugend dar, di^ hier selbstverständlich nichts trifft, was unsere religiöse Anschauung verletzt und ihr widerspricht. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Diez (Nassau), 18. November. Am vorigen Freitag wurde hier die neue Synagoge feierlich eingeweiht. Das Gebäude verbindet das Einfache mit dem Soliden und Geschmackvollen und ist in allen Theilen vortrefflich ausgeführt. Zu der Feier waren außer den 3 nassauischen Rabbinen die hiesigen christlichen Geistlichen, das Amtspersonal, die Spitzen der übrigen Staatsbehörden, Gemeinderath und Feldgericht, die Synagogenbauhandwerker sowie mehrere Herren eingeladen, welche sich durch Uebernahme von Obligationen bei dem Cultusanlehen betheiligten. Die Weihe und die Predigt wurden in trefflichster Weise durch den Herrn Bezirks-Rabbiner Hochstädter in Ems ausgcsührt. Carlsruhe, im December. (Privatmitth.) Unser Landtag ist wieder versammelt. Die Begeisterung, welche im ganzen Volke für den regierenden Großherzog und dessen gegenwärtiges Staatsministerium lebt, ist unermeßlich und die jüdischen Unterthanen Bavens theilen sie in vollem Maße, wie sie es auch schuldig sind. Unter den Vorlagen, welche dem Landtage gemacht werden, befindet sich auch der Handelsvenrag Badens mit der Schweiz. Derselbe wahrt in der bekannten Weise die Rechte der badenschen Juden nicht und es wird daher darauf ankommen, ob die badenschen Kammern gleich den holländischen Generalstaaten ihre Zustimmung dem Vertrage so lange verweigern werden, wie die Rechte der badenschen Bürger israelitischen Glaubens nicht vollständig geschützt sind. In dieser Angelegenheit ruhen die Blicke insbesondere auf dem Abgeordneten Dr. Kusel.